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Religionen / Archiv | Beitrag vom 20.10.2019

Susanne Schröter: „Politischer Islam“Wenn religiöse Gesetze mehr gelten als weltliche

Susanne Schröter im Gespräch mit Anne Françoise Weber

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Susanne Schröter kommt in das Veranstaltungsgebäude an der Goethe-Universität. (dpa/ Boris Roessler)
Zu wenig Distanz gegenüber Islamisten? Die Ethnologin Susanne Schröter kritisiert, dass dem politischen Islam in Deutschland zuviel Mitsprache eingeräumt werde. (dpa/ Boris Roessler)

Die Ethnologin Susanne Schröter warnt vor der Ausbreitung des politischen Islam in Deutschland. Auch in den großen muslimischen Dachverbänden findet sie teils eine islamistische Ideologie. Den staatlichen Umgang mit ihnen hält sie für naiv.

Politischer Islam sei im Kern demokratiefeindlich, erklärt Susanne Schröter, weil er den Vorrang des religiösen Gesetzes vor dem weltlichen vertrete. Im Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse erklärt sie, warum diese Spielart des Islam besondere Aufmerksamkeit verdiene.

Wie weit reicht der Einfluss der Muslimbrüder?

Schröter zeigt auf, was manche deutschen Moscheevereine mit den ägyptischen Muslimbrüdern oder iranischen Mullahs verbindet, und welche personellen Überschneidungen es zwischen verschiedenen Organisationen gibt. Sie beklagt nicht nur eine Ausbreitung dschihadistischer Ideologie in Deutschland, sondern hält Antisemitismus und Gewaltverherrlichung grundsätzlich für weit verbreitet unter Muslimen.  

Charakteristisch für den politischen Islam ist Schröter zufolge eine Genderordnung, "deren augenfälligste Merkmale eine umfängliche Geschlechtertrennung, ein extremer Patriarchalismus, der partielle oder vollkommene Ausschluss von Frauen aus der Öffentlichkeit und die Fetischisierung der Bedeckung des weiblichen Körpers und Kopfes sind."

Klare Richtlinien für religiöse Jugendarbeit

Schröter konstatiert eine zunehmende Verbreitung dieser Ideologie in muslimischen Milieus in Deutschland und setzt sich für klare Richtlinien besonders in Schulen und bei der Förderung von religiöser Jugendarbeit ein. In ihren Augen wurde über Kooperationen zwischen staatlichen Stellen und großen islamischen Verbänden "dem politischen Islam ein Mitspracherecht bei wichtigen Fragen der gesellschaftlichen Gestaltung eingeräumt".

Über ihre Thesen und Gegenvorschläge diskutiert die Professorin, die vor einigen Monaten eine umstrittene Konferenz über das muslimische Kopftuch veranstaltet hat, mit Anne Françoise Weber.

Susanne Schröter: "Politischer Islam. Stresstest für Deutschland"
Gütersloher Verlagshaus 2019
384 Seiten, 25 Euro

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