Donnerstag, 16.07.2020
 

Tonart | Beitrag vom 17.06.2020

The Ladies of Too Slow to Disco, Vol 2Die besondere Freude, Lulu auf der Compilation zu haben

Marcus Liesenfeld im Gespräch mit Martin Böttcher

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Schwarzweiß Aufnahme von der Sängerin in einem Garten. (picture alliance / United Archives)
Die schottische Sängerin Lulu sang zwei Titelsongs für James Bond Filme und gewann den Grand Prix d'Eurovision de la Chanson 1969. (picture alliance / United Archives)

Yachtpop wurden die entspannten Klänge des US-Westküsten-Pops der 70er-Jahre schon genannt. Marcus Liesenfeld hat Songs weiblicher Interpreten des Genres zusammengestellt. Es sei eine Riesenmühe, die Rechte zu klären - selbst bei Superstars von einst.

In der Reihe "Too Slow to Disco" stellt Marcus Liesenfeld, aka DJ Supermarkt, Musik der 70er- und frühen 80er-Jahre zusammen. Auf der Compilation versammelt er entspannten US-Westküstensound und Soft-Rock. 

Ein Journalist beschrieb die Zusammenstellung dieser Reihe mal als "unfassbar uncoolen Yachtpop". Doch Liesenfeld findet nicht, dass das stimmt. "Man wird nicht mehr verprügelt, wenn man sagt, dass man Fleetwood Mac hört", sagt er. Das sei eine große Verbesserung der Alltagskultur.

Machomäßige Strukturen

Das Musikgeschäft in den 70er-Jahren in Los Angeles sei männlich dominiert gewesen und die Frauen auf dieser Compilation eine, dass sie alle mit diesen fürchterlich machomäßigen Strukturen hätten umgehen mussen.

Als Liesenfeld sich um eine Lizenz zur Veröffentlichung bemühte, stellte er allerdings fest, dass die Frauen viel besser organisiert waren als die männlichen Kollegen. Viele der Frauen haben um die Rechte an ihren Songs gekämpft und haben diese zurückbekommen.

Musik über viele Jahre unbeachtet

Einen Teil der Aufnahmen habe er zwar nach wie vor über die Major-Labels lizensieren müssen – was ein unfassbar langwieriger und schwieriger Prozess gewesen sei, so Liesenfeld. Das habe auch damit zu tun, dass diese Musik viele Jahre unbeachtet war. Es sei nicht so leicht, die Unternehmen nach so langer Zeit dazu zu bewegen, sich mit den Rechten daran auseinanderzusetzen.

Besonders stolz sei er auf die Aufnahme der schottischen Musikerin Lulu. Bei Rocket Records, einem Label, das von Elton John einst gegründet wurde, erschien Lulus Song "I love to Boogie". Der Verbleib der Rechte und Masterbänder dieser Plattenfirma ist unklar.

Nach einer langen Recherche kam laut Liesenfeld schließlich der Kontakt zur der Sängerin zustande und Lulu gab die Erlaubnis zur Veröffentlichung. Interessant dabei sei, dass auch Lulu die Rechte nicht habe. Doch niemand wisse, wer im Besitz der Rechte ist.

Lulu habe gesagt: "'Mach einfach. Wenn jemand kommt, sag Bescheid. Du bist geschützt.'" Daher war es schließlich nur noch eine Frage des Muts, die Songs zu veröffentlichen. 

(nis)

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