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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.02.2018

Thomas Vinterbergs neues Stück "Suff" in WienTrinkende Witwen - ein Gelage mit Grandezza

Christoph Leibold im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Sona MacDonald (Hedwig), Elfriede Schlüsseleder (Irma), Marianne Nentwich (Marion), Therese Lohner (Constanze) copyright Herwig Prammer (Herwig Prammer)
"Suff": Blick in ein Wohnzimmer der großbürgerlichen Damenwelt des heutigen Wien (Herwig Prammer)

Öfter schon hat Filmregisseur Vinterberg Film und Theater vereint. Sein Film "Das Fest" war auch auf der Bühne ein Erfolg. Christoph Leibold konnte Vinterbergs neustes Werk "Suff" in den Kammerspielen der Josefstadt auf ähnliche Qualitäten prüfen.

Thomas Vinterberg wandelt mit Erfolg zwischen den Kunstgenres. Der Regisseur und Drehbuchautor kann auf ein Repertoire von gelobten Film- und Theaterproduktionen zurückblicken. Nicht nur "Das Fest", sondern auch "Die Kommune" funktionierte sowohl auf der Leinwand, als auch auf der Bühne. 

Besäufnis in besserer Gesellschaft

Sein neustes Stück präsentiert der Däne wieder einmal in Wien an den Kammerspielen Josefstadt. Das Werk mit dem feuchtfröhlichen Titel "Suff" dreht sich um vier trinkfreudige alte und gutbetuchte Damen, die sich statt zum Kaffeetrinken zum Saufen treffen. Was bei der Menge des konsumierten Alkohols nach Selbstzerstörung aussieht, ist laut Theaterkritiker Christoph Leibold, aber nur ein Feiern der Lebensfreude der befreundeten Witwen Hedwig, Irma, Marion und Constanze, die wohl jeden einzelnen ihrer verstorbenen Ehemänner unter den Tisch getrunken hätten. Ihre damenhafte Haltung büßen sie dabei nicht ein. Einer ihrer Leitsprüche: "Große Dinge hier auf dieser Welt sind dank Alkohol erschaffen worden."

Es wird nicht getorkelt, sondern getänzelt

Elfirede Schüsseleder (Irma), Martin Niedermair (Jacob, Hedwigs Sohn) copyright Herwig Prammer (Herwig Prammer)Szenenfoto aus dem Stück "Suff" von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov (Herwig Prammer)

Der einzige, der den Spaß bremst, ist Hedwigs Sohn Jacob, der in albernen Pullovern auftritt und auch zuhause den Fahrradhelm nicht abnimmt. Er ernährt sich gesund und ist selbst Abstinenzler. Vom Verhalten seiner Mutter ist er schockiert und will eigentlich nichts mehr mit ihr zu tun haben. Am Ende steht die Frage, an wem Hedwig mehr hängt – an der Flasche oder an ihrem Sohn.

Sona MacDonald (Hedwig) © Herwig Prammer (Herwig Prammer)Szenenfoto aus dem Stück "Suff" von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov (Herwig Prammer)

Die Sympathie ist auf der Seite der Trinkerinnen, die sich dem Suff mit Grandezza hingeben. Regisseurin Alexandra Liedtke inszeniert kein Boulevardstück, aber auch keine Trinkertragödie. Das Kritiker-Fazit: "Die wahre Größe des Rausches, die ist ja auch nur dann da, wenn man beim Höhenflug auch ums den Absturz weiß. Das es nicht von Dauer ist, und dieser Abgrund, der fehlt dem Stück und den schafft auch die Inszenierung nicht. Man geht vielleicht so ein bisschen leicht beschwipst aus dem Theater, aber nicht berauscht."  

Kein Bilderrausch, aber ein Kammerspiel

Eine Umsetzung auf die Leinwand könnte trotzdem gelingen. Sollte sich Vinterberg zu einer Verfilmung entschließen, so urteilt Kritiker Christoph Leibold, wäre eine Umsetzung nach dem Vorbild von Roman Polanskis "Der Gott des Gemetzels" denkbar. 

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