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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 10.09.2019

SuizidpräventionWas ein Selbstmord für die Hinterbliebenen bedeutet

Andres Veiel im Gespräch mit Anke Schaefer

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Grableuchte auf einem Grab. Im Hintergrund steht ein Mann. (picture alliance / dpa / Joker)
Bei Suizid haben die Hinterbliebenen - neben der Trauer - auch oft mit Selbstvorwürfen zu kämpfen. (picture alliance / dpa / Joker)

Heute ist Welttag der Suizidprävention. Wir haben mit dem Filmregisseur Andres Veiel gesprochen, der filmisch den Selbstmord dreier Klassenkameraden verarbeitet hat. Wer sich das Leben nimmt, hinterlässt bei denen, die zurückbleiben, "einen Krater", sagt er.

Ein Mensch hat sich das Leben genommen. Eine endgültige Entscheidung, an der Familie und Freunde nichts mehr ändern können. Und die sie mit quälenden Fragen hinterlässt: Was hätte ich tun, wie helfen, womit den Selbstmord verhindern können? Tiefe Schuld- und Schamgefühle bemächtigen sich der Hinterbliebenen, der Suizid wird tabuisiert.

Angehörige wollen den Suizid oft verschleiern

Der Filmregisseur Andres Veiel hat diese Situation persönlich erlebt nach dem Freitod von drei Klassenkameraden. Laut Veiel wollten deren Angehörige den Suizid nicht als solchen benannt wissen. "Die Angst, öffentlich ausgegrenzt zu werden, war so groß, dass sie die Freiheit der eigenen Kinder, sich auf diese Weise zu verabschieden, nicht zugestanden haben - dass sie, wenn man so will, das wegretuschieren wollten."

Er selbst entschied sich für einen anderen Umgang mit dem Thema, wie Veiel im Deutschlandfunk Kultur erzählt: "Ich habe mir als Filmemacher gesagt, so schmerzhaft dieser Verlust auch ist, wir müssen das akzeptieren, dass sie diesen Weg gegangen sind, und ich wollte das herausholen aus dieser Zone von Schuld und Tabuisierung." Das Ergebnis war der Dokumentarfilm "Die Überlebenden" von 1995, in dem Veiel den Selbstmord der Mitschüler verarbeitet.

Um jeden einzelnen Menschen kämpfen

Für den Regisseur heißt das allerdings nicht, Selbstmordgedanken eines nahe stehenden Menschen einfach hinzunehmen. Als seine schwerkranke Mutter ihn gebeten habe, sie in die Schweiz zu bringen (wo Sterbehilfe legal ist, Anm. d. Red.), habe er ihren Wunsch klar abgelehnt. "Meine eigene Zerrissenheit zwischen diesen beiden Haltungen zeigt ja, es geht immer nur um den Einzelfall."

Veiel: "Ich glaube, es ist wichtig, um jeden Menschen in jeder Siuation zu kämpfen, dass er von dieser Entscheidung Abstand nimmt." Man müsse demjenigen, der diese Entscheidung treffen will, auch klar machen, was er anderen Menschen damit antut: "Das ist ganz wesentlich, wenn man deutlich macht - es ist nicht nur eine Entscheidung für Dich, sondern Du hinterlässt mit dieser Entscheidung einen Krater, Du zerstörst Menschen, die weiterleben."


Hilfsangebote für Menschen mit Depressionen, Suizidgefährdete und ihre Angehörigen: Wenn Sie sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befinden, zögern Sie nicht, Hilfe anzunehmen. Hilfe bietet unter anderem die Telefonseelsorge in Deutschland unter 0800-1110111 (kostenfrei) und 0800-1110222 (kostenfrei).

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