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Stunde 1 Labor | Beitrag vom 19.01.2020

Til Schweigers KinoDer letzte deutsche Autorenfilmer

Jochen Werner im Gespräch mit Matthias Dell

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Til Schweiger trägt eine Glocke aus Glas auf dem Kopf und grinst in die Kamera. (imago/Barefoot Films/Gordon Timpen/Warner Bros.)
Ein Filmemacher mit gewissen Eigenheiten: Til Schweiger in seinem Kassenerfolg "Honig im Kopf". (imago/Barefoot Films/Gordon Timpen/Warner Bros.)

Til Schweiger polarisiert: Von vielen belächelt, führen seine Filme regelmäßig die Kinocharts an. Was sagt uns dieses Kino über die deutsche Gegenwart und den Blick seines Machers darauf? Ein cinephiles Filmgespräch ohne Scheuklappen.

Am 23. Januar kommt mit "Die Hochzeit" der mittlerweile 14. Langfilm von Til Schweiger in die Kinos. Der Tausendsassa und gelernte Schauspieler kann eine in der deutschen Filmlandschaft einzigartige Karriere vorweisen: Bis heute tritt das Multitalent in Personalunion auch als Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Cutter seiner Filme auf.

Ein idiosynkratisches Werk

Filme wie "Keinohrhasen", "Kokowäh" oder "Honig im Kopf" machten Schweiger zum kommerziell erfolgreichsten Filmemacher Deutschlands. Die Filmkritik belächelt ihn zumeist. Eine der wenigen Ausnahmen: Jochen Werner. In einem zunächst privat auf Facebook, dann aber auch öffentlich online dokumentierten Großprojekt hat sich der Berliner Filmkritiker vor kurzem das filmische Gesamterk Schweigers einverleibt.

Im Zuge dieser Privat-Retrospektive ist er zu dem Schluss gekommen, dass wir es bei Til Schweiger mit einem Auteur zu tun haben, einem Filmemacher in der Linie Jean-Luc Godards, der ein idiosynkratisches Werk hervorgebracht hat, einem Künstler, dessen Handschrift leicht wiedererkennbar und trotzdem schwer zu entziffern ist.

Die Mutter als Problembärin

Welche Geschlechterpolitik betreiben Schweigers romantische Komödien? Welche alternativen Vorstellungen von Dramaturgie verbreiten sie, wo eine Tendenz zum Episodischen herrscht und der Gang der narrativen Dinge pausiert für musikunterlegte Clips, die genauso gut Werbung für Versicherungen oder Tourismus machen könnten? Warum gilt die Mutter im Werk des Filmemachers als Problembärin?

Wieso beweist Liebe sich nur in totaler Verantwortungslosigkeit? Wo haben die Filme ihren Ort, wenn Deutschland hier aussieht wie ein ins Bräunliche verrutschte Amerika? Und was heißt es für die Zukunft des Filmschaffenden, wenn die Zeichen im Oeuvre nach dem letzten Film "Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken" auf Regression stehen?

Das große Schweigern

Das alles sind Fragen, die ernsthafter Erörterung harren. Sie wird gewagt in einer Kulturradiosendung alter Manier, in der die Filmkritiker Jochen Werner und Matthias Dell eine Tour d'Horizon durch die Filmografie des letzten deutschen Auteurs unternehmen.

Kurz gesagt: Schweiger – alles, was man wissen muss.

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