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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 04.06.2016

Tod einer Box-Legende"The Greatest" Muhammad Ali gestorben

Schwergewichtsweltmeister Muhammad Ali spricht am 20. April 1976 vor seinem Kampf gegen Jimmy Young in Arlington, Virginia, zur Presse. (picture alliance / dpa / Arnie Sachs)
Boxen: Muhammad Ali - Joe Frazier (1974) (picture alliance / dpa / Arnie Sachs)

Der Schwergewichtsweltmeister und Box-Olympiasieger Muhammad Ali ist tot. Wie seine Familie mitteilte, starb er im Alter von 74 Jahren in Phoenix, Arizona. Ali litt seit mehr als 30 Jahren an Parkinson. Er galt als bester Boxer aller Zeiten.

Das Internationale Olympische Komitee wählte Muhammad Ali 1999 zum "Sportler des Jahrhunderts". In der Boxwelt wurde er nur "The Greatest" genannt - ein Titel, den Ali nach gewonnenen Kämpfen gerne selbst in die Mikrofone brüllte. Siege gab es viele: Als Einziger gewann Muhammad Ali dreimal den Titel als Weltmeister im Schwergewicht, 1960 wurde er Olympiasieger.

Muhammad Ali (r.) und George Foreman (l.) boxen am 30. Oktober 1974 in Kinshasa im Ring, im Hintergrund der Schiedsrichter. Schwarz-weiß-Foto. (AFP)"Rumble in the Jungle", 1974: Muhammad Ali (r.) schlug den vermeintlich übermächtigen Goerge Foreman in der 8. Runde k.o. und holte sich den Weltmeistertitel im Schwergewicht zurück. (AFP)

Sein leichtfüßiger Kampfstil und einzigartige Reflexe machten Muhammad Ali weltweit zum Mythos. Seine Ausstrahlung faszinierte Millionen. Mohammad Ali war grazil und schwerelos, stand für schwarzen Stolz und perfekte Selbstinszenierung: Den "ersten Popstar des Boxens" nennt ihn sein Biograf Peter Kemper. Alis schamloser Wortwitz habe sogar die Rapper der 80er-Jahre inspiriert.

Die Kämpfe gegen Joe Frazier, Ken Norton und George Foreman waren Ereignisse, für die sich Zuschauer in aller Welt die Wecker stellten, um sie nachts im Fernsehen zu verfolgen. 1974 schlug Ali in Kinshasa den vermeintlich übermächtigen Foreman in der 8. Runde k.o. "Rumble in the Jungle" gilt bis heute als einer der besten Kämpfe überhaupt.

Kriegsdienst in Vietnam verweigert

Unterbrochen wurde Alis Karriere zweitweilig dadurch, dass er den Kriegsdienst in Vietnam verweigerte. Er bekam deshalb eine dreijährige Sperre, kämpfte sich aber eindrucksvoll zurück. Am 11. Dezember 1981 beendete Ali seine Karriere als Boxer - nach einer Niederlage gegen den Kanadier Trevor Berbick. Sie ging als das "Drama auf den Bahamas" in die Annalen ein, Ali verlor klar nach Punkten. Drei Jahre später erhielt er die Diagnose Parkinson. Ali, der 1964 zum Islam konvertiert war und seinen Geburtsnamen Cassius Clay daraufhin ablegte, bezeichnete die Krankheit als "Test Gottes". In den vergangenen Jahren saß er im Rollstuhl und trat nur noch selten in der Öffentlichkeit auf.

Wie ein Sprecher der Familie mitteilte, wurde Muhammad Ali gestern mit Atembeschwerden in ein Krankenhaus von Phoenix im US-Bundesstaat Arizona eingeliefert. Dort starb die Boxlegende im Alter von 74 Jahren.

Sein Gegner George Foreman sagte einmal über Muhammad Ali:

"Er war größer als der Präsident der Vereinigten Staaten, der berühmteste Mensch der Welt."

Der ehemalige Box-Weltmeister Mike Tyson via Twitter zum Tod von Muhammad Ali: "Gott hat sich seinen Champion geholt. Auf bald, Größter."

Großartiger Rhetoriker

"Ich bin der hübscheste Kämpfer im Ring", hat er gesagt, Muhammad Ali, oder "der Mann, der mich schlagen könnte, wurde noch nicht geboren". Ali war für seine große Klappe berühmt und dann eben auch für den gehörten Satz, "ich mach’s mit Buster, wie die Indianer mit General Custor: Ich vernichte ihn", martialische Worte.

Maike Albath, Literaturkritikerin für viele überregionale Zeitungen und auch für Deutschlandradio Kultur und den Deutschlandfunk, bezeichnetete Muhammad Ali in einem Gespräch zum 70. Geburtstag der Boxlegende als "einen großartigen Rhetoriker".

Reaktionen zum Tod von Muhammad Ali auf Twitter: 

(am/rei/md)

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