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Im Gespräch | Beitrag vom 11.01.2019

Syrischer Flüchtling und Youtuber Firas AlshaterLachen ist eine internationale Sprache

Moderation: Klaus Pokatzky

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Der Youtuber Firas Ashater (Harald Geil)
"Ich zeige Sachen, die es in Deutschland gibt, und die ich in meiner Heimat Syrien nicht gesehen habe"; sagt Firas Alshater. (Harald Geil)

Der Syrer Firas Alshater filmte schon den arabischen Frühling. Er musste sein Land verlassen und wurde nach seiner Flucht zum Youtube-Star. Seine Videos handeln vom Krieg in der Heimat, aber auch von Liebe und Haarpflege in Deutschland.

Wie sieht ein Biomarkt aus? Was um Himmels Willen ist eine Hundeschule? Und wie funktionieren Sex-Shops? Das sind nur einige Fragen, denen Firas Alshater in seinen Youtube-Videos und in seiner Show für das arabische Programm der Deutschen Welle nachgeht. Mit seinen Videos erreicht er hunderttausende User, auch in der arabischen Welt. Dabei stößt er nicht nur auf Verständnis.

"Für viele Menschen ist es unakzeptabel", sagt der 27-Jährige. "Aber ich denke, dass wir mittlerweile im Jahr 2019 leben. Ich zeige Sachen, die es in Deutschland gibt, und die ich in meiner Heimat Syrien nicht gesehen habe. Hier gibt es sie, und ich will sie denen zeigen, die in anderen Ländern leben, und das noch nicht gesehen haben."

Der Syrer kam 2013 als Flüchtling nach Deutschland. Er sagt: "Ich bin in einem Land geboren worden, wo man eigentlich alles machen kann, außer über Politik und Freiheit sprechen."

"Ich habe noch ein ganzes Leben vor mir"

Schon als Jugendlicher wurde Firas Alshater verhaftet, weil er ein T-Shirt der amerikanischen Metal-Band "Metallica" trug. Als er sich nach der Revolution in Syrien politisch engagierte und gegen Präsident Baschar al-Assad auf die Straße ging, landete er für neun Monate im Gefängnis und wurde gefoltert. Seine Eltern kauften ihn schließlich frei. Er musste das Land verlassen.

"Ich habe noch ein ganzes Leben vor mir", habe er sich gesagt, als er nach Deutschland kam. "Es war mir von Anfang an klar, dass es jetzt zwei Wege in mein Leben hier gibt. Entweder würde ich in der Ecke sitzen und Depressionen bekommen und über die Vergangenheit nachdenken oder ich konnte sagen: Was passiert ist, ist vorbei. Ich muss das nutzen, um mich stärker zu machen."

Er lernte Deutsch, machte eine Therapie und fing an, seine Energie in kurze Videos zu stecken. Heute studiert Alshater, der in Damaskus eine Ausbildung zum Schauspieler begonnen hatte, an der Filmhochschule Potsdam. In seinen Youtube-Filmen und in seinen Büchern berichtet Alshater vom Krieg, aber auch vom Leben in Deutschland, von Essen, Freundschaft, Liebe, Haarpflege – und von irrwitzigen Erlebnissen im Dschungel deutscher Bürokratie. Niemals langweilig, nie bierernst.

Der erste Brief in Deutschland: Die Steuernummer

"In Syrien haben wir keine Post. Und die erste Post, die ich hier in Deutschland bekommen habe – was war das? Die Steuernummer! Ich darf nicht arbeiten gehen, aber als erste Post in meinem Leben bekomme ich die Steuernummer."

In Deutschland fühlt er sich mittlerweile zu Hause. Er wolle nicht darauf warten, bis in Syrien Frieden und Freiheit eingezogen seien. "Ich bin jetzt in Deutschland. Ich will jetzt hier beginnen, etwas aus meinem Leben zu machen."

Bücher von Firas Alshater:
"Versteh einer die Deutschen! Firas erkundet ein merkwürdiges Land" (2018) und "Ich komm auf Deutschland zu: Ein Syrer über seine neue Heimat" (2016). Beide veröffentlicht im Ullstein Verlag.

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