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Kompressor | Beitrag vom 23.01.2015

Terror der Roten Khmer"Ein westdeutsches Tabuthema"

Nico Mesterharm im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Eine Kambodschanerin bei einer Trauerzeremonie für Opfer der Roten Khmer in Phnom Penh. (picture alliance / dpa / Mak Remissa)
Beispiellose Schreckensherrschaft: Kambodschanerinnen bei einer Trauerzeremonie für die Opfer der Roten Khmer (picture alliance / dpa / Mak Remissa)

Zu den Leichen im Keller der westdeutschen Linken aus der Zeit vor 1990 gehören die Sympathien, die viele für das Terrorregime der Roten Khmer in Kambodscha hegten. Bis heute "ein westdeutsches Tabuthema", mit dem sich jetzt eine Ausstellung in Berlin befasst.

Gerade einmal dreieinhalb Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha, aber das reichte den maoistisch-nationalistischen Guerilleros, um rund ein Viertel der Bevölkerung zu ermorden. Die Brutalität und Grausamkeit der Roten Khmer war erschreckend, gleichwohl sympathisierten Teile der westdeutschen und westeuropäischen Linken mit dem Pol Pot-Regime.

"Es gab viele westdeutsche Linke, die glaubten, dass das, was die Khmer Rouge verkündeten, nämlich einen Agrarstaat schaffen zu wollen und die Kulturrevolution Maos sogar noch zu toppen, dass die das ideologisch irgendwie interessierte und faszinierte", sagt der Filmemacher Nico Mesterharm, Gründer des deutsch-kambodschanischen Kulturzentrums "Meta House" in Phnom Penh.

Bisher keine Entschuldigung der früheren Sympathisanten

Die politische Lage in der Region sei damals unübersichtlich gewesen, räumt Mesterharm ein. "Trotzdem ist es schwierig zu erklären, dass zum Beispiel 1981, als im Endeffekt bekannt war, dass in Kambodscha ein Genozid begangen worden ist, der Kommunistische Bund Westdeutschlands (KBW) ich glaube, insgesamt 250.000 Mark für die Roten Khmer und Pol Pot sammelte."  Viele, die damals im KBW aktiv gewesen seien und die Roten Khmer unterstützt hätten, würden heute darüber ungern reden, so Mesterharm. "Ich glaube ehrlich gesagt, dass es menschlich fast jedem dieser Kollegen klar sein müsste, dass das damals falsch war. Hingegen habe ich bis heute keine Entschuldigung gelesen oder gehört."

Mit der Herrschaft der Roten Khmer und dem Umgang damit befasst sich die Ausstellung "Die roten Khmer und die Folgen. Dokumentation als künstlerische Erinnerungsarbeit" in der Berliner Akademie der Künste, die vom 25.1. - 1.3. zu sehen ist.  

 

Mehr zum Thema:

Kambodscha - Gerechtigkeit für die Opfer der Roten Khmer
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 07.08.2014)

Rote-Khmer-Prozess - "Wichtig für die Wiedergutmachung"
(Deutschlandfunk, Interview, 07.08.2014)

Rote-Khmer-Prozess - "Völkermord lässt immer Fragen offen"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 07.08.2014)

Roman - "Wenn die Vermissten endlos in uns weiterleben"
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