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Interview / Archiv | Beitrag vom 27.02.2018

Syrischer Aktivist über Ost-Ghouta"Ich gehe nicht davon aus, dass irgendjemand das Gebiet verlässt"

Omar Sharaf im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Ein Aktivist der "Weißhelme" läuft nach einem Angriff der Regierungstruppen in der syrischen Region Ost-Ghuta durch Trümmer. Hinter ihm steigt Staub auf. (AFP / Abdulmonam Eassa)
Von diesem Dienstag an soll täglich eine fünfstündige Waffenruhe in Ost-Ghuta herrschen - so will es Russland. (AFP / Abdulmonam Eassa)

Belagerung, Aushungern, Bombardements: Das erleben Omar Sharafs Angehörige täglich im Rebellengebiet Ost-Ghouta. Der in Deutschland lebende syrische Aktivist hat eine Forderung an die EU: eine härtere Gangart gegenüber Russland, dem Verbündeten des Assad-Regimes.

Eine 30-tägige Waffenruhe hatte der UN-Sicherheitsrat für Syrien beschlossen. Nun sind auf Ansage Russlands täglich fünf Stunden für Ost-Ghouta daraus geworden – ab diesem Dienstag. Der syrische Aktivist Omar Sharaf, der noch Familienangehörige in der umkämpften Region hat, glaubt nicht, dass Zivilisten in dieser Zeit fliehen werden. Sie würden in Kasernen der syrischen Armee untergebracht, wo untersucht werde, ob sie sich gegen das Regime gestellt hätten. Auf diese Personen warte das Gefängnis.

"Ich gehe nicht davon aus, dass irgendjemand das Gebiet verlässt. Ich glaube, es ist ein Versuch von Russland, sich human zu zeigen."

Omar Sharaf (Deutschlandradio / M. Hucht)Der Syrer Omar Sharaf ist Sprachwissenschaftler und Aktivist. Er stammt aus der Region Ost-Ghuta. (Deutschlandradio / M. Hucht)

Zu sanft mit Russland umgegangen

Deutschland muss aus Sicht Sharafs mehr Haltung im Syrien-Krieg beziehen.

"Ich glaube schon, dass man in den letzten Jahren ein bisschen sanft mit Russland umgegangen ist."

Im Gegensatz dazu habe die Europäische Union im Konflikt um die Ost-Ukraine Sanktionen gegen Moskau verhängt. Was Syrien angehe, so beschließe man etwas, lasse aber stets eine Hintertür offen. So habe Russland die jüngste UN-Resolution auf seine Weise interpretiert. "Da muss man auf jeden Fall zeigen, dass man diese Situation nicht mehr dulden will, nicht mehr dulden darf", sagt Sharaf.

(bth)   

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