"Thank you for the Music"

Björn Ulvaeus posiert im neuen ABBA-Museums für die Presse. © picture alliance / dpa / Janerik Henriksson
Von Tim Krohn · 07.05.2013
Stockholm hat eine neue Attraktion: Schwedens "Music Hall of Fame" mit dem ABBA-Museum. Die lange geplante Dauerausstellung wird jetzt endlich offiziell eingeweiht. Die Besucher sollen die Weltkarriere von Björn, Benny, Anni-Frid und Agnetha so atmosphärisch wie möglich erleben können.
Um die eine, die unausweichliche Frage gleich zu beantworten:

"No, there will be no reunion!"

Nein, sagt Björn Ulvaeus wahrscheinlich zum hundertmillionsten Mal, es wird keine ABBA-Reunion geben. Obwohl, die unermüdlichen Fans vor dem neugebauten ABBA-Museum bekamen gestern abend immerhin drei der vier Museumsobjekte vor die Linse.

Nur Agnetha fehlte, sie promotet denn doch lieber ihre Solo-CD in London.

"We want ABBA!"

Die Fans draußen erinnerten ein bisschen an die Hysterie von damals. Als die Schweden zum Beispiel ihre ersten Konzerte in Australien gaben und die Fans unermüdlich "We Want ABBA" verlangten. Alles - von der Garderobe bis zur Bühne -. nachzuhören und nachzuempfinden unten im Museum.

Oben auf Stockholms schönster Insel Djurgarden könnte man glatt vorbeilaufen an dem ABBA-Museum. Es liegt einigermaßen versteckt in einem doch eher nichtssagenden Hotelneubau der Insel. Schwedens Music Hall Of Fame befindet sich tatsächlich zwei Stockwerke tief unter der Erde.

"Die Touristen in Stockholm haben oft gefragt: Wo liegt das ABBA-Museum? Und da haben wir schließlich gesagt: Ja okay, gut, wir machen das. Und vor einem Jahr wurde mir dann klar – hej, das passiert ja wirklich! Jetzt werden wir zum Museumsstück, hier zu Hause in meiner Heimatstadt!"

Popgeschichte auf 5000 Quadratmetern
Björn Ulvaeus, das eine der beiden Bs in ABBA, ist trotz der etwas merkwürdigen Lage mächtig stolz auf das Museum. Kein Wunder, er hat auch eine Menge Geld und Ideen reingesteckt. Auf 5000 Quadratmetern kann man das zehnjährige Erfolgsmärchen von ABBA jetzt Stück für Stück bestaunen.

"Die vier Stimmen von ABBA führen die Besucher durch das Museum. Wenn der Besucher zum Beispiel vor dem Nachbau unseres Studios steht und dann seinen Audioguide einschaltet, dann hört man, wie wir vier von genau diesem Ort erzählen. Solche Sachen waren mir sehr wichtig. Deshalb habe ich mich hier auch so sehr engagiert."

Das Polar-Studio ist beinahe originalgetreu wieder da. Dazu eine fast komplette Küche, in der die vier oft saßen, stritten und probten. Auch die kleine Hütte von der Schäreninsel ist wieder aufgebaut. Hier hatten Björn und Benny ihre vielleicht besten Ideen.

"Wir hatten schon einige Kicks auf unserem Weg – vor allem dann, wenn wir etwas richtig Gutes geschrieben hatten. Zum Beispiel 'The Winner Takes It all', als wir dann merkten, wow, das hier ist ein richtig gutes Lied."

Zeitreise in die 1970er
"Es ist schon ein bisschen absurd. Man wird von null auf 100 in die Jugendzeit zurückgeschleudert. Es ist spannend."

Micke Bayart ist sozusagen der oberste Chef aller schwedischen ABBA-Fans. Schuld daran ist ein gläserner Hubschrauber Baujahr 1976. Auch der steht unten im Museum.

"Hier begann meine große Liebe zu ABBA. Wir sitzen hier in dem Hubschrauber, der auf der ABBA-LP auf dem Umschlag von 'Arrival' zu sehen ist. Die kam 1976 auf den Markt mit den großen Hits 'Dancing Queen', 'Knowing Me, Knowing You'."

Ach ja und dann sind da ja noch die ganzen Originalklamotten von damals. ABBAs Kostümdesigner Owe Sandström steht zwischen Plateauschuhen und glitzernden Katzen-T-Shirts. Ja, gibt er zu, auch er hätte damals manchmal so seine geschmacklichen Zweifel gehabt. Sollte er das alles wirklich so eng und extravagant schneidern?

"Da hat Björn immer gelacht und gesagt: Owe, für uns ist nichts zu wild."

Es leben die 70er!

Eng ist es und manchmal auch ziemlich dunkel im neuen Museum. Fans und Urlauber werden trotzdem ihren Spaß haben. Sie können als Agnetha-Double im Polar-Studio mitsingen oder sich als 3D-Hologramm in die viel zu engen ABBA-Kleider zwängen. Modernes Entertainment – das beherrschen die vier nun wirklich immer noch. Björn Ulvaeus' Rechnung jedenfalls dürfte aufgehen:

"Wir versuchen, unsere Geschichte mit viel Wärme und Humor zu erzählen. Und ich hoffe, dass man aus dem Museum rausgeht und ein bisschen lächelt. Dass man froh ist."
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