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Interview | Beitrag vom 18.05.2020

Thomas Gottschalk wird 70"Er hat das Toleranzprinzip in die Unterhaltung eingeführt"

Bernd Gäbler im Gespräch mit Dieter Kassel

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Der Moderator Thomas Gottschalk zu seinen besten Zeiten in "Wetten das". (imago/Star Media ZDF)
Thomas Gottschalk zu seinen besten Zeiten in "Wetten das" (imago/Star Media ZDF)

Fernsehen für alle: Das verkörperte wie kein anderer Thomas Gottschalk. Mit Sendungen wie "Wetten, dass...?" gelang es ihm, Hollywood und Baumarktcharme miteinander zu verbinden, findet der Medienwissenschaftler Bernd Gäbler.

"Spontaneität, Gefühl für die Stimmung, unbedingte Live-Sendung": Das zeichne den langjährigen "Wetten, dass...?"-Moderator Thomas Gottschalk aus, der heute 70 Jahre alt wird, sagt der ehemalige Geschäftsführer des Grimme-Instituts, Bernd Gäbler. Dazu die Kunst, das Offenkundige auszusprechen. Denn das sei gar nicht so einfach:

"Da kommt irgendein stämmiger Kerl, der eine tolle Wette hat. Dann sagt er: 'Mensch, das ist aber ein stämmiger Kerl! Mein Lieber, guck mal hier'. Dann fühlt er die Muskeln. So was muss man auch können, ohne dass es peinlich wird."

Ein Foto von 1989 von Günther Jauch und Thomas Gottschalk: Sie moderieren das ZDF Mittagsmagazin. Jauch trägt dabei ein bund gemustertes Hemd, Gottschalk eine Lederjacke und Kapitänsmütze. (dpa/ picture alliance/ Gerd Ulli Baranski)Ganz schön achtziger: Günther Jauch (l.) und Thomas Gottschalk (r.) moderieren am 25. August 1989 das Mittagsmagazin "Die 2 vom Zweiten" von der Internationalen Funkausstellung in Berlin. (dpa/ picture alliance/ Gerd Ulli Baranski)

Was Gottschalk wirklich gelegen haben, sei "der Baumarktcharme dieser Wetten" gewesen. "Irgendwelche Leute stellen einen Lkw auf fünf Schnapsgläser oder so – und dann Hollywood dazu. Seine Welt war, Funken zu schlagen aus David Bowie und Norbert Blüm nebeneinander." 

"Er kann nicht richtig loslassen"

Auch stehe der Name Gottschalk für die große Zeit des analogen Fernsehens. Damals als Fernsehen noch für alle da war und nicht für "Zielgruppen".

"Er hat das Toleranzprinzip in die Unterhaltung eingeführt. Er hat gesagt: Jeder kann so sein, wie er will. Er hat schräge Figuren toleriert, er hat Protestierende, die da ein Transparent entrollten, akzeptiert. Er konnte mit denen umgehen: Ach, trag mal vor, was ihr wollt. Na gut. Jetzt lasst uns mal weiter hier den Spaß machen", so Gäbler. "Das war eine völlig andere Generation als vorher die feinen Herren, die Kulenkampffs, die Vico Torrianis, die Peter Alexanders, die durch den bunten Abend führten und Mami mal ein Kompliment machten."

Auch wenn die Zeit des "Fernsehens für alle" vorbei ist, wird es sich Gottschalk wohl nicht nehmen lassen, auch mit 70 weiterzumachen. "Er kann nicht richtig loslassen, aber das sollte man ihm auch gönnen", fordert Gäbler.

(uko)

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