Theaterkollektiv Gob Squad

    Friedrich-Luft-Preis für "Show Me a Good Time"

    05:29 Minuten
    Eîne Frau mit Leopardenmantel steht mit dem Rücken zur Kamera, hinter ihr ein Kuscheltierberg, vor ihr eine Leinwand mit Videokonferenz.
    In "Show Me a Good Time" entwickeln Gob Squad eine kluge Poesie des Alltags in nicht-alltäglichen Zeiten, lobt die Jury des Friedrich-Luft-Preises. © Dorothea Tuch
    Von Susanne Burkhardt · 27.05.2021
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    Als beste Berliner und Potsdamer Aufführung des Jahres 2020 wird die zwölfstündige Performance des deutsch-britischen Theaterkollektivs Gob Squad ausgezeichnet. Erstmals verleihen Berliner Morgenpost und Deutschlandfunk Kultur den Preis gemeinsam.
    Am Ende waren sich alle einig: Die neunköpfige Jury war besonders überzeugt davon, wie die Performerinnen von Gob Squad schon ziemlich bald nach dem Lockdown ein Format entwickelt haben, das die Leerstellen füllen sollte, die das pandemiebedingt abwesende Theater hinterlassen hat.
    "Sie haben direkt auf die neue Situation reagiert und sind in so eine hybride Kontaktaufnahme zu den Menschen außerhalb der Theaterräume getreten – per Stream und Direktkontakt" lobte die Jury.

    Das Zelebrieren des Moments als etwas Besonderes

    In der Jurybegründung zu "Show Me A Good Time" heißt es: "Sie zelebrieren jeden Moment als etwas einzigartig Kostbares, ganz gleich, ob er banal, ernst oder pathetisch ist und entwickeln daraus eine kluge Poesie des Alltags in nicht-alltäglichen Zeiten." Die zwölfstündige Performance "Show Me A Good Time" ist eine Koproduktion vom HAU, also dem Hebbel am Ufer aus Berlin und La Jolla Playhouse aus San Diego.
    Der mit 7500 Euro dotierte Preis wird seit 1992 von der Berliner Morgenpost im Gedenken an den Berliner Theaterkritiker und Feuilletonisten Friedrich Luft (1911-1980) verliehen. Ab diesem Jahr stiften die Berliner Morgenpost und Deutschlandfunk Kultur die Auszeichnung gemeinsam. Damit erinnern sie an Friedrich Luft, der 40 Jahre lang das Berliner Theaterleben entscheidend mitgeprägte.

    Signal an die freie Szene

    In die engere Wahl der Jury waren insgesamt sechs Nominierungen gekommen, darunter Sebastian Hartmanns Version von "Der Zauberberg" und Amir Reza Koohestanis "Woyzeck Interrupted" – beide vom Deutschen Theater Berlin, Sibylle Bergs "Und sicher ist mit mir die Welt verschwunden", eine Inszenierung von Sebastian Nübling am Gorki-Theater Berlin und "Tornado" von Tobias Rausch am Theaterdiscounter.
    Dass die Auszeichnung letztlich an eine freie Gruppe wie Gob Squad geht, ist auch ein aufmunterndes Signal für die Szene: Schließlich war die Corona-Zeit für freie Künstler besonders schwer zu überstehen.

    Zur Jury gehören neben dem Kulturkoordinator des Deutschlandradios, Hans Dieter Heimendahl, die Theaterkritikerin Katrin Pauly, die Schauspielerinnen Martina Gedeck und Claudia Wiedemer, die Schriftstellerin Lucy Fricke, der Regisseur Jürgen Flimm, der Gründungsintendant des Deutschlandradios, Ernst Elitz, der Leiter des Kulturressorts der Berliner Morgenpost, Felix Müller, sowie die Autorin dieses Textes, die Deutschlandfunk Kultur-Theaterredakteurin Susanne Burkhardt.
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