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Zeitfragen | Beitrag vom 26.10.2018

Terézia Mora ist Georg-Büchner-Preisträgerin 2018 "Ich war umgeben von sprachlosen Männerfiguren"

Terézia Mora im Gespräch mit Dorothea Westphal

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Terezia Mora, Schriftstellerin (Foto: Luchterhand Literaturverlag)
Büchners "Woyzeck" war eines der ersten Bücher, das die gebürtige Ungarin auf Deutsch las. (Foto: Luchterhand Literaturverlag)

"Ich komme vom Dorf und ich fühle mich durch diese Erlebnisse in vielem an Woyzeck erinnert", sagt die Büchner-Preisträgerin Terézia Mora. Zu Büchners Werk habe sie deshalb ein inniges Verhältnis.

"Ich halte den Woyzeck für Büchners Hauptwerk. Auch, wenn er nichts anderes geschrieben hätte, wäre es absolut ausreichend", sagt Terézia Mora. "Ich glaube, das ist tatsächlich ein ewiges Stück. Das wird es immer geben."

Die mehrfach preisgekrönte Autorin und Übersetzerin Térezia Mora erhält in diesem Jahr den Georg-Büchner-Preis. Büchners "Woyzeck" war einer der ersten Texte, die sie, die seit 1990 in Berlin lebt, auf Deutsch las. Als gebürtige Ungarin, die noch hinter dem Eisernen Vorhang aufgewachsen ist, könne sie mit der Ohnmacht und Sprachlosigkeit des Woyzeck durchaus mitfühlen:

"Ich will nicht ausschließen, dass ich Woyzeck deswegen so mag, weil ich einige Verhaltensweisen in ihm erkenne, die ich mitgebracht habe, mit denen ich aufgewachsen bin. Ich war umgeben von überwiegend sprachlosen Männerfiguren."

Eine Hommage an Außenseiter und prekäre Existenzen

Vermutlich widmet Mora sich deshalb in ihren Romanen und Erzählbänden immer wieder den Außenseitern, den Randständigen und prekären Existenzen. "Schonungslos nimmt sie die Verlorenheit von Großstadtnomaden in den Blick und lotet die Abgründe innerer und äußerer Fremdheit aus", heißt es in der Begründung der Jury der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Auch Mora sagt über ihr Werk:

"Wenn ich jetzt versuchen würde, von außen meine Werke zu betrachten, so tauchen doch immer und immer wieder diese bedrängten und ohnmächtigen und suchenden und traurigen Figuren auf, weil es offensichtlich das ist, was ich am besten verstehe von den Phänomenen der Welt."

Am 27. Oktober wird der Georg-Büchner-Preis an Terézia Mora verliehen. 

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