Syrische Binnenflüchtlinge

    Stellvertreterkrieg auf Kosten der Menschen

    07:03 Minuten
    Ein Spielzeugpferd liegt vor dem Eingang eines Zeltes im Flüchtlinglager Idomeni, Griechenland.
    Im Flüchtlingslager ist die Angst groß, dass die Hilfe ganz ausbleiben könnte. Das träfe auch die vielen Kinder, die keine Normalität des Alltags mehr kennen. © picture alliance / AP Photo / Darko Bandic
    Nahla Osman im Gespräch mit Ute Welty · 09.07.2021
    Audio herunterladen
    In den syrischen Flüchtlingslagern harren 1,4 Millionen Menschen aus und hoffen auf einen normalen Alltag. Hilfsgüter würden von der syrischen Regierung mit russischer Unterstützung blockiert, kritisiert Nahla Osman, die Nothilfe organisiert.
    Noch gelangen Hilfslieferungen über den Grenzübergang Bab al-Hawa in den Nordwesten Syriens. Doch das UN-Mandat läuft aus, und ob Russland einer Verlängerung zustimmt, ist fraglich. Ein Veto hätte verheerende Folgen:

    Es fehle den Menschen in den Flüchtlingslagern an Lebensmitteln, Medikamenten, aber auch an Covid-19-Impfungen, sagt Nahla Osman, Vorsitzende des Verbandes Deutsch-Syrischer Hilfsvereine. Die Organisationen versuchen, im Land und um Syrien herum zu helfen, und arbeiten dabei mit lokalen Partnern zusammen.


    Rund 1,4 Millionen Menschen harrten seit Jahren in den Zelten der Flüchtlingslager aus und seien auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Jetzt hätten viele Syrer Angst, dass diese ganz ausbleiben könnte. Sie wünschten sich ein wenig Normalität.

    Alle Grenzübergänge sind zu

    "Wir wollen eigentlich helfen, aber wir können nicht mehr, weil alle Grenzen zu sind", sagt Osman. Dadurch komme man an die lokalen Partner nicht mehr heran. Es sei klar, dass sie den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad nicht unterstützen könnten und dass die Hilfsgüter nicht über die Strukturen der Regierung verteilt werden könnten. "Denn wir sehen schon seit elf Jahren, dass er diese Hilfen den bedürftigen Menschen nicht übermittelt."

    Im Nordwesten des Landes lebten rund vier Millionen Menschen, sagt Osman. Darunter seien 2,7 Millionen Binnenvertriebene, vor allem Frauen und Kinder. "Das ist der einzige Ort, wo wir noch offiziell helfen können." Wenn dort der einzige Grenzübergang Bab al-Hawa geschlossen würde, würde man eine sehr große Notlage spüren.

    Verhängnisvolle Rolle Russlands

    Osman kritisiert auch die Rolle Russlands. Es sei sehr traurig, dass sich die EU und die USA von der Kremlführung erpressen ließen. Deutschland sei der größte Geldgeber unter den Organisationen und die Menschen in der Region seien dringend auf Hilfe angewiesen. Es sei deshalb wichtig, alle Grenzübergänge wieder zu öffnen.
    (gem)
    Mehr zum Thema