Themenabend Musik

Hugo Wolf lebte und wirkte in einer Zeit, die ganz verschiedene, ja widersprüchliche Strömungen in sich vereinte: Fin de siècle, Jugendstil, Naturalismus, Expressionismus. Sein Schaffen auf nur eine dieser "Richtungen" zu reduzieren, wäre kaum angemessen.
Und so ist es Konsens unter Musikhistorikern wie Interpreten geworden, ihn in das Spannungsfeld zwischen den großen Polen der Kunst im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert zu stellen: nämlich ganz allgemein und abstrakt zwischen Romantik und Moderne. Das wird Hugo Wolfs tatsächlichem individuellem Profil als Komponist natürlich nicht gerecht. Diese Pole sind nur eine Hilfskonstruktion, um zwischen den Wirkungen und Intentionen seines Schaffens unterscheiden, um die Punkte benennen zu können, in denen er über sich selbst hinauswuchs. Denn obwohl subjektiv ganz in den ästhetischen Normen des Kunstliedes, der wichtigsten romantischen Gattung, verankert, lassen sich die Brücken kaum übersehen, die er in eine ihm noch so nebulöse Zukunft schlug.

Zu Recht hat man in Hugo Wolf, obwohl seine Musik in nichts an die dissonanzgeschärfte Expression eines Arnold Schönberg erinnert, zum Wegbereiter der Moderne gekürt. Wie er diese Rolle ausfüllte, sei es in der Nachfolge von Wagner, sei es in der Gegnerschaft zu Mahler, ist einer der Aspekte, um die es in der Studiorunde anlässlich des 150. Todestages von Hugo Wolf gehen soll.


Themenabend Musik
"Was rettet mich von Tod und Sünde?"
Romantik und Moderne im Werk von Hugo Wolf
Zum 150. Geburtstag des Komponisten

Gäste: Christiane Oelze und Ulrich Eisenlohr
Moderation: Michael Struck-Schloen