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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 04.07.2015

Tsipras' ReferendumGriechenland: Kein Exit nirgendwo?

Zu Gast: Alexander Graf Lambsdorff und Panagiotis Kouparanis

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Aus Scrabble-Buchstaben ist der Schriftzug GREXIT zusammengestellt. (pa/dpa)
Bei einem "Grexit" - dem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone - steht viel auf dem Spiel. (pa/dpa)

Das für Sonntag geplante Referendum in Griechenland könnte zur Schicksalswahl werden. Die Regierung Tsipras müsse echte Reformen liefern, sagt der liberale EU-Politiker Alexander Graf Lambsdorff. Jetzt gebe es offenbar nur noch "die Wahl zwischen Pest und Cholera", meint der Journalist Panagiotis Kouparanis.

Die Ankündigung von Alexis Tsipras, das griechische Volk an diesem Sonntag in einem Referendum über die Reformvorschläge der Gläubiger abstimmen zu lassen, kam selbst für diejenigen überraschend, die sich an unvorhergesehene Wendungen in der Griechenlandkrise gewöhnt hatten. Die Volksabstimmung wird allerdings nicht nur als "Ja" oder "Nein"  der griechischen Bevölkerung zu Reformen gewertet, die die Regierung Tsipras abgelehnt hat, sondern auch als Frage nach dem Verbleib Griechenlands in der Eurozone – und seiner derzeitigen Regierung im Amt.

Griechenland dürfe kein "Fass ohne Boden" werden, fordert Alexander Graf Lambsdorff. Der FDP-Politiker und Vizepräsident des Europäischen Parlaments hat immer für eine klare Linie gegenüber Griechenland plädiert: Die Regierung Tsipras müsse echte Reformen liefern, alles andere sei den anderen Schuldenländern nicht zu vermitteln, die sich schmerzhaft um Reformen bemühten. Würden diese Reformen nicht umgesetzt, dann sei ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone zu diesem Zeitpunkt möglicherweise das kleinere Übel. "Natürlich bleibt ein Grexit politisch und ökonomisch hochriskant", sagt Alexander Graf Lambsdorff.

"Gefährlicher dagegen wäre ein falsches Entgegenkommen gegenüber einer linkspopulistischen Regierung – denn damit wird der Euro weich und die Rückkehr zu einer Stabilitätskultur in der Eurozone unmöglich gemacht."

"Jede Kürzung, auf die sich die griechische Regierung einlässt, ist eine Kürzung bei der griechischen Bevölkerung", sagt dagegen Panagiotis Kouparanis, der seit über zwanzig Jahren als Berlin-Korrespondent für das griechische Programm der Deutschen Welle berichtet und die Folgen der Krise in seinem Land hautnah miterlebt hat. In der verfahrenen griechischen Situation gebe es "nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, egal welche Regierung im Amt ist." Außerdem müsse Europa sich im Klaren darüber sein, dass eine ähnliche Lage auch anderen schwächelnden Staaten drohen könnte. "Alles ist sehr unsicher, sehr volatil."

Griechenland: Kein Exit nirgendwo?

Darüber diskutiert Gisela Steinhauer von 9:05 Uhr 05 bis 11:00 Uhr mit dem lberalen EU-Politiker Alexander Graf Lambsdorff und dem Deutsche-Welle-Journalisten Panagiotis Kouparanis in unserer Sendung "Im Gespräch".  

Hörerinnen und Hörer  können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254  2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de oder auf Facebook und Twitter.

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