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Tonart | Beitrag vom 21.04.2015

The Jewish Monkeys"Es ist provokativ, weil wir provokativ sind"

Moderation: Oliver Schwesig

"Das war spitze!" Jossi Reich (l.) und Ronni Boiko von den Jewish Monkeys (Deutschlandradio-Maurice Wojach)
"Das war spitze!" Jossi Reich (l.) und Ronni Boiko von den Jewish Monkeys auf den Spuren des hüpfenden Moderators Hans Rosenthal. (Deutschlandradio-Maurice Wojach)

Ronni Boiko und Jossi Reich provozieren mit der Band "The Jewish Monkeys" durch schweinische Texte und eine kruden Mix aus Klezmer, Punk und Zirkusmusik. Ihren Humor erklären sie mit dem Aufwachsen als Juden in Deutschland und zum Thema Heimatgefühl gibt es eine klare Ansage von Jossi Reich: "Ich fühle mich zuhause zwischen den Beinen meiner Frau."

Sie leben in Tel Aviv. Und was ihr Name übersetzt bedeutet, schreibt man besser nicht auf, zumal es als anti-jüdisches Schimpfwort verwendet wird. "Juden dürfen sich selbst so nennen", sagen die Bandmitglieder der Jewish Monkeys zu dem Thema.

Ronni Boiko und Jossi Reich gehören zum festen Stamm der Band, sie sind in Deutschland aufgewachsen. Der als Veterinär arbeitende Boiko und der Schriftsteller und Unternehmer Reich, die noch in den 70er-Jahren im Knabenchor einer Synagoge in Frankfurt am Main Freundschaft geschlossen hatten, trafen ganze drei Jahrzehnte später in Tel Aviv auf den Psychologen Gael Zaidner und machen seitdem gemeinsam Musik. Sie orientieren sich an der Musik des Mittelmeeres, des Balkans und Griechenlands, an jüdischen Melodien, Surf-Rock und schräger Zirkusmusik.

"Das ist ein Diaspora-Humor"

Ihren Sinn für provokanten Humor haben die beiden Jewish-Monkeys-Sänger auch im Interview mit Oliver Schwesig ausgelebt - genau wie in den Texten ihres Albums "Mania Regressia": "Es ist provokativ, weil wir provokativ sind", sagt Roni Boiko. "Wir lachen aber auch viel über uns", sagt er. Die beiden Musiker sehen sich in der Tradition jüdischer neurotischer Losertypen à la Woody Allen.

Musikalisch war der Band klar, dass sie trotz der jüdischen Wurzeln keine klassische Klezmermusik  machen wollen, die Musik sollte sich mehr an ihrem tatsächlichen Leben orientieren. Die Komik habe etwas mit dem Aufwachsen als Juden in Deutschland zu tun, sagt Jossi Reich und ergänzt: "Das ist ein Diaspora-Humor und den haben wir nach Israel gebracht."

"Eine geile Mentalität"

Ronni Boiko erinnert sich an ein völlig unverwurzeltes Aufwachsen als Jude in Deutschland. Muss Jossi Reich heute beantworten, wo seine Heimat ist, kommt eine typische Jewish-Monkeys-Antwort: "Ich fühle mich zuhause zwischen den Beinen meiner Frau." Und nur deshalb sei er auch nach Israel gezogen: seine Frau wollte dort leben. Die Menschen in Israel hätten trotz aller Probleme in der Gesellschaft "eine geile Mentalität". Tel Aviv sei eine tolle Stadt voller kultureller Einflüsse.

Jossi Reich (l.) und Ronni Boiko vor dem Deutschlandradio-Funkhaus in Berlin (Deutschlandradio-Maurice Wojach)Jossi Reich (l.) und Ronni Boiko von den The Jewish Monkeys vor dem Deutschlandradio-Funkhaus in Berlin (Deutschlandradio-Maurice Wojach)

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