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Profil / Archiv | Beitrag vom 27.04.2011

Trompeter und bayerischer Rockstar

Der Musiker Stefan Dettl

Von Georg Gruber

Eine wilde musikalische Mischung ist das Markenzeichen von Stefan Dettl (Gerald von Foris)
Eine wilde musikalische Mischung ist das Markenzeichen von Stefan Dettl (Gerald von Foris)

"La BrassBanda" ist zur Zeit der wohl erfolgreichste und zugleich innovativste Musikexport aus Bayern in die ganze Welt. Nun ist mit "Rockstar" das erste Solo-Album des Sängers und Trompeters der Combo, Stefan Dettl, erschienen.

Truchtlaching liegt da, wo es der liebe Gott gut gemeint hat mit den Menschen, rein landschaftlich – der Chiemsee ganz nah, die Berge in Sichtweite. In der Ortsmitte, gleich neben der Kirche und gegenüber vom Wirtshaus wohnt in einem liebevoll renovierten Bauernhaus Stefan Dettl, Trompeter und Sänger von "La BrassBanda".
Aufgewachsen ist er in Grassau, gut 25 Kilometer entfernt. Klingt so, als wäre er mit seinen knapp 30 Jahren bis heute nicht weit gekommen. Doch die Musik hat ihn rausgeführt aus der Provinz, in die er trotzdem immer wieder gern zurückkehrt - um wieder fortzugehen:

"Wenn ich ein paar Wochen daheim bin, dann freu ich mich wieder auf die Stadt, dann freu ich mich aufs Ausland wieder und wenn ich lang weg bin, brauch ich des daheim sein irgendwie."

Für einen Musiker, der dauernd auf Tour ist, schaut er ziemlich gesund aus, wie er da im blauweiß karierten Hemd und ausgewaschener Jeans in seiner Stube, im Wohnzimmer, sitzt. Freundlich, offen, unkompliziert, ohne Starallüren, obwohl er es sich als einer der Köpfe von La BrassBanda erlauben dürfte, bei ihrem Erfolg bei Kritikern und Fans. Seit vier Jahren erst spielen die fünf Musiker zusammen, 2007 entstand die Idee beim Schweinebraten, so geht die Legende.

Was sie so spielen, auf Schlagzeug, Bass, Posaune, Tuba und Trompete, hat es bis dahin noch nicht gegeben, eine wilde kraftvolle Mischung aus Balkan, Brass, Pop, Funk, Dub und Blasmusik mit bayerischen Texten. Hintersinnig, derb, anarchisch. Gesungen von Stefan Dettl.

Eine Mischung, die ankommt, besonders live, wenn die fünf barfuß und in Lederhosn auf der Bühne stehen. Die ankommt, und das Publikum zum Tanzen bringt, nicht nur in Bayern, sondern auch in ganz Deutschland, in Frankreich, Bosnien, Dänemark, Sibirien.

"Sibirien, das war wirklich das besonderste Erlebnis, das hat mich schon total beeindruckt irgendwie, auch die Konzerte, es gibt in Sibirien so einen Download-Portal für Balkanmusik und da haben die irgendwie ein Lied von uns drin gehabt, so eine Freie-Download-Geschichte, weil Sibirien gibt's keinen so richtigen CD-Markt nicht, keinen legalen, und dann haben die über so alte Kupferleitungen unser mp3 runter geladen und sie haben gesagt, das hat irgendwie eine Woche gedauert, bis die das Lied, die mp3 gehabt haben, und dann haben die halt das Lied mitgesungen und dann hab ich gedacht, wie kann das sein, du bist im tiefsten Sibirien und die singen dein Lied da mit, weil die einfach das eine Lied von dem Download Portal gekannt haben und des ist schon beeindruckend, wenn Mensche, die deine Sprache nicht kennen, wildfremde Leute deine Sachen mitsingen, das war schon ziemlich schön."

Die Liebe zu den Blechblasinstrumenten liegt in der Familie. Sein Großvater hat Trompete gespielt, sein Vater, der in Grassau bei der Gemeinde arbeitet, Tuba, mit ihm spielt er auch heute noch manchmal in der örtlichen Blasmusik zusammen.

"Meine Eltern haben erzählt, ich bin vorm Radio schon immer auf und abgewippt, die ganze Zeit und hab dann von meinem Opa eine Trompete genommen und hab dann bei so Fernsehsendungen immer mitgespielt, wenn da eine Melodie war, hab ich mit der Trompete immer mitgespielt und dann mit elf haben sie mich dann in die Musikschule gesteckt, und haben gesagt, ich soll das da mal machen und dann hab ich einen super Musiklehrer gefunden, der mir ziemlich viel Spaß an der Musik gezeigt hat, und dann ist das eine zum anderen gekommen, da war schon ziemlich früh so ein Gefühl da, dass des einfach mehr ist wie nur so eine Pflicht, sondern einfach unheimlich viel Spaß und Lebensfreude in der Musik steckt."

Stefan Dettl geht aufs Konservatorium in München, studiert klassische Trompete, dann Jazztrompete. Spielt Barockmusik. Bis der Erfolg mit La BrassBanda alles verändert.

Und nun also das erste Solo-Album von Stefan Dettl: "Rockstar". Musikalisch einfacher gestrickt als die Stücke von La BrassBanda, reduzierter, kommerzieller. Warum? Weil er Lust darauf gehabt hat, etwas ausprobieren wollte. Er spielt Gitarre.

"Für mich ist das schon eine Entwicklung, besonders so reduzierte Gitarrengeschichten spielen und dann doch so viel Leben rein bringen, dass sie irgendwas Besonderes haben. Wenn du dir die ersten AC/DC Platten anhörst, das ist vom Klang her oft ziemlich dumpf und dann hörst du die Gitarren ganz weit hinten und komisch, aber trotzdem wird ein Gefühl vermittelt, das viel mehr ist wie das exponierteste Jazz Trio und des ist schon ziemlich interessant find ich, mit den einfachsten Mitteln einfach schöne Sachen zu machen."

Klar, dass er damit dann auch auf Tour gehen will. Die Texte auf der CD, wieder auf bayrisch, drehen sich viel um Herzschmerz und die Liebe. Er selbst ist gerade wieder solo, 200 Tage im Jahr auf Tour, das hält keine Beziehung aus. Die Liebe zur Musik ist stärker. Deshalb geht's nach der Rockstar-Tour auch gleich weiter mit La BrassBanda, mit neuer Platte und, natürlich, Tournee. Es schaut so aus, als würde Stefan Dettl auch dieses Jahr nicht allzu viel Zeit in Truchtlaching verbringen.

"So schnell wie es kommt, kanns auch wieder gehen und ich nehm es so, wie es kommt."

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