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Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.07.2018

Theaterregisseur Moğul zum Özil-Rücktritt"Sogar ein Tor im Endspiel hätte nicht gereicht"

Tuğsal Moğul im Gespräch mit Elena Gorgis

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Mesut Özil bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland 2018 (dpa / picture alliance / Sven Simon)
Mesut Özil bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland 2018 (dpa / picture alliance / Sven Simon)

Wie ist der Stand der Integration in Deutschland? Seit Mesut Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft wird darüber verstärkt diskutiert. Der Theaterregisseur Tuğsal Moğul empfindet Özils Handeln als konsequent und kann auch seine Kritik an den Medien nachvollziehen.

Tuğsal Moğul ist Theater-Regisseur und hat parallel Medizin und Schauspiel studiert. Theater macht er in Karlsruhe, Münster oder Berlin, in Stücken wie "Halbstarke Halbgötter" oder "Auch Deutsche unter den Opfern". Den Rücktritt von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft nennt er "konsequent". Allerdings war Mogul verwundert, dass es so lange gedauert hat, bis sich Özil nach seinem Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan geäußert hat.

Wie gehen die Medien mit Rassismus um?

Stärker ist allerdings die Kritik des 49-Jährigen an den Medien. "Darüber müssen wir wirklich mal reden, wie unsere Medienlandschaft mit dem Thema Rassismus umgeht", meint Moğul. Bei der Weltmeisterschaft 2014 habe alles noch so schön ausgesehen. Aber: "Wenn 2018 Deutschland so weit gekommen wäre, ins Endspiel, und Mesut Özil hätte bis dahin nicht gesprochen - ich glaube sogar ein Tor im Endspiel hätte nicht gereicht, diese Fragen zu stoppen", so der Regisseur.

Generell sei eine größere Sensibilität in der Debatte notwendig. "Wir leben in einer Zeit, in der der Rechtspopulismus stark geworden ist. Wo amtierende Bundestagsabgeordnete von einem 'Vogelschiss' sprechen, wenn sie von der NS-Zeit sprechen. Wir leben in einer Zeit, wo alles sehr feinfühlig bleiben muss - auch von den Medien", meint Tuğsal Moğul.

Anti-Rassismus-Spots sind nicht genug

Nette Werbefilme vom DFB gegen Rassismus seien nicht ausreichend. "In den Stadien, auch wenn man ständig gegen Rassismus Plakate aufhängt, wird das immer stärker - der Rassismus. Und auch der Rechtspopulismus gewinnt immer mehr an Gewicht", so Moğul.

Der Theaterregisseur findet, die Balance fehlt im Umgang mit dem Fall Özil. "In anderen Fällen ist das Thema viel schneller abgefrühstückt. Ich finde es zum Beispiel skandalös, dass die Mithäftlinge von (Beate) Zschäpe wieder frei sind. Aber es wird hingenommen, man macht weiter. Und das fällt einem auf, wenn man feinfühlig ist, was das Thema Rassismus angeht", sagt Tuğsal Moğul.

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