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Interview | Beitrag vom 25.03.2020

Suche nach Medikamenten gegen Corona Umwidmungen von Wirkstoffen als Chance

Martin Mair im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Eine Mitarbeiterin am Institut für Virologie der technischen Universität München (TUM) pipettiert in einem Labor einen Ansatz zum Proteinnachweis. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)
Weil die Erforschung eines Impfstoffs gegen Covid-19 ein bis zwei Jahre dauern könnte, setzen einige Forscher jetzt auf Medikamente, die eigentlich gegen andere Krankheiten entwickelt wurden. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)

Einige Medikamente sind Zufallsfunde: Viagra etwa war ursprünglich als Herzmittel konzipiert. Auch gegen Corona hofft man auf einen solchen Effekt: Derzeit würden vorhandene Mittel wie Chloroquin auf ihre Wirksamkeit geprüft, sagt unser Redakteur Martin Mair.

US-Präsident Donald Trump preist es bereits als Wundermittel gegen Covid-19 an, doch Mediziner und Wissenschaftler sind skeptisch und warnen, was den Einsatz der Medikamente Chloroquin oder Hydroxychloroquin gegen das Coronavirus angeht.

Es seien vor allem zwei große Gruppen von Wirkstoffen, in die derzeit besondere Hoffnungen gesetzt würden, sagt unser Wissenschaftsredakteur Martin Mair. Da sei einmal das Malariamittel Chloroquin, das zu den antiviralen Mitteln gehöre. Diese Medikamente könnten gegen eine Vermehrung der Viren wirken und verhindern, dass sie in die Lungenzellen eindringen. Dort löse das Coronavirus eine Lungenentzündung aus, die zum Tod führen könne. Ein anderes Mittel sei Remdesivir, das gegen Ebola entwickelt wurde und noch nie auf den Markt gekommen sei, aber jetzt für den Einsatz gegen das Coronavirus getestet werde.

Zufallsfunde der Forschung 

Das "Repurposing" sei in der Forschung üblich. Das heißt, ein Medikament werde im Einsatz gegen eine Krankheit getestet und dabei stelle sich heraus, dass es gegen etwas anderes hilft. "Dann widmet man den Einsatz um", sagt Mair. Berühmtestes Beispiel dafür sei der Wirkstoff  Sildenafil, der als Herzmittel getestet wurde und dann als "Viagra" bei Erektionstörungen ab 1989 zum Einsatz kam. "Das war ein Zufallsfund." In der Coronakrise würden jetzt vorhandene Wirkstoffe systematisch erprobt.  

Der Vorteil sei, dass diese Wirkstoffe bereits in klinischen Studien getestet wurden und man vielleicht Zeit sparen könne. Von der Idee bis zu einem marktreifen Medikament vergingen sonst durchschnittlich 14 Jahre. "So lange wollen wir nicht warten", sagt Mair. Bei bereits erforschten Wirkstoffen sei die Frage nach möglichen Nebenwirkungen bereits zu beantworten. Es sei aber kein Selbstläufer, denn die Wirkung müsse dennoch untersucht werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlage deshalb vor, die vorhandenen Studien stärker zu bündeln.

Gleichzeitig werde auch an einem Impfstoff geforscht, sagt Mair. Aber das werde nach Aussage von Virologen ein bis zwei Jahre dauern. Es sei aber denkbar, dass ein Medikament für die schweren Erkrankungen am Coronavirus schneller da sei als der Impfstoff.

(gem) 

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