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Studio 9 | Beitrag vom 02.01.2020

"Tatort"-Kritik: "Das Team"Improvisation ohne Sinn

Matthias Dell im Gespräch mit Ute Welty

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Tatort-Kommissare Christoph Scholz (Charly Hübner), Martina Bönisch (Anna Schudt), Franz Mitschowksi (Nicholas Ofczarek), Peter Faber (Jörg Hartmann), Marcus Rettenbach (Ben Becker), Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter), Nadine Möller (Elena Uhlig), Sascha Ziesing (Friedrich Mücke), Martin Scholz (Bjarne Mädel) (WDR/Tom Trambow)
So viele Kommissare für "Das Team" – aber ein verschwendetes Potenzial. Findet jedenfalls unser Kritiker Matthias Dell zum letzten "Tatort". (WDR/Tom Trambow)

Das "Tatort"-Jahr begann gleich mit einem Experiment: Ein Team von sieben Ermittlern muss eine Mordserie auflösen. Die größte Herausforderung aber bestand darin, dass die Schauspieler improvisieren mussten. Ein Reinfall, findet unser Kritiker.

Das neue Jahr ging gleich mit einem "Tatort" los: Jan Georg Schütte hatte für die Folge "Das Team" gleich sieben Kommissarinnen  und Kommissare zusammengesucht, regulär ermittelnde und für einmal ausgedachte. Gemeinsam müssen sie eine Mordserie an vier Polizisten aufklären. Ein festes Drehbuch gab es nicht, die Schauspieler haben die Dialoge improvisiert. Gaststar war NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der sich selbst spielte.

Die "Tatort"-Fangemeinde ist meist kritisch, was solche Experimente angeht, aber gemessen an den Twitter-Reaktionen sei der "Impro-Tatort" erstaunlich gut angekommen, sagt Fernsehkritiker Matthias Dell. Andere scherzten, es sei "der schlechteste Tatort des Jahres". Aber auch Dell hält den Film für misslungen.

Methode funktioniert nicht

Die Auflösung sei unbefriedigend und ergebe keinen Sinn. "Das ist Grundproblem dieses 'Tatorts': Die Methode von Schütte funktioniert nicht, wenn man so eine Verbrechensserie aufklären will." Immer dann, wenn es interessant werde, gehe es nicht weiter. "Schütte ist mit seiner Impro-Methode deshalb im deutschen Fernsehen irgendwann entdeckt worden ist, weil er diese statischen und ziemlich langweiligen und immer gleichen Geschichten dadurch sehr aufgelockert hat." Beim "Tatort" sei sie aber fehl am Platz.

Auch gibt es Unstimmigkeiten in der "Tatort"-Kontinuität, eine Kommissarin wurde umgebracht, obwohl sie noch in einer kommenden Folge vorkommen soll: "Vorher hat man sich nicht überlegt, wie man diese besondere Folge innerhalb der 'Tatort'-Geschichte verorten will", sagt Matthias Dell. "Die Verantwortlichen sollten merken, dass sie pfleglicher mit diesem Format umgehen müssen." 

(leg)

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