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Fazit / Archiv | Beitrag vom 17.02.2010

"The Book of Eli"

Hans-Ulrich Pönack über den Endzeit-Western

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Als Wanderer will Denzel Washington ein "geheimnisvolles Buch" quer durchs Land "gen Westen" zu bringen - die Bibel. Doch Banditen stellen sich ihm in den Weg.

USA 2010; Regie: Albert Hughes, Allen Hughes - Darsteller: Denzel Washington, Gary Oldman, Mila Kunis, Jennifer Beals, Ray Stevenson, Tom Waits, Malcolm McDowell, Michael Gambon, Frances de la Tour, Joe Pingue; Länge: 118 Minuten

"The Book of Eli" ist ein Film von Albert und Allen Hughes. Ja, was soll denn das? Die Zwillingsbrüder Hughes, geboren am 1. April 1972 in Detroit, debütierten 1993 mit "Menace II Society" und waren zuletzt mit der Comic-Adaption "From Hell" 2001 im Kino. Hier nun schicken sie einen "Schwarzen Jesus" im Jahr 2044 durch die völlig verwüsteten USA.

Der ist bemüht, ein "geheimnisvolles Buch" quer durchs Land "gen Westen" zu bringen - die Bibel. Es ist das einzige Exemplar, das nach dem "Großen Krieg" noch vorhanden ist. Nach dieser Katastrophe ist fast alles Leben, zumindest zivilisiertes Leben, auf der Erde ausgelöscht. Ebenfalls fast alle Nahrung. Folglich "benehmen" sich die Überlebenden wie Kannibalen. Monster. Marodierende Menschenfresser überfallen, plündern, morden. Um ein Stückchen Restseife, eine Autobatterie oder eine Brotrinde. Nur Eli können sie nichts anhaben.

Denn der erweist sich in dieser postapokalyptischen Gemeinschaft als unangreifbar. Ausgerüstet mit einem langen Messer und allerlei Hieb-, Stich- und Schusswaffen ebnet er sich wie einst der schmutzige Django oder wie Mad Max "seinen heiligen Weg". Denn Eli ist in "edler Mission" unterwegs, will die Bibel "retten". Um "The Next Generation" wieder "gottesfürchtig" und "regelkundig" "erblühen" zu lassen. Amen. Aber weil es natürlich auch "kluge Schurken" gibt wie Carnegie (Gary Oldman ("The Dark Knight"; "Air Force One"), der die strategische Bedeutung "dieses Buches" für seine kommende Führerschaft erkennt, muss Eli sich gegenüber dem aggressiven Pöbel dauererwehren. Was er dann auch ausgiebig tut.

Frei nach dem Bibelwort, und bist du nicht willig so gebrauch' ich Gewalt, zieht er eisern seinen selbst ernannten Auftrag durch. Damit demnächst alles von vorn losgehen kann. Mit der Schrift als neuerliche Moral- bzw. Glaubens- bzw. Regel- bzw. Gesetzesvorgabe. Obwohl diese ja einst weder die Menschen "vernünftig" sein ließ noch den Totalkrieg verhindern konnte. "The Book of Eli" ist eine platte, pubertäre wie fundamentalistische filmische Bibelstunde, die – damit Leute überhaupt davon angesprochen werden – mit sehr viel bekannter Western-Gewalt und rabiaten Action-Schlachten ausgestattet ist.

Marke: einer gegen viele. Der "Sheriff", der Lonesome Cowboy, gegen die Masse der Outlaws. Anspielungen an Eastwood-Figuren, an Anarcho-Clowns wie eben Django/Mad Max oder an tapfere Samurai-Krieger sind gewollt. Ebenso wie Zitate an Klassiker wie "Rio Bravo" oder an Morricones Klang-Charme.

Natürlich spielen auch "proppere Mädels" mit, wie die Ziehtochter des Despoten (Mila Kunis) oder seine blinde Geliebte, aber die sind nur Beigabe für das Duell zwischen Heiland und Satan. Ein simpler Missions-Action-Gangster-Western als spirituelles Endzeit- und religiöses Weltrettungsabenteuer. Mit ach so ja auch Tom Waits als "Mechaniker", weil der doch so eine schöne "Western-Fresse" hat. Lese gerade: "Ohne jede Selbstironie wird hier die frohe Botschaft mit dem blutigen Schmiedehammer verbreitet. ("Moviepilot")" Sag' ich doch. Ein lächerliches Haudrauf-Blöd-Movie.

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