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Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.05.2020

Tauchroboter sollen Funkgerät bergenTitanic-Wrack wird erstmals geöffnet

Brigitte Saar im Gespräch mit Britta Bürger

Das Wrack der Titanic im Scheinwerferlicht eines U-Boots (imago images / Mary Evans / Walt Disney)
Für den Dokumentarfilm "Geister der Titanic" wurden mit Spezial-U-Booten spektakuläre Aufnahmen vom Schiffswrack gemacht. (imago images / Mary Evans / Walt Disney)

Bisher war es verboten, Gegenstände direkt aus der gesunkenen Titanic zu bergen. Nun soll ein Tauchroboter in das Schiffswrack eindringen und das Funkgerät sicherstellen. Dank eines Notrufs mit diesem konnten beim Untergang über 700 Menschen gerettet werden.

Der Untergang der Titanic ist bis heute ein großer Mythos. Bei der Jungfernfahrt von England nach New York im April 1912 hatte das große Passagierschiff einen Eisberg gerammt und war innerhalb von zweieinhalb Stunden gesunken.

Nun könnte es schon bald wieder eine Expedition zu dem gesunkenen Wrack geben. Eine US-amerikanische Bezirksrichterin in Norfolk hat entschieden, dass das legendäre Funkgerät aus dem Schiffswrack im Atlantik geborgen werden darf.

Warum das Funkgerät bisher nicht geborgen wurde

"Ohne dieses Funkgerät hätte nicht ein einziger Mensch den Untergang der Titanic überlebt, denn nur weil die Titanic ihre Koordinaten per Funk absetzen konnte, sind andere Schiffe zu Hilfe gekommen. Insbesondere die Carpathia, die am Ende über 700 Menschen mit an Bord genommen hat", erklärt Brigitte Saar. Die Münchner Journalistin ist Vizepräsidentin des Schweizer Titanic-Vereins.

Unweigerlich fragt man sich, warum das Funkgerät bisher nicht geborgen wurde, dafür aber Silberbesteck, Porzellan und Goldmünzen. Die Antwort: Weil diese Gegenstände aus dem Trümmerfeld rund um das Wrack stammen.

Der Schiffsbug der gesunkenen Titanic. (imago images / Everett Collection / Walt Disney)Das Wrack liegt jetzt schon seit über 100 Jahren auf dem Meeresgrund und verrottet zusehends, wie Brigitte Saar berichtet. (imago images / Everett Collection / Walt Disney)

"Es gibt eine richterliche Anweisung aus dem Jahr 2000", erklärt Saar. "Laut der darf man eben keine Gegenstände aus dem Rumpf selber bergen, sondern nur Sachen aus diesem Trümmerfeld einsammeln" – und das Funkgerät war im Wrack der Titanic selber, im Rumpf – in der obersten Etage, als Teil der Deckaufbauten. "Da war dieser Funkraum angesiedelt." Außerdem gelte der Rumpf für viele als eigenes Denkmal, "als Grabstätte", sagt Saar. Hier sind 1500 Menschen ums Leben gekommen.

Neue Tauchroboter werden bereits entwickelt

Nachdem die Genehmigung für die Bergung nun vorliegt, wird bereits an geeigneten Tauchrobotern gebaut. "Es ist gar nicht so leicht, dahin zu kommen", erklärt Saar, die 1998 selber einmal das Wrack besichtigen durfte.

Das Innere der gesunkenen Titanic. (imago images / Mary Evans / Walt Disney)Bisher durften nur Gegenstände aus dem Trümmerfeld rund um das Wrack geborgen werden. (imago images / Mary Evans / Walt Disney)
"Es gibt zwar oberhalb dieses Raums ein Oberlicht und damit im Prinzip jetzt schon eine quadratische Öffnung. Die ist aber sehr eng, und man muss ja mit einem Tauchroboter da hinein, der auch etwas anheben kann, der möglicherweise zum Beispiel auch Kabel durchschneiden kann, denn die Funkanlage war ja bis zum Schluss über die Kabel auch fest mit den Wänden, mit dem Raum, verbunden."

Wie ein griechisches Drama

Die Faszination für die Titanic beschreibt Saar so: "Früher hieß es mal, die Titanic sei so etwas wie die perfekte Katastrophe. Und natürlich klingt das zynisch, und ich will das auch gar nicht so stehenlassen. Aber letztendlich ist der Untergang über zweieinhalb Stunden hinweg ja schon fast so etwas wie ein griechisches Drama in einem Akt, wo sich ganz viele Heldengeschichten entfalten, wo es darauf ankommt, ob man Glück hat, ob man Pech hat, welche Entscheidungen man trifft. Da ist ganz, ganz viel zwischenmenschlicher Stoff drin."

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