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Länderreport | Beitrag vom 26.06.2019

Trabantenstadt Kölnberg An den Rand gedrängt

Von Frank Überall

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Neben dem alten Ortskern von Köln-Meschenich (l) steht ein 27-stöckiges Wohnhochhaus.  (dpa / picture-alliance / Oliver Berg )
Der 27-stöckige Hochhauskomplex in Köln-Meschenich ist eine der ärmsten Gegenden der Stadt. (dpa / picture-alliance / Oliver Berg )

Bedrohung, Gewalt, Perspektivlosigkeit – das sind die Kindheitserinnerungen, die Frank Überall mit der Trabantensiedlung Kölnberg am Stadtrand von Köln verbindet. Und auch heute fühlen sich viele Menschen dort von der Gesellschaft allein gelassen.

Der Kölnberg, rund 4.000 Menschen leben hier. Wie viele genau, weiß man nicht. Hunderte sind zwar da, aber nicht hier gemeldet. Neun Hochhäuser, Plattenbauten, bis zu 26 Etagen hoch. Ungemütlich. Gebaut wurden die Hochhäuser auf dem Acker an der Kölner Stadtgrenze als Vorzeige-Projekt. Mit Freizeiteinrichtungen wie einem Schwimmbad nur für Anwohner.

Als ich elf Jahre alt war, habe ich hier gewohnt. In einfachen Verhältnissen, wie man so sagt. Im sozialen Brennpunkt, sagen andere. Heute bin ich als Reporter hier. Streetworker Franco Clemens begleitet mich:

"Das ist schon manchmal etwas gespenstisch, die Atmosphäre hier. Einerseits suggerieren die Häuser zwar sicherlich viele Menschen. Aber trotzdem, dazwischen hast du so eine Art Canyon-Stimmung. Und die Beleuchtung ist nicht optimal, würde ich mal sagen", sagt Franco Clemens.

"Dann hast du immer mal wieder auch in allen Ecken Gruppen von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten stehen. Ist auch ein bisschen reviertechnisch eingeteilt. Da stehen die Menschen aus dem Kulturkreis, da die aus dem anderen Kulturkreis. Ich kann mir schon vorstellen,  jemand, der, sagen wir mal, so ein Milieu, so ein gemischtes, multiethnisches Milieu nicht kennt, dass dem das schon Angst macht."

"Dann kann es dir schon passieren, dass du erstmal Opfer bist"

Auf den Straßen des Kölnbergs wird mir mulmig. Erinnerungen kommen hoch. An Bedrohung, an Gewalt, an Perspektivlosigkeit. Kein Wunder, meint Streetworker Franco:

"Gerade wenn du jetzt neu zugezogen bist oder keine Lobby im Rücken hast, also noch keine Bekanntschaft hast, du bist noch nicht verankert im Viertel. Dann kann es dir schon passieren, dass du erstmal Opfer bist: Mobbing oder Opfer durchaus auch von Gewalt. Man muss also erst einmal ein Teil von diesem Viertel werden, um zu wissen, wie man sich bewegt."

Freundschaften waren relativ für mich, am Kölnberg. Wer beim Schlagen und Klauen nicht mitmachte, wurde zum Opfer. Ein Bekannter von mir ist damals gestorben, zerquetscht vom schweren Schiebetor einer Großgarage im Viertel. Hartnäckig hielt sich das Gerücht, er sei von anderen Jugendlichen festgehalten worden – als Opfer halt. Wegen der billigen Mieten sind wir damals hier hingezogen. Was uns erwartete, war meinen Eltern nicht klar.

Viele haben mit dieser Gesellschaft abgeschlossen 

"Du gibst dir die größte Mühe, du hast ideale Ansprüche und du bist auch eine tolle Mutter, toller Papa. Aber dein Kind kommt vor die Haustüre und erlebt eine andere Welt, in der es sich in irgendeiner Form anpassen muss, um sich dort bewegen zu können. Und gleichzeitig bekommt es natürlich auch die Perspektivlosigkeit, die sich auch gegenseitig vorgedichtet wird. Die Menschen dort, die haben abgeschlossen mit dieser Gesellschaft. Die meisten, die in solchen sozialen Brennräumen leben."

Ein Jahr lang haben es meine Eltern damals am Kölnberg ausgehalten, dann sind wir wieder umgezogen. Heute mache ich mich auf Spurensuche. Ich will schauen, ob sich hier etwas verändert hat und welche Perspektiven die Anwohner haben. Ob und wie ihnen geholfen wird. Was der Kölnberg aus diesem Teil der Gesellschaft macht.

Der Kölnberg hat keinen guten Ruf

Ein Jugendzentrum am Kölnberg: Streetworker Franco wird von vielen begrüßt, obwohl er seit einigen Monaten schon in Düsseldorf arbeitet. Er hat vor Jahrzehnten am Kölnberg sein erstes Praktikum in der Erzieherausbildung gemacht, zuletzt hat er einige Jahre in dem Brennpunkt gearbeitet.

Die jungen Leute erkennen ihn. Mit einem kommen wir ins Gespräch. Er trägt Jogginghose, grüßt freundlich, nennt sich Ali, ist 22 Jahre alt. Wenn staatliche Ordnungshüter seinen Ausweis kontrollieren und seinen Wohnort erfahren, fühlt sich Ali oft diskriminiert.

"Draußen chillen, egal wo man ist – woher kommen Sie? Aus Meschenich? Platzverweis!"

Auch bei Behörden wie dem Arbeitsamt soll Ali immer wieder auf Probleme gestoßen sein. Er ist davon überzeugt, dass das an seinem Wohnort liegt: dem Kölnberg.

"Das sind halt Vorurteile. Das ist das Problem. Die denken: Okay, die sind bestimmt aus dem Rockermilieu, Drogenhandel oder Junkies. Man wird immer erstmal in diese drei Schubladen gesteckt." 

Ali ist älter als ich damals, zu meinen Kölnberg-Zeiten. An Formen der Diskriminierung erinnere ich mich aber auch. Es war ein Makel, vom Kölnberg zu kommen. Auch oder gerade für junge Menschen. Und jung heißt nach den heutigen Gesetzen bis 25. Bis dahin darf man keine eigene Wohnung haben, wenn man von Hartz IV abhängig ist.

Streetworker Franco Clemens kennt solche Fälle. Er sagt, jungen Erwachsenen, die arm sind, werde vom Staat nicht erlaubt, erwachsen zu sein.

"Wenn sie irgendeinen Anspruch haben, werden sie zurück nach Hause geschickt: Geh zu deiner Mami, zum Papi. Ob das dann zu Hause noch klappt, ob der Alte nicht vielleicht selber ein Schläger ist oder Alkoholiker oder auch schon Hartz IV abhängig. Und das ist das Problem – bei vielen sind die Eltern ja ebenfalls von Transferleistungen abhängig."

Hohe Fluktuation und wenig Zusammenhalt 

Sozialhilfe bekamen meine Eltern damals nicht, untypisch für den Kölnberg. Und wir haben eben auch nur zwölf Monate dort gewohnt. Das wiederum ist hier eher typisch. Hohe Fluktuation trägt dazu bei, dass es nur wenige Anwohner gibt, die sich selbst für sozialen Zusammenhalt engagieren.

Mit einem Aufzug fahren Streetworker Franco und ich in den elften Stock. Wir sind mit Dagmar Heinen verabredet, einer Kölschen Frohnatur in den besten Jahren. Sie wohnt schon lange am Kölnberg. Dass der Aufzug heute funktioniert, ist nicht selbstverständlich. Er fällt oft aus, wird dann lange nicht repariert, erzählt uns Dagmar Heinen:

"Ich bin lungenkrank, ich bin gehbehindert. Wie soll ich in die elfte Etage kommen? Es war mal zweieinhalb Jahre, da war es eine komplette Katastrophe mit den Aufzügen. Da hatte ich manchmal Tage gehabt, wo ich gar nicht rauskam. Noch nicht mal zum Einkaufen. Ich sag ja, das ist halt so 'ne Sache, es wird nichts mehr getan."

Hochhäuser des Wohnkomplexes auf dem Kölnberg im Kölner Stadtteil Meschenich.  (imago stock&people / C. Hardt)"Es wird nichts getan. So nach dem Motto: Kölnberg ist aufgegeben", sagt Bewohnerin Dagmar Heinen. (imago stock&people / C. Hardt)

Investoren haben Wohnungen am Kölnberg gekauft: Mehrere Firmen, das macht die Situation unübersichtlich. Die Stadt Köln besitzt keine einzige Wohnung am Kölnberg, kann deshalb kaum steuernd eingreifen. Und die Inhaber der Wohnungen wollen oft nichts investieren, selbst wenn es mal dauerhaft kalt wird. 

"Wenn Heizungen beispielsweise defekt sind: Ja, tut uns leid, der Eigentümer hat kein Geld, das können wir nicht einfach so machen. Kann‘s doch nicht sein!"

Anwohner des Kölnbergs wie Dagmar Heinen fühlen sich allein gelassen mit ihren Problemen. Und mit ihrer stets unterschwelligen Angst vor Diebstahl oder Überfällen vor ihrer Haustür.

"Wird auch nichts dran getan: Seitens der Polizei nicht,  seitens des Ordnungsamt nicht. Die fahren da mal durch, erteilen einen Platzverweis, das war's auch. Es wird nichts getan. So nach dem Motto: Kölnberg ist aufgegeben."

Von solchen Problemen hört Streetworker Franco Clemens regelmäßig, wenn er mit den Menschen am Kölnberg spricht. Zum Beispiel im örtlichen Jugendzentrum, wo wir seinen Kollegen Amir Rakksh-Bahar treffen.

Gefangen in Klischees

Klischees über den Kölnberg sind auch durch zahlreiche Fernseh-Dokumentationen entstanden. In ihnen werden stets Kriminalität und Angst thematisiert. In Krimis wird die Hochhaussiedlung heruntergekommen dargestellt – bundesweit, vor Millionenpublikum.

Sozialarbeiter Amir aus dem Jugendzentrum ist selbst am Kölnberg groß geworden. Heute hilft er denen, die wie er aus dieser Welt ausbrechen wollen. Amir ist etwas jünger als ich. Zu meiner Zeit gab es ein solches Jugendzentrum nicht.

"Wir brauchen noch mehr so welche Vorbilder, die selber von diesem Stadtteil gekommen sind und sagen: Ey, Jungs! Wir schaffen das, auch wenn wir aus Meschenich kommen. Wir zeigen, dass Meschenich eine andere Seite hat."  

Wenig öffentlicher Nahverkehr 

Auch so ein Problem dieser Siedlung: Man kommt kaum hin. Die Busse fahren selten, sie brauchen lange, bis sie am äußersten Zipfel Kölns mit seiner Hochhaus-Trabantenstadt angekommen sind. Für junge Menschen im Schichtdienst eine Zumutung. Sie kommen zu ungewöhnlichen Arbeitszeiten nicht nach Hause.

Hinzu kommen etliche Probleme mit Behörden. Solche Situationen sind es, die Streetworker Franco und seine Kollegen in Gesprächen mit der Politik immer wieder ansprechen.

"Wenn ich jetzt ein Fallbeispiel habe, wo ich wirklich merke, da wird ein Mensch richtig systemisch in den Abgrund gestürzt, bis hin, dass er auch noch Suizidgedanken entwickelt, da kann ich sehr böse werden und kann auch mit der entsprechenden Wut auch mal beim Amt auflaufen oder auch mal ein Interview geben, um da auf den Putz zu hauen. Oder mich mal bei einem Politiker melden: Sag mal, was passiert da? Können wir da mal hingucken?"

"Alternative Methoden" der Geldbeschaffung 

Hin und wieder gelingt das, im Einzelfall. Die große Lösung für den Kölnberg gibt es aber auch nach Jahrzehnten noch nicht. Die Konsequenz: Gerade die jungen Anwohner wenden sich ab von der Gesellschaft. Sie widmen sich, wie Franco es nennt, "alternativen Methoden der Geldbeschaffung".

"Eine Zeit lang war Schrott sammeln sehr populär, also kann es dann mal sein, dass irgendwo ein Gullideckel fehlt oder irgendwo mal ein Kabel geklaut wird. Oder einfach Dinge, die man hat zu Geld machen können, verschwinden."

Mein eigener Lebensweg hätte also auch ganz anders verlaufen können. Wenn ich mich angepasst hätte an die gefährliche Eigenwelt des Kölnbergs. Mir die Perspektivlosigkeit zu eigen gemacht hätte.

"Revolutionen werden nie aus Idealen heraus geboren. Sondern immer dann, wenn die Leute nicht mehr genug zu fressen haben. Das heißt auf gut Deutsch: Wenn die Gruppe derer noch weiterwächst, dann werden die sich innerlich von dieser Gesellschaft verabschieden. Sie kündigen dieser Gesellschaft, also diesem Wirtschaftssystem und dem Glauben an die Demokratie."

"Man wird sofort abgestempelt"

Zurück im Jugendzentrum am Kölnberg. Nicht nur Kinder und Jugendliche sind hier willkommen, auch junge Erwachsene. Zum Beispiel ein schüchterner Mann in Jeans und Pullover, der sich für das Interview Hugo nennt: "Ich bin 23 Jahre und komme aus Meschenich, Köln. 50997."

Mir fällt auf, dass Hugo den Kölnberg nicht erwähnt. Ich frage ihn danach.

"Ich wollte jetzt nicht unbedingt sagen, vom Kölnberg. Weil man wird sofort abgestempelt als eine schlechte Person oder als jemand, der nichts kann. Deshalb vermeide ich das zu sagen, auch vom Kölnberg. Deshalb immer nur aus Meschenich."

Meine eigenen Erfahrungen, die Erzählungen heutiger Anwohner, die Angst vor Gewalt – wie erlebt Hugo das Leben am Kölnberg?

"Man muss sich schon hart durchboxen. Von Drogendelikten bis zum Mord und Körperverletzung ist alles dabei. Es ist schon schwierig, da zu wohnen, sage ich mal. Also, man wächst schon anders auf."

Hugo will nicht kriminell sein, nicht auf der faulen Haut liegen, nicht von Hartz IV leben. Von der Arbeitsagentur fühlt sich Hugo wenig unterstützt. Ganz im Gegenteil. Er fühlt sich richtig schlecht behandelt. Er erzählt, dass Sanktionen gegen ihn verhängt wurden, weil er einen Termin verpasst habe. Hartz IV wurde ihm komplett gestrichen.

"Ich hatte ein Jahr lang null Cent, also nichts, gar nichts. Und dann am Ende, wo die Sanktion aufgehoben worden ist, wurde mir gesagt: Ach so, Sie hätten ja auch Essensmarken abholen können. Das wussten Sie ja, ne? Da habe ich denen auch gesagt: Nee, das wusste ich nicht. Das wurde mir gar nicht Bescheid gesagt."

Dabei hatte Hugo einen guten Grund für sein Fernbleiben bei der Arbeitsagentur.

"Mein Opa ist verstorben, mein Vater hat Krebs bekommen. Ich hatte gar keinen Kopf für irgendwas, also ich war schon leicht im Schlamassel drin, sage ich mal so. Ich musste erst mal selber damit komplett klarkommen."

Herablassende Behandlung

Eltern und Freundin haben ihn unterstützt – na ja, und er hat sich in der Kölnberg-Szene durchschlagen müssen. Und dann die Behördengänge: Herablassende Behandlung, bissige Kommentare, keine wirkliche Hilfe – so hat der 23-jährige Hugo sie regelmäßig erlebt.

Ist das ein typischer Fall? Streetworker Franco Clemens sagt: Ja. Tagein, tagaus wird er mit solchen Schicksalen konfrontiert. Manchmal gelingt es ihm, Menschen zurück in die Gesellschaft zu holen, junge Menschen in eine Ausbildung zu vermitteln. Doch dann schlage bei ehemals Kriminellen häufig die Bürokratie zu.

"Dann kommt die Frage auf: Ja, wo waren Sie denn die letzten drei Jahre? Wir haben ja Krankenkassenpflicht. Das heißt, die Krankenkassen verlangen rückwirkend dann für drei Jahre die Krankenkassenbeträge von diesen Menschen. Der hat gar kein Geld. Der ist ab dem Moment, ist der total überschuldet.

Ich finde das völlig perfide. Aus dem einfachen Grunde, er hat nie die Krankenkasse in Anspruch genommen, er hat auch keinen Arzt in Anspruch genommen. Aber auf der anderen Seite geht so eine Krankenkasse hin, und möchte dann für drei Jahre rückwirkend das Geld."

Bankrott bei Rückkehr in die Gesellschaft

Die Krankenkassen würden ihre Ansprüche mit allen Mitteln durchsetzen. Auch mit Hilfe von Inkassobüros. Viele junge Menschen entscheiden sich deshalb lieber wieder für den vermeintlich einfacheren Weg zurück in die Kriminalität, sagt Franco.

Manchmal aber platzt ihm deshalb der Kragen. Dann nutzt er sein Ventil, die Ansprache von Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung. Während meiner Recherche am Kölnberg wird er von einem Bürgerverein in Köln-Meschenich eingeladen, soll eine Podiumsdiskussion mit Anwohnern moderieren. Mit denen, die im Dorf neben der Hochhaussiedlung leben.

"Leev Kölsche! Schön, dass ihr alle gekommen seid. Ich freue mich, dass ihr so zahlreich alle hier erschienen seid. Ich stehe natürlich immer auch für die interaktive Arbeit zwischen den beiden Straßenseiten." 

Mit organisiert wurde die Podiumsdiskussion von Ingo Brambach, Sprecher des Vereins "Aktiv für Meschenich". Diese Aktivitäten beschränken sich allerdings auf das Nachbardorf der Hochhäuser, der Kölnberg selbst wird auch nach Jahrzehnten eher als Fremdkörper wahrgenommen.

"Ich persönlich bin da relativ selten unterwegs. Ich betrachte den als Bestandteil des Ortes, er lässt sich ja nicht wegdiskutieren. Und die Stadtplaner, die das in den 60er-, 70er-Jahren geplant haben, die kann man heute sozusagen nicht mehr belangen." 

Von Politik und Gesellschaft alleingelassen?

Die Arbeitslosigkeit am Kölnberg ist drastisch höher als in anderen Kölner Stadtteilen, die Kriminalitätsrate auch. Das verunsichert die Nachbarn von der anderen Straßenseite. Und dann ist da noch das Problem mit dem Müll. Der wird von Anwohnern des Kölnbergs gerne mal einfach vom Balkon geworfen. Dann fliegt er durch das ganze Viertel, manchmal über die Straße, ins Dorf.

Die Politik sei tatenlos, beschwert sich Ingo Brambach. Ist das so? Ich frage noch einmal nach bei Streetworker Franco Clemens:

"Die sind so weit weg inzwischen, die Politik, von der Realität, der Lebenswirklichkeit der Menschen,  insbesondere derer, die nun wirklich am unteren Rande dieser Gesellschaft stehen. Der ist ja gar kein Rand mehr. Ein Drittel der Gesellschaft steht im Prinzip mit dem Rücken an der Wand." 

Menschen, die in Siedlungen wie dem Kölnberg leben, fühlen sich von Staat und Gesellschaft abgehängt, haben Angst, wählen Kriminalität als Lebensmodell. Auf dem Rückweg in meine heutige Welt bin ich dankbar, dass die Menschen hier mit mir über ihre bedrückende Situation gesprochen haben. Ich erinnere mich an meine eigene Zeit im Brennpunkt – und fühle eine tiefe Traurigkeit, dass es die Politik auch in Jahrzehnten nicht geschafft hat, den Menschen in der Hochhaus-Siedlung endlich echte Perspektiven zu geben.

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