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Mittwoch, 19.12.2018
 
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Konzert zum Nachhören / Archiv | Beitrag vom 25.05.2018

Trio Gaspard im Pierre Boulez Saal BerlinEin Spiel um Zimmermann, Haydn und Schubert

Moderation: Stefan Lang

Das Trio Gaspard mit Pianisten Nicholas Rimmmer, der Cellistin Vashti Hunter und dem Geiger Jonian Ilias Kadsha. (Irene Zandel)
Seit 2010 spielen sie zusammen - das Trio Gaspard (Irene Zandel)

Wenn Trios von Haydn und Schubert mit 'Présence' von Bernd Alois Zimmermann gekoppelt werden, hört man die älteren Werke auf eine andere Weise. Das Trio folgt dabei der Forderung Zimmermanns, Kostüme zu tragen und umgibt sich mit einer Tänzerin.

Zimmermanns Spiel mit der Zeit

Bernd Alois Zimmermanns Trio ‚Présence‘ steht im Mittelpunkt des Abends. Die Spieler steigen in ein surreales Geschehen ein – sie verkörpern drei Figuren, die an einem imaginären Dialog beteiligt sind: Don Quichotte, Roi Ubu und Molly Bloom. Sie entspringen ganz verschiedenen historischen Kontexten und erleben in dieser halben Stunde Musik eine imaginäre, gemeinsame Gegenwart. Die drei Figuren, die durch ihr Kostüm gekennzeichnet sind, stehen dabei für Urbilder menschlichen Verhaltens. Die musikalischen ‚Gespräche‘ sind in einzelnen Sätzen thematisiert - sie haben keinen klaren Sinn, sie tragen eher idealistisch-tragische Züge. Zimmermanns Weltbild von der Kugelgestalt der Zeit wird hier deutlich – für ihn verschmilzt Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft – und so wird ein Gespräch der drei in seiner Musik möglich.

Haydn ganz und gar nicht gemütlich

Bei allen drei Stücken des Abends merkt man, dass es um ‚Sprache‘ geht, meint der Pianist Nicolas Rimmer: "Die Sprache von Haydn ist nicht geglättet und symmetrisch." Wie oft wird diesem Komponisten eine harmlose Leichtigkeit regelrecht vorgeworfen. "Nein, sie hat eine Art Stachel und bringt immer Unerwartetes!"

Schuberts Weltbegriff in einem Werk

Schuberts Musik empfindet Nicoals Rimmer oft als gesanglich. "Aber in diesem Es-Dur-Trio steckt eigentlich alles drin: faktisch die ganze Weltgeschichte: Licht und Schatten!" Damit rückt Schubert an das Weltbild von Zimmermann heran, findet der Pianist: " Hier steckt schon etwas von der ‚Kugelgestalt‘ der Zeit!

Aufzeichnung des Konzertes vom 19. Mai 2018

Joseph Haydn
Klaviertrio E-Dur Hob. XV/28

Bernd Alois Zimmermann
"Présence. Ballet blanc en cinq scènes" für Violine, Violoncello und Klavier

Franz Schubert
Klaviertrio Es-Dur D929

Trio Gaspard

Jonian Ilias Kadesha, Violine
Vashti Hunter, Violoncello
Nicholas Rimmer, Klavier

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