Sylvester Stallones Gemälde in Hagen

Nachdenkliche Männlichkeit

05:50 Minuten
Der Schauspieler Sylvester Stallone steht vor seinem Bild "Finding Rocky". Er lächelt in die Kamera.
Ein Maler, der zufällig ein Hollywoodstar ist: Sylvester Stallone vor seinem Bild "Finding Rocky" während der Retrospektive am 3. Dezember 2021 im Osthaus Museum in Hagen. © BrauerPhotos / S.Brauer
Von Stefan Keim · 03.12.2021
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Sylvester Stallone ist als starker Mann berühmt geworden, als Rocky. Wenige wissen, dass diese Figur schon lange vor dem Filmskript auf der Leinwand existierte – und zwar von ihm gemalt. Nun sind seine Gemälde im Osthaus Museum in Hagen zu sehen.
Rocky Balboa rennt durch die Straßen von Philadelphia, vorbei an Müllbergen, schäbigen Häusern und Fabriken. Er will sich nach oben kämpfen, treibt seinen Körper und seinen Geist bis zum Letzten. Sylvester Stallone wurde mit diesem Film nicht nur als Schauspieler bekannt. Er bekam die Rolle nur, weil er auch das Drehbuch geschrieben hatte und unbedingt selbst Rocky spielen wollte. Denn es ist auch seine Geschichte, die eines Migrantenkindes aus einfachen Verhältnissen, dem nichts geschenkt wird.

Du und ich und auch sonst keiner kann so hart zuschlagen wie das Leben. Doch der Punkt ist nicht, wie hart einer zuschlagen kann. Es zählt bloß, wie viele Schläge er einstecken kann, und ob er trotzdem weitermacht. Nur so gewinnt man.

Rocky Balboa

Rocky hat Sylvester Stallone sein Leben lang begleitet. Auch in fortgeschrittenen Jahren spielte er die Rolle. Allerdings ist er nun nicht mehr der Held, der selbst in den Ring steigt. Auch in seinen Bildern ist Rocky über Jahrzehnte hinweg präsent.
Stallone malte die Figur, bevor er das Drehbuch schrieb. Auch in späteren Bildern porträtiert er sich oft selbst als Rocky Balboa. „Still fighting“ hat er auf ein Bild aus dem Jahr 2018 geschrieben.

Der geborene Einzelgänger

Die Bilder sind bunt, kraftvoll und expressiv. Aber ist die Ausstellung wirklich die Entdeckung eines bisher in Deutschland unbekannten Malers, der zufällig auch ein Hollywoodstar ist? Oder doch eher ein Mediencoup. Tayfun Belgin, der Leiter des Osthaus Museums, sagt:
„Selbstverständlich beides. Viele Menschen wissen nicht, dass Sylvester Stallone schon vor seiner Leinwandkarriere an Malerei gearbeitet hat. Wir haben einige Werke in der Ausstellung aus dem Jahr 1966. Das war zehn Jahre vor Rocky. Das ist es, was mich begeistert hat, als ich seine Werke zum ersten Mal gesehen habe. Und was jetzt hier in seinem späteren Werk passiert: Diese expressiven Bilder, die wir hier sehen, haben mich umgehauen.“
Eines der Bilder von 1966 heißt „Inferno“. Ein Mann geht einsam auf einer Straße, ein Ziel ist nicht in Sicht. Um ihn herum loderndes Rot und Gelb.
Sylvester Stallone ist nach Hagen gekommen, um seine Kunst zu präsentieren. Als junger Mann, erzählt er, sei er ein geborener Einzelgänger gewesen. Er ging nicht auf Partys, sondern dachte sich Geschichten für Drehbücher aus. Und er malte auch, um Geld zu verdienen.

Schwieriges Verhältnis zum Vater

Fünf US-Dollar kostete damals ein Bild von Sylvester Stallone. Heute ist es ein bisschen mehr, aber solange die Gemälde im Museum hängen, werden sie nicht verkauft.
Die ersten Versuche unternahm Stallone auf Pappschachteln, in denen die Wäsche aus der Reinigung kam. Als er seinem Vater die Bilder zeigte, reagierte der mit dem Satz: „Zur Hölle mit den Zeichnungen! Wo ist meine Wäsche?“
Sylvester Stallone gibt sich selbstironisch und humorvoll, aber dahinter stecken Verletzungen. Das Verhältnis zu seinem Vater war schwierig, die Suche nach Männlichkeitsbildern, auch die Kritik am Heldentum, durchzieht viele Bilder Stallones.
In vielen Filmen hat er knallharte Kerle verkörpert. Aber zum Beispiel im ersten „Rambo“-Film ist das anders. Da spielt Stallone einen zutiefst verstörten Vietnamveteranen.

Das Scheitern ist für ihn der größte Lehrer

In Stallone steckte immer schon mehr als ein Star, der sein Image bedient. Das wird durch den Blick auf seine Bilder besonders klar. Denn er bleibt nicht bei einem Stil, er wechselt, probiert aus, ist oft expressiv, malt aber auch mit Acryl einen tiefschwarzen „Danse macabre“.
Wenn sich Sylvester Stallone zu wohl in einem Stil fühlt, hört er damit auf. Er sucht die Herausforderung, den Zweifel. Das Scheitern sei für ihn der größte Lehrer, sagt er.
Seine aktuellen Bilder sind große Flächen, in denen figürliche Elemente neben abstrakten stehen. Stallone malt spontan, aus der subjektiven Empfindung heraus. Dennoch spürt man seine jahrelange Auseinandersetzung mit anderen Künstlern.

Vorurteile aushalten

Natürlich ist er auf die Frage vorbereitet, ob sein Ruhm als Schauspieler der Wahrnehmung seiner Kunst im Wege steht. Wenn Elvis Presley sich entschieden hätte, Opern zu singen, hätten auch alle gleich gedacht: wie schrecklich.
Vorurteile gehören zur menschlichen Natur, sagt Sylvester Stallone. Er hat gelernt, sie auszuhalten. Wie er vieles gelernt hat.
Dieser vitale 75-Jährige ist eine eindrucksvolle Erscheinung. Einer, der sich wie Rocky zum Erfolg gekämpft hat und dabei offen, kritisch und selbstironisch geblieben ist.

Die Ausstellung "Sylvester Stallone. Retrospektive zum 75. Geburtstag" ist bis zum 20. Februar 2022 im Osthaus Museum in Hagen zu sehen.

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