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Konzert / Archiv | Beitrag vom 13.05.2016

Tugan Sokhiev und Gautier Capuçon beim DSORussische Pop-Ikonen

Live aus der Philharmonie Berlin

Der Cellist Gautier Capuçon (Matthew Tammaro/DSO)
Der Cellist Gautier Capuçon (Matthew Tammaro/DSO)

Vier Jahre lang waren Orchesterwerke von Sergej Prokofjew das programmatische Rückgrat der Konzerte, die Tugan Sokhiev mit dem Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin gab. In seinem vorletzten Programm als Chefdirigent widmet er sich der selten zu hörenden Suite „Leutnant Kijé“ und kombiniert sie mit Modest Mussorgskijs „Bildern einer Ausstellung“ in der Instrumentierung von Maurice Ravel und dem Violoncellokonzert „Tout un monde lointain …“ von Henri Dutilleux. Solist ist Gautier Capuçon.

Am Anfang stand die Kantate "Alexander Newski", es folgten das Oratorium "Iwan der Schreckliche", eine Reihe von Sinfonien und Orchestersuiten. Kompositionen von Sergei Prokofjew ziehen sich wie ein roter Faden durch die Programme, die Tugan Sokhiev seit seinem Amtsantritt 2012 mit dem DSO verwirklicht. Alle diese Konzerte wurden von Deutschlandradio Kultur aufgenommen, etliche dieser Mitschnitte – "Iwan der Schreckliche", die "Skythische Suite" sowie die Fünfte Symphonie – sind inzwischen auch auf CD erschienen. Den vorläufigen Abschluss dieser Prokofjew-Serie bildet nun die Suite "Leutnant Kije", die Prokofjew ursprünglich als Musik zu dem gleichnamigen Film von Juri Nikolajewitsch Tynjanow komponierte und wenig später, im Jahr 1934, als Suite für den Konzertsaal einrichtete. Der Film ist eine Satire auf die Zarenzeit, die sich aber unschwer auch auf die Zeit des Stalinismus übertragen ließ. Der Film ist heute völlig unbekannt, aber auch die Orchestersuite wird relativ selten gespielt, zitiert wurde sie aber unter anderem von der Classic Rock Band Emerson, Lake and Palmer oder auch von Sting in seinem Song "Russians".

Die machte Anfang der 1970er-Jahre Furore mit einer Rock-Adaption von Modest Mussorgskys Zyklus "Bilder einer Ausstellung". In der Instrumentierung von Maurice Ravel stehen die "Bilder einer Ausstellung" auch auf dem Programm dieses Konzerts. Ravels Instrumentierung ist der seltene Fall einer Bearbeitung, die dem Original gewissermaßen zu seiner eigentlichen Erscheinungsform verhilft. Jedenfalls hat Mussorgskys Klavierzyklus nie jene Popularität und Eindrücklichkeit erlangt wie Ravels Orchesterfassung, die geradezu als Ideal einer Instrumentierung gelten kann.

Zwischen Prokofjew und Mussorgsky steht das Werk eines Komponisten, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird: "Tout un monde lointain…", ein Konzert für Violoncello und Orchester von Henri Dutilleux, das Ende der 1960er-Jahre für Mstislaw Rostropowitsch entstand. Heute gehört es zu den meistgespielten Werken des französischen Komponisten. Es bezieht sich auf Charles Baudelaires legendäres Gedicht "Les fleurs du mal", jedem der fünf Sätze ist ein Baudelaire-Zitat vorangestellt. Solist in diesem Konzert ist der französische Cellist Gautier Capuçon, der zuletzt im Jahr 2013 beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin zu Gast war.

Live aus der Philharmonie Berlin

Sergej Prokofjew
"Leutnant Kijé" - Sinfonische Suite op. 60

Henri Dutilleux
"Tout un monde lointain…" für Violoncello und Orchester

ca. 21:00 Uhr Konzertpause

Modest Mussorgskij
"Bilder einer Ausstellung" (instrumentiert von Maurice Ravel)

Gautier Capuçon, Violoncello
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Tugan Sokhiev

Surround Sound - Dolby Digital 5.1

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