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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 16.10.2017

Thrillerautor Sebastian Fitzek"Wäre ich kein Weichei, könnte ich nicht über grausame Dinge schreiben"

Moderation: Susanne Führer

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Der Autor Sebastian Fitzek steht am 26.10.2016 in Berlin im Tempodrom auf der Bühne. Dort las der Schriftsteller aus seinem neuen Buch "Das Paket" vor. Mit der Lesung feierte er sein 10-jähriges Jubiläum. (picture alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)
Der Schriftsteller Sebastian Fitzek (picture alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)

Sebastian Fitzek ist einer der erfolgreichsten Thrillerautoren Deutschlands. Auch in seinem neuen Buch "Flugangst 7A" geht es wieder um menschliche Urängste. Wir sprechen mit ihm über Flugangst, Weicheier und Psychopathen.

In wenigen Tagen erscheint Sebastian Fitzeks 15. Psychothriller: "Flugangst 7A". Wahrscheinlich wird er wie seine Vorgänger sofort an die Spitze der Bestseller-Listen schießen. Vom Inhalt des Buches hat Sebastian Fitzek schon verraten, dass Kuhmilch darin eine nicht unbedeutende Rolle spielt.

"Ich verarbeite innere Konfliktthemen, nicht nur Ängste, sondern auch Konflikte. Als ich mich mit dem Thema Ernährung beschäftigt habe - und ich bin Gott weiß kein Ernährungspapst, ich bin auch kein Vorbild -,aber ich habe eben herausgefunden, wir können fast jedes Lebensmittel irgendwie artgerecht herstellen. Wir können aber Milch, das einzige Lebensmittel auf der Welt, nicht artgerecht herstellen.

Es ist dafür erforderlich, dass wir einem sehr sensiblen Säugetier, nämlich der Kuh, das Kind wegnehmen, das Baby, weil sonst würde die Kuh ja keine Milch geben. Also insofern, das ist ein Konflikt, der dort, man mag es kaum glauben, aber in diesem Buch Flugangst eine wesentliche Rolle spielt. Es war so nicht geplant, es hat sich beim Schreiben entwickelt."

Alles andere als hart im Nehmen

Das hört sich erstmal harmlos an. Allerdings wird auch in diesem Psychothriller mit Grausamkeiten nicht gegeizt. Auch wenn Fitzek gern sagt, es ginge in den Büchern von Kollegen weitaus härter zu, sollte, wer zart besaitet ist, nicht zu einem Fitzek greifen: Mütter missbrauchen ihre Söhne, ein 14-jähriges Mädchen tötet seine Mutter und "das splitternde Geräusch der brechenden Nase und die aufknackende Schädeldecke" zeigen, dass die Gewalt nicht nur in der Fantasie der Leser stattfindet. Zugleich betont Fitzek, dass er alles andere als hart im Nehmen sei.

"Also, ich muss ein Weichei sein und ich bin ein Weichei. Also, das kann ich schon sagen. Wenn ich keine Ängste, wenn ich jetzt wirklich ein Psychopath wäre, der sich ja dadurch auszeichnet, dass er keine Empathie hat, dann würde ich sagen, ja, ich habe heute Vormittag jemanden getötet und in den Kühlschrank gestopft und das war's. Also, das ist für mich genauso wie, ich habe mir eine Packung Milch gekauft. Und das ist eben nicht so. Wenn ich mich nicht in die Ängste, Nöte hineinversetzen könnte, würden sie für mich keine Rolle spielen."

Bücher als Blitzableiter

Dass er in der Lage sei, in seiner Fantasie grausamste Szenarien zu entwerfen, ohne dass man ihn dafür gleich für verrückt erklären müsse, habe man ihm schon von berufener Seite attestiert.

"Ich bin sehr froh, dass bei einer Lesung in Wien, die ich mal hatte, eine Psychologin aufgestanden ist, weil diese Frage nämlich genau kam, sag mal: 'Muss man nicht selbst einen an der Klatsche haben?'. Und sie sagte: 'Ich muss uns hier alle mal in Schutz nehmen, die die wir Bücher schreiben oder solche Bücher lesen.' Und sie hat eben gesagt und mir gefiel diese Theorie sehr gut, deswegen vertrete ich sie auch mittlerweile, dass wir diese Bücher als Blitzableiter benutzen. Wir haben ja alle ständig mit schrecklichen Erfahrungen zu tun, aber irgendwann sagt sich die Psyche: 'Jetzt müssen wir uns dem aber mal stellen.' Und da gibt es Leute, die steigen in eine Achterbahn und haben ihre Nahtod-Erfahrung, andere machen Bungee-Jumping, viele lesen Thriller."

Ein gar nicht so konventioneller Beamtenhaushalt

Wer sich fragt, ob es erste Hinweise auf eine Karriere als Krimiautor in seiner Kindheit gibt, erfährt, dass der studierte Jurist aus einem Beamtenhaushalt kommt, der allerdings nicht ganz so konventionell war wie es zunächst klingen mag.

"Meine Eltern waren beide Lehrer, mein Vater war dann später Schulleiter und meine Mutter, sehr skurril eigentlich, eine Figur, die ich noch gar nicht verarbeitet habe, also jetzt nicht meine Mutter, sondern ihre Tätigkeit, denn die hat im Knast unterrichtet. In Tegel hat sie Wirtschafts-Knackis, wie sie es sagte, beigebracht, wie man es wirklich macht, weil sie ja Volkswirtschaft unterrichtet hat und Betriebswirtschaft. Und insofern war ich auf der einen Seite in einem Elternhaus, was sehr wertekonservativ war, auf der anderen Seite aber eben auch immer mal wieder auch eine Grenze der Konvention überschritten hat."

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