Seit 01:05 Uhr Tonart
Dienstag, 27.07.2021
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit | Beitrag vom 27.05.2021

Theaterkollektiv Gob SquadFriedrich-Luft-Preis für "Show Me a Good Time"

Von Susanne Burkhardt

Eîne Frau mit Leopardenmantel steht mit dem Rücken zur Kamera, hinter ihr ein Kuscheltierberg, vor ihr eine Leinwand mit Videokonferenz. (Dorothea Tuch)
In "Show Me a Good Time" entwickeln Gob Squad eine kluge Poesie des Alltags in nicht-alltäglichen Zeiten, lobt die Jury des Friedrich-Luft-Preises. (Dorothea Tuch)

Als beste Berliner und Potsdamer Aufführung des Jahres 2020 wird die zwölfstündige Performance des deutsch-britischen Theaterkollektivs Gob Squad ausgezeichnet. Erstmals verleihen Berliner Morgenpost und Deutschlandfunk Kultur den Preis gemeinsam.

Am Ende waren sich alle einig: Die neunköpfige Jury war besonders überzeugt davon, wie die Performerinnen von Gob Squad schon ziemlich bald nach dem Lockdown ein Format entwickelt haben, das die Leerstellen füllen sollte, die das pandemiebedingt abwesende Theater hinterlassen hat.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

"Sie haben direkt auf die neue Situation reagiert und sind in so eine hybride Kontaktaufnahme zu den Menschen außerhalb der Theaterräume getreten – per Stream und Direktkontakt" lobte die Jury.

Das Zelebrieren des Moments als etwas Besonderes

In der Jurybegründung zu "Show Me A Good Time" heißt es: "Sie zelebrieren jeden Moment als etwas einzigartig Kostbares, ganz gleich, ob er banal, ernst oder pathetisch ist und entwickeln daraus eine kluge Poesie des Alltags in nicht-alltäglichen Zeiten." Die zwölfstündige Performance "Show Me A Good Time" ist eine Koproduktion vom HAU, also dem Hebbel am Ufer aus Berlin und La Jolla Playhouse aus San Diego.

Der mit 7500 Euro dotierte Preis wird seit 1992 von der Berliner Morgenpost im Gedenken an den Berliner Theaterkritiker und Feuilletonisten Friedrich Luft (1911-1980) verliehen. Ab diesem Jahr stiften die Berliner Morgenpost und Deutschlandfunk Kultur die Auszeichnung gemeinsam. Damit erinnern sie an Friedrich Luft, der 40 Jahre lang das Berliner Theaterleben entscheidend mitgeprägte.

Signal an die freie Szene

In die engere Wahl der Jury waren insgesamt sechs Nominierungen gekommen, darunter Sebastian Hartmanns Version von "Der Zauberberg" und Amir Reza Koohestanis "Woyzeck Interrupted" – beide vom Deutschen Theater Berlin, Sibylle Bergs "Und sicher ist mit mir die Welt verschwunden", eine Inszenierung von Sebastian Nübling am Gorki-Theater Berlin und "Tornado" von Tobias Rausch am Theaterdiscounter.

Dass die Auszeichnung letztlich an eine freie Gruppe wie Gob Squad geht, ist auch ein aufmunterndes Signal für die Szene: Schließlich war die Corona-Zeit für freie Künstler besonders schwer zu überstehen.


Zur Jury gehören neben dem Kulturkoordinator des Deutschlandradios, Hans Dieter Heimendahl, die Theaterkritikerin Katrin Pauly, die Schauspielerinnen Martina Gedeck und Claudia Wiedemer, die Schriftstellerin Lucy Fricke, der Regisseur Jürgen Flimm, der Gründungsintendant des Deutschlandradios, Ernst Elitz, der Leiter des Kulturressorts der Berliner Morgenpost, Felix Müller, sowie die Autorin dieses Textes, die Deutschlandfunk Kultur-Theaterredakteurin Susanne Burkhardt.

Mehr zum Thema

Bilanz des Berliner Theatertreffens - Ein schwieriger Jahrgang
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 24.05.2021)

"Tartuffe" am DT Berlin - Das Glück der Rückkehr
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 22.05.2021)

Carl Hegemann über Theater & Co. - Der Exzess gehört auf die Bühne
(Deutschlandfunk Kultur, Rang I, 22.05.2021)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur