Swingende Gelehrsamkeit

Johann Sebastian Bach © picture alliance / dpa / 91050/United_Archives/ TopFoto
Moderation: Ulrike Timm · 07.04.2013
In seinen vier Orchestersuiten tritt uns J.S. Bach nicht gegenüber als der lutherische Erzkantor, der für Kantaten und Passionen zuständig war. Bach ist hier verspielt wie selten, probiert die neuesten Moden seiner Zeit aus und komponiert Tanzmusik.
Denn Tänze sind es, die er französischem Vorbild entsprechend an eine festliche Ouverture reiht. Kunstmusik und Tanzmusik treffen in den Orchestersuiten aufeinander und beeinflussen sich gegenseitig. Rhythmischer Esprit und charmante Melodik treffen auf kunstvoll fugierte Passagen in den Eröffnungssätzen, und manchmal wird eine Miniatur zum Hit: Die temperamentvolle Badinerie aus der zweiten oder das stimmungsvolle Air aus der dritten Orchestersuite gingen von Beginn an ins Ohr der Zuhörer, zu Bachs wie zu unserer Zeit.

Die Entstehungsgeschichte der Orchestersuiten ist so wunderbar unordentlich wie manche ihrer Satzfolgen: es gibt keine autographe Partitur, nur Stimmenmaterial, und auch das Entstehungsdatum lässt sich nicht genau fixieren. Mancher Orchestersatz wird mehrfach verwendet und umgeschrieben, je nachdem, welche Instrumentalisten eingesetzt werden können und was gebraucht wird – so wird aus einer Ouverture später eine Festkantate für den Gottesdienst. Und die Tanzsätze der Suiten hat Bach mit seinem Collegium musicum im Kaffeehaus gespielt, rund 600 Konzerte leitete er im Café Zimmermann in Leipzig.

Die vier Orchestersuiten Bachs werden vorgestellt, gespielt von den verschiedensten Interpreten in Aufnahmen von 1936 bis heute.