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Kompressor | Beitrag vom 29.04.2020

Tagebücher von Jonas Mekas Umtriebiger Chronist der New Yorker Avantgarde

Anne König im Gespräch mit Nana Brink

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Der Filmemacher Jonas Mekas, im Jahr 1950, mit der ersten Bolex Filmkamera. (Archiv Jonas Mekas)
Der Filmemacher Jonas Mekas mit der ersten Bolex Filmkamera im Jahr 1950. (Archiv Jonas Mekas)

Der Filmemacher Jonas Mekas gehörte zu den wichtigen Persönlichkeiten im New Yorker Underground der Nachkriegszeit. Akribisch führte er Tagebuch. Nun ist ein neuer Band seiner Erinnerungen erschienen.

Der Filmemacher und Filmarchivar Jonas Mekas (1922-2019) war ein wichtiger Chronist der New Yorker Avantgarde. In seinen Tagebüchern hat er alles festgehalten: seine persönlichen Erfahrungen und Krisen als Emigrant aus Litauen, die Begegnungen mit unzähligen Persönlichkeiten der New Yorker Subkultur und sogar seine Korrespondenz mit der Steuerbehörde. Jetzt ist ein neuer Band seiner Tagebücher erschienen - er umfasst auf tausend Seiten die Jahre 1950-1969.

Nach einer abenteuerlichen Flucht aus Deutschland und erzwungenem Exil kamen Mekas und sein Bruder 1949 in New York an und blieben dort, berichtet Anne König, die in ihrem Verlag Spector Books seine Bücher herausgibt. Mekas sei von einer unglaublichen Energie getrieben gewesen: "Als er im Exil in Amerika war, wusste er, dass er sein Leben in die Hand nehmen muss."

Der Filmemacher Jonas Mekas mit dem Pop-Art-Künstler Andy Warhol, in seinen Studios "The Factory". (Stephen Shore)Jonas Mekas war mit dem Pop-Art-Künstler Andy Warhol eng verbunden. (Stephen Shore)

Die beiden Brüder hätten sich den Film ausgesucht und ihr Künstlerdasein ohne jede finanzielle Unterstützung begonnen: "Sie hatten eigentlich keine andere Chance." Mekas sei damals schon ein begabter Autor und Filmkritiker gewesen, so König - schließlich nahm er eine zentrale Rolle im New Yorker Underground ein. "Er war da der Motor."

Filmemachen mit Andy Warhol 

"Force of nature" (Naturgewalt) hat der US-Filmemacher Jim Jarmusch Mekas genannt. Seine Energie habe Mekas - so König - an andere Menschen weitergegeben und unglaublich viel auf die Beine gestellt. So habe beispielsweise der Pop-Künstler Andy Warhol von ihm das Filmemachen gelernt.

Sie selbst habe Mekas erst im hohen Alter von über 90 Jahren persönlich kennengelernt und zu seinen Lebzeiten fünf Bücher mit ihm herausgegeben, sagt König. "Er war sehr wichtig für mich, ich habe nie wieder so einen wichtigen Künstler im Programm gehabt."

(gem)

Jonas Mekas: "I seem to live. The New York Diaries, vol. 1, 1950-1969"
Spector Books, Leipzig 2020
1000 Seiten, 38 Euro

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