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Studio 9 | Beitrag vom 10.04.2019

Tag der ProvenienzforschungWeltweite Suche nach Synagogenschätzen

Von Sebastian Mantei

Ansicht des Mauerrestes der ehemaligen Synagoge in Halberstadt. (Imago / Eckehard Schulz)
Mauerreste der Halberstädter Synagoge: Die Wissenschaftler recherchieren auch auf der Basis einer alten Versicherungspolice nach verschwundenen Gegenständen. (Imago / Eckehard Schulz)

Zum ersten Mal findet der Tag der Provenienzforschung statt. Deutschlandweit beteiligen sich 70 Einrichtungen daran – darunter die Moses Mendelssohn Akademie in Halberstadt. Sie sucht nach Gegenständen aus der 1938 geplünderten Synagoge.

Für die beiden Historiker Jutta Dick und Tom Pürschel ist ihr Forschungsprojekt eine Zeitreise in die Vergangenheit. Die beiden suchen nach den einstigen Kultgegenständen der 1938 zerstörten Barocksynagoge. Ziel ist es herauszufinden, welche Objekte im Besitz der Halberstädter Gemeinde waren und wo sie hingelangt sind. Für ihre Suche gibt es nur wenige Dokumente, wie Tom Pürschel erzählt:

"Es gibt eine Versicherungspolice, wo Gegenstände, die wertvoll waren, aufgeführt sind. Da sind Leuchter vor allen Dingen, Chanukka-Leuchter, zwei Stück, ein achtarmiger Leuchter, dieser Hawdala-Leuchter, der einzigartig ist."

Wissenschaftler befragen Zeitzeugen

Neben diesen Quellen helfen auch Akten aus dem Stadtarchiv weiter, um zu klären, was geplündert und was von den NS-Behörden konfisziert wurde.

Außerdem setzen die Wissenschaftler auf Zeitzeugenaussagen wie die von Judith Biran. Die 98-Jährige lebt heute in Tel Aviv und kann sich noch daran erinnern, wie sie am Tag nach der Pogromnacht einen Polizeibeamten nach ihren verhafteten Eltern fragte. 

"Und ich hatte noch in dem Zimmer, wo er saß, einen großen Sack gesehen. Da hat oben ein großer silberner Becher rausgeguckt. Das war der Kaddisch-Becher der Synagoge."

Beamte hatten akribisch das noch vorhandene Inventar der Synagoge auf Listen notiert und einlagern lassen. Das beweist auch eine andere Spur. Sie führt ins Exil des letzten Rabbiners von Halberstadt nach Palästina.

60 Objekte bereits identifiziert

Jizchak Auerbach, der Sohn des Rabbiners, erinnerte sich kurz vor seinem Tod daran, wie sein Vater von den deutschen Behörden überraschend Post bekommen hatte.

"Daraufhin hat er an die deutschen Behörden hier in Halberstadt geschrieben, es sei alles beschlagnahmt worden am 9. November 38. Er als Rabbiner brauche es und alles ist in Israel angekommen – in einem großen Kasten mit Hakenkreuz."

Dass konfisziertes jüdisches Eigentum aus Halberstadt den Weg nach Palästina fand, ist ungewöhnlich. Doch es gab solche Ausnahmen. Jutta Dick versucht deshalb, bei ihren Recherchen auch rückwärts zu suchen.

60 Objekte haben die Wissenschaftler bereits identifizieren können. Einige davon befinden sich in den USA, Israel und auch in Deutschland.

Neben der weltweiten Suche hoffen Jutta Dick und Tom Pürschel aber auch auf einen sogenannten Erstcheck im städtischen Museum Halberstadt. Dabei soll geprüft werden, ob konfiszierte Objekte aus der Synagoge in die Bestände des Museums gelangt sind.

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