Tod hinter Gittern

Angehörige eines Todesopfers nach dem Gefängnisbrand in Comayagua, Honduras © picture alliance / dpa/Alex Perez
Von Martin Polansky · 20.02.2013
Strafanstalten in Lateinamerika sind häufig überbelegt, was in den vergangenen Jahren immer wieder zu Meutereien führte. Honduras zum Beispiel verfügt über 24 Strafvollzugsanstalten mit Kapazitäten für 8000 Insassen, tatsächlich sitzen aber bis zu 13.000 Häftlinge dort ein. ´
Das Zentral-Gefängnis von San Pedro Sula. Stahltore, hohe Mauern – mitten drin in der vielleicht gefährlichsten Stadt der Welt. San Pedro liegt im Norden von Honduras, dem Land mit der höchsten Mordrate auf dem Globus. In dem Knast sitzen gut 2000 schwere Jungs und auch rund 100 Frauen. Schon am Eingang sagt Gefängnisaufseher Walter Valladares, dass es in der Anstalt nicht zum Besten steht:

"Die Überbelegung ist sehr hoch, 200 Prozent über unser Kapazität, wenn nicht mehr. Da ist es natürlich schwierig, etwas für Resozialisierung zu tun."

Drinnen ist es fast wie in einer kleinen, engen Stadt. Schlafbereiche. Etagenbetten, dicht an dicht. Manche haben einen kleinen Fernseher auf ihrer Matratze stehen. Ein paar Werkstätten gibt es. Schreiner, die Holzstühle zusammenbauen. So kann man etwas Geld verdienen - und es auch ausgeben. In einem Abschnitt des Gefängnisses sind ein paar Verkaufsstände. Bananen, Melonen oder Zigaretten. Es ist hart hier drin, sagt der Häftling Lucas:

"Hier leben mehr als 300 Personen in einem 40 Quadratmeter-Schlafsaal, manchmal sind es auch 400 Leute. Es gibt auch nicht genügend Betten und fast die Hälfte schläft auf dem Boden oder in den Gängen."

So dicht gedrängt leben die Insassen gefährlich. Das wurde vor einem Jahr deutlich, als in der honduranischen Stadt Comayagua das Gefängnis nieder brannte. 362 Menschen starben. Es gab weder Sprinkleranlage, noch Feuerlöscher oder Evakuierungspläne. In dem überbelegten Gefängnis erstickten oder verbrannten die Insassen bei lebendigem Leibe. Die Wächter schossen anfangs angeblich nur in die Luft und passten auf, dass keiner floh. Die Katastrophe setzte eine Debatte in Gang über die Zustände in den Gefängnissen von Honduras. Die Inter-Amerikanische Menschenrechtskommission kam zu einem verheerenden Urteil:

"Die honduranischen Strafanstalten weisen schwere strukturelle Probleme auf, die zum Kollaps des Systems und schweren Menschenrechtsverletzungen geführt haben. Wir sehen mit großer Sorge die Haftbedingungen der Insassen. Am meisten beunruhigt uns die Verwahrlosung der Haftanstalten. Zudem wurden wichtige Aufgaben an Gefangene übertragen, etwa wie die Einhaltung der Disziplin, Zuweisung von Zellen und der interne Handel in den Gefängnissen."

Carlos Orellano, Chef des Jugendgefängnisses von San Pedro Sula, verweist aber auf erste Fortschritte:

"Als ich hier anfing, haben die Jungs jeden Tag Drogen, Marihuana oder Kokain, konsumiert. Sie bastelten sich Stichwaffen, und besorgten sich von Draußen Pistolen und Handys. Mit systematischen Razzien haben wir Waffen und Drogen eingesammelt und so nach etwa zwei Monaten die Kontrolle über das Gefängnis zurück gewonnen."
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