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Reportage / Archiv | Beitrag vom 18.12.2013

TauschaktionGutscheine für Flüchtlinge

Einkaufen im Selbsttest

Von Ellen Häring und Lennart Pyritz

Asylbewerber bekommen Gutscheine für Einkäufe in ausgewählten Geschäften (dpa / Daniel Naupold)
Asylbewerber bekommen Gutscheine für Einkäufe in ausgewählten Geschäften (dpa / Daniel Naupold)

Eine Bürgerinitiative aus dem brandenburgischen Landkreis Oberhavel tauscht Lebensmittelgutscheine gegen Bargeld. Flüchtlinge, die dort im Heim leben und mit Gutscheinen einkaufen müssen, geben diese weiter an Bürger, die dafür in bar bezahlen. Der Umsatz beträgt inzwischen 5000 Euro pro Monat.

Immer mehr normale Bürger aus Berlin und Brandenburg machen sich mit Gutscheinen auf den Weg in den Supermarkt. Aber, funktioniert das überhaupt? Ellen Häring hat sich der Aktion angeschlossen und ist im Selbstversuch mit Lennart Pyritz losgezogen.

 

Auf der Straße (1)

"Okay Lennart, dann lass uns mal losgehen zum Einkaufen."

"Ich hab hier 50 Euro in Gutscheinen, hier sind die Gutscheine, die hab ich einem syrischen Flüchtling abgekauft."

"Zeig mal, wie sehen die aus?" "So sehen die aus."

"Aha, 2 Euro, 5 Euro 10 Euro." "Ja, die sind so gestückelt."

"Wer hat die unterschrieben?"

"Ja, die hab ich einem syrischen Flüchtling abgekauft, der heißt Mohammed Aswat und der lebt in Oberhavel, das ist in Brandenburg."

"Okay, dann sind wir hier vor dem Supermarkt, dann gehen wir mal rein."

 

Im Supermarkt (1)

"So, dann nehm ich mal ein Liter Milch, ein paar Nudeln ... komm, dann lass uns mal zu der Blonden gehen, die sieht nicht ganz so griesgrämig aus."

"Ja, ich wollte fragen, ob ich hier mit so einem Gutschein einkaufen kann?"

"Nee, nee, nee, nee – wir nehmen keine Gutscheine."

"Warum nicht?"

"Warum kann ich ihnen nicht sagen, wir nehmen keine."

"Das ist jetzt so ein Gutschein, den hab ich von einem Flüchtling abgekauft. Das heißt, der könnte jetzt bei Ihnen gar nicht einkaufen?"

"Nee, nee, weil ich hab auch noch nie so ein Gutschein gesehen, ehrlich gesagt."

"Dann nehm' ich ihn wieder mit."

 

Auf der Straße (2)

"Ja, komm, also wenn die den gar nicht kennen den Gutschein ... "

"... dann probieren wir es noch mal wo anders?"

"Ja."

"Kriegen die Flüchtlinge den überhaupt kein Bargeld in der Kommune?"

"Doch, der kriegt, soweit ich weiß, 137 Bargeld. Aber der Rest, der ihm zusteht, das sind so ungefähr 200, den kriegt er eben in Gutscheinen. Es gibt nur keine offizielle Liste der Geschäfte, die das in Berlin einlösen, deshalb müssen wir das einfach mal ausprobieren."

 

Im Supermarkt (2)

"Hallo, lösen sie die ein?"

"Ich weiß, dass wir die Dinger nur rausgeben dürfen mit Personalausweis."

"Ja, ich habe so 'ne Vollmacht."

"Soweit ich weiß, dürfen nur die, denen diese Dinger gehören, auch damit einkaufen gehen, deshalb kriegen die ja auch diese Gutscheine, dass sie kein Bargeld in die Hand kriegen. Soweit ich weiß, geht das nicht, aber wir machen das jetzt mal ausnahmsweise. Ausnahmsweise, aber nächstes Mal geht das nicht."

"Danke!"

 

Auf der Straße (3)

"Super, jetzt haben wir 20 Euro unters Volk gebracht, ist doch klasse."

"Lass mich noch mal gucken, was steht da eigentlich drauf auf dem Schein?"

"Lies vor, ich habe gerade keine Brille."

"Nur einlösbar mit Wertgutscheinkarte."

"Ja, die hab ich ja, ich hab ja 'ne Vollmacht."

"Für Nahrungsmittel, Schreibhygiene und Reinigungsartikel. Wäsche sowie Hausrat von geringem Anschaffungswert. Rückgabe bis 10 Prozent."

"Also das heißt, ich habe jetzt hier einen für 5 Euro, da krieg ich ja nur maximal 50 Cent zurück."

"Genau."

"Was steht da hinten drauf noch? Nur einlösbar bei den in der Region angeschlossenen Akzeptanzpartnern für Wertgutscheinpass. Aber wir können ja mal gucken, ob die Dönerbude da vorne mitmacht."

"Ja, wir gucken, ob die Dönerbude als Akzeptanzpartner infrage kommt."

 

Im Dönerladen

"Hallo! Hallo! Also das ist ein Gutschein, den hab ich abgekauft einem Flüchtling aus Syrien. Sie wissen ja vielleicht, in manchen Kommunen kriegen die Flüchtlinge kein Bargeld oder nur einen geringen Betrag ... "

"Lebensmittelmarken?"

"Ja genau, die kriegen solche Gutscheine."

"So sehen die aus."

"Aber würden Sie jetzt so einen Gutschein nehmen?"

"Ich wüsste nicht, wir haben keine Verbindung zum Jobcenter oder zu irgendeiner sozialen Einrichtung, dass wir den dort einlösen könnten. Ham wir gar nicht, diese Verbindung. Also würden wir wohl drauf sitzen bleiben, nehm ich an."

"Haben Sie den schon mal gesehen, so einen Gutschein?"

"Den seh ich zum ersten Mal, so was. So sehen die aus, ja? Die armen Asylanten, die kriegen alle sowas. Das muss man den Politikern sagen."

 

Auf der Straße (4)

"Wollen wir noch mal in die Apotheke gehen?"

 

In der Apotheke

"Würden Sie mir diese Salbeibonbons verkaufen und ich darf die mit dem Gutschein bezahlen? Können Sie den irgendwo einlösen?"

"Ich wüsste nicht. Der ist ja auch auf 10 Euro ausgestellt, ich wüsste nicht, was wir mit der Differenz machen sollten."

"Und wie teuer sind die hier?"

"Die kosten 1,45 Euro."

"Ich hätte jetzt auch noch einen für 2 Euro. Würden Sie einen für 2 Euro nehmen?"

"Ich weiß wirklich nicht, wie ich den behandeln soll."

 

Auf dem Weihnachtmarkt

"Schöner Weihnachtsmarkt hier."

"Klar, finde ich auch. Ich hab hier einen Gutschein, ich möchte gerne einen Punsch von Ihnen. Jetzt hätt ich gerne mal gewusst, ob sie diesen Gutschein nehmen. Haben sie den schon einmal gesehen?"

"Den hab ich noch nicht gesehen, was soll das für ein Gutschein sein?"

"Sie sehen ja, was da draufsteht."

"2 Euro, zwei null null. Einlösbar in Deutschland."

"Ja, aber der Punsch kostet doch 2 Euro."

"Okay, und wo kann ich den dann einlösen?"

"Das weiß ich doch nicht! Jedenfalls hab ich 50 Euro, das hier sind nur 2 Euro, ich renne schon den ganzen Tag rum und ich hab immer noch 30 Euro, nur 20 Euro bin ich losgeworden."

"Ich bin ehrlich gesagt nicht so zuversichtlich, dass ich den loswerde. Aber wenn Sie jetzt schon so den ganzen Tag unterwegs sind, dann kriegen Sie jetzt mal einen Punsch von mir."

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