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Konzert / Archiv | Beitrag vom 07.02.2008

Teuflische Triller

T. Yang und P. Rivinius beim Debüt im Deutschlandradio Kultur

Tianwa Yang und Paul Rivinius  (privat)
Tianwa Yang und Paul Rivinius (privat)

Tianwa Yang spielt seit 16 Jahren Geige, dabei ist sie erst 20 Jahre alt. Für ihr Berliner Debüt-Konzert hat sie fünf ausnehmend virtuose Violinsonaten ausgewählt. Die legendären "Teufelstriller" im dritten Satz der Sonate von Giuseppe Tartini bilden dabei noch nicht einmal die größte Schwierigkeit. Tianwa Yang hat sich für dieses Konzert einen erfahrenen Klavierpartner gewünscht, mit dem sie perfekt harmoniert: Paul Rivinius.

Tianwa Yang, 1987 in Peking geboren, erhielt bereits mit vier Jahren ihren ersten Violinunterricht. Sie studierte in der Folge am Hauptkonservatorium ihrer Heimatstadt, gewann zahlreiche Wettbewerbspreise und konzertierte als Wunderkind im asiatischen Raum. Ihr europäisches Konzertdebüt gab sie 2001 in Prag mit dem Mendelssohn-Violinkonzert, begleitet vom Tschechischen Radio-Symphonieorchester. Mit Unterstützung eines DAAD-Stipendiums studiert Tianwa Yang seit 2003 bei Jörg-Wolfgang Jahn an der Musikhochschule in Karlsruhe. Wichtige Impulse für ihre musikalische Entwicklung bekommt sie außerdem von Heinrich Schiff und Antje Weithaas sowie von Anner Bylsma für die Aufführungspraxis Alter Musik.

"Ich habe keine andere Kunst als die Nachahmung der Natur", schrieb Giuseppe Tartini in einem Brief an den Schriftsteller Francesco Algarotti, und zeigte sich darin ganz als Kind seiner Zeit, die sich von der gesuchten Künstlichkeit des Barock auf das Ideal der klassischen "Einfalt" zubewegte. Dieser Vorstellung von Natürlichkeit entspricht auch seine erklärte Abneigung gegen eine rein virtuose und daher äußerliche Verzierungspraxis. Unter diesem Vorzeichen muss auch der "Teufelstriller" im dritten Satz der Sonate in g-Moll nicht nur als Demonstration von Tartinis außerordentlichen Virtuosität verstanden werden, sondern auch als integraler Bestandteil der Musik.
Leichtigkeit, Spontaneität und kindlicher Wortwitz sprechen aus der ersten Überschrift, die Ludwig van Beethoven seiner Sonate op. 47 beigab: "Sonata mulattica composta per il Mulatto Brischdauer gran pazzo e compositore mulattico" ("Mulattische Sonate, geschrieben für den Mulatten Brischdauer, den großen Verrückten und mulattischen Komponisten"). Abgesehen von der Anspielung auf die Sensation, die der englische Geigenvirtuose George A. Polgreen Bridgetower als Sohn eines schwarzafrikanischen Vaters und einer polnischen Mutter in der Gesellschaft um 1800 darstellte, verrät die Widmung viel über die spontane Entstehung der Duosonate.
Der belgische Geiger Eugène Ysaÿe stand noch unter dem unmittelbaren Eindruck, den ein Bach-Soloabend des Violinisten Joseph Szigeti bei ihm hinterlassen hatte, als er seine sechs Sonaten für Violine op. 27 – innerhalb von nur 24 Stunden – in fanatischer Arbeit skizzierte. Die sechs Solosonaten sind jeweils einem herausragenden Geiger zugeeignet, auf dessen Stil und spieltechnische Fähigkeiten sie verweisen. Unter den Widmungsträgern findet sich auch der mit Ysaÿe befreundete rumänische Violinist, Dirigent und Komponist George Enescu. Für ihn entstand das heute bekannteste und zugleich kürzeste Werk der Opusreihe 27, die Ballade in d-Moll.
Mit den Spanischen Tänzen lässt sich Pablo de Sarasate von der Welle des Hispanismus tragen, die Ende des 19. Jahrhunderts Frankreich ergriff. Gerade erst hatte Georges Bizet die in Kuba entstandene Habanera in seiner Oper Carmen verewigt, als auch Sarasate sich dem in Europa noch neuen Tanz zuwandte. In seiner Habanera zitiert er die Arie "Aus dem Lande von Kakao, Schokolade und Kaffee" aus der Zarzuela La gallina ciega des Spaniers Manuel Fernández Caballero, auf die auch Lalo 1877 in seinem Cellokonzert zurückgriff.
In die Reifezeit von Johannes Brahms fällt die Komposition seiner Violinsonaten. Die erste Sonate entstand 1878, die zweite und dritte begann er im Sommer 1886 während seines Landaufenthalts am Thuner See. Die Arbeit an der Sonate in d-Moll op. 108 schloss er erst 1888 ab. Bei der Uraufführung am 21. Dezember des Jahres in Budapest mit dem Geiger Jenö Hubay saß Brahms selbst am Klavier. Die dem Dirigenten Hans Bülow gewidmete viersätzige Sonate ist seither oft mit Beethovens Kreutzer-Sonate verglichen worden. Auch sie weist in ihrer Virtuosität und ihrem dramatisch theatralischen Gestus weit über den intimen Rahmen der Kammermusik hinaus.


Debüt im Deutschlandradio Kultur
Live aus dem Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin

Giuseppe Tartini
Sonate g-Moll, "Teufelstrillersonate" für Violine und Klavier (Bearb. Fritz Kreisler)


Ludwig van Beethoven
Sonate A-Dur op. 47, "Kreutzer-Sonate" für Violine und Klavier

ca. 20:55 Uhr Konzertpause mit Nachrichten und anschließend:
Mit den Künstlern im Gespräch

Eugène Ysaÿe
Sonate d-Moll op. 27 Nr. 3, "‚Ballade" für Violine solo

Pablo de Sarasate
"Habanera" op. 21 Nr. 2 und "Playera" op. 23 Nr. 1
aus "Danzas españolas" für Violine und Klavier

Johannes Brahms
Sonate d-Moll op. 108 für Violine und Klavier


Tianwa Yang, Violine
Paul Rivinius, Klavier

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