Suche nach dem giftigen Molekül
Menschliche Zellen zu zerlegen und ihr Inneres zu erforschen, das gehört zu den Leidenschaften der Biochemikerin und Molekularbiologin Lisa Münter. In ihrer Doktorarbeit veröffentlichte sie neue Erkenntnisse zu den Ursachen der Alzheimer-Krankheit. Für ihre Promotion wird sie mit dem Förderpreis für Nachwuchswissenschaftlerinnen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet.
"Wir arbeiten immer mit diesen Plastikhütchen Eppendorfgefäße, da ist so ein kleiner Rotor, dann stellt man das rein und dann wird die Flüssigkeit nach unten geschleudert … wir machen meistens die Zellen kaputt und schauen dann, was passiert ist ..."
Tiegel, Schläuche, Flaschen, Glaskolben, Reagenzgläser drängen sich auf den Ablagen über den Arbeitsplätzen im Labor des Instituts für Biochemie an der Freien Universität Berlin – dort, im Schein der Neonlampen, hat Lisa Münter in den vergangenen Jahren viele Stunden zugebracht.
In den benachbarten Räumen lagern hinter gepanzerten Türen, gut gekühlt, Zelllinien in Petrischalen, unscheinbare, zähe Flüssigkeiten. Mit menschlichen Zellen geht die Biochemikerin wohl längst so selbstverständlich um wie mit den Regenwürmern, die sie früher zum Entsetzen ihrer Mutter mit nach Hause brachte. Ihr heutiger Arbeitsplatz hat mit dem Reich ihrer Kindheit nicht mehr viel zu tun. Damals war das der große Garten, in dem das Haus ihrer Eltern stand.
"Meine Oma hat da immer Stangenbohnen, Buschbohnen und Johannisbeeren und alles mögliche angebaut und geerntet, das hat mir immer viel Spaß gemacht, mit dem Spaten durch den Garten und mit der Erde da rumspielen."
Aus dieser Zeit hat sie sich vielleicht ihre natürliche, bodenständige Art und die gesunde Gesichtsfarbe bewahrt. Sie hat eine schlanke, sportliche Figur, leicht gewellte kurze nussbraune Haare und klare, blaue Augen. Die fast 30-jährige Lisa Münter ist die zweite von vier Geschwistern. Sie wuchs in Darmstadt auf. Ihr Vater ist Ingenieur, die Mutter hat ein Examen in Biologie und Physik. Wenn Lisa Münter von ihrer Familie spricht, dann hört sich das nach viel Geborgenheit an. Einer der besonders glücklichen Momente, an die sie sich erinnern kann war …
"… wenn der Papa abends beim Skifahren Kaiserschmarrn gekocht hat."
Nach dem Abitur hat sie zwischen verschiedenen naturwissenschaftlich ausgerichteten Fächern geschwankt. Längst ist sie froh, dass sie bei der Biochemie gelandet ist.
"Diese nervigen Kinder, die immer fragen warum, warum, warum. Bei der Biochemie bin ich eigentlich immer ganz zufrieden, weil man fragt so lange, warum funktioniert das so und so, bis man wirklich auf einer molekularen Ebene ist."
Durch ihre Doktorarbeit stieß die Biochemikerin und Molekularbiologin zu einer Arbeitsgruppe, in der unter anderem über die Alzheimer Erkrankung geforscht wird. Im Zentrum ihres Forschungsinteresses steht ein Eiweißmolekül, ein sogenanntes Peptid, das extrem giftig ist und dazu führt, dass Nervenzellen im Gehirn absterben. Lisa Münter hat herausgefunden, wie dieses giftige Eiweißmolekül entsteht.
"Das ist nämlich in dem Moment, wenn sich zwei von den Vorläuferproteinen sehr nah einander lagern und paarweise in der Zelle sitzen, in dem Moment entsteht viel von diesem giftigen Eiweißmolekül. Verändere ich aber dieses Strukturmotiv, dann liegen diese Moleküle nicht mehr so nah beieinander. Die gehen alleine durch die Zelle und dann entsteht weniger von dem giftigen Molekül. Und daraus kann man sich eine Idee für eine Therapie, aber auch für eine Diagnostik in der Alzheimerkrankheit ableiten. Das ist das, wofür ich den Preis der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften bekomme."
Mehr als drei Jahre hat Lisa Münter experimentiert, bis sie und auch ihr Professor Gerd Multhaupt sich ihrer Sache sicher waren. Neben ihrer Promotion hat sie Studenten unterrichtet. Viel Zeit für ein Privatleben blieb da nicht. Selbst ihre Vorliebe fürs Fotografieren kam in den vergangenen Jahren zu kurz.
"Nein, ich bin wirklich sehr gerne im Labor und habe da Spaß und deswegen gibt es wenige andere Hobbys, man kann vielleicht dazu meinen Mann zählen, ich bin ja auch immer froh, wenn ich abends mit ihm koche oder ins Kino gehe. Das klingt eigentlich total bescheuert, Laborratte geht mit ihrem Mann ins Kino."
Auch wenn Lisa Münter so gar nicht wie eine vom Ehrgeiz getriebene Laborratte wirkt. Sie ist erfolgreich in dem Fach, in dem die weltweite wissenschaftliche Konkurrenz besonders hart ist. Ihre Forschungsergebnisse konnte sie inzwischen in einer renommierten Fachzeitschrift veröffentlichen und auf internationalen Konferenzen vorstellen.
"Die Resonanz kommt von der Konkurrenz, wenn wir sie bekommen, ist es gut. Ich habe da zwei verschiedene Fachgebiete verknüpft und das haben andere Forscher zum Beispiel jahrelang nicht gesehen, dass man da eine Verknüpfung herstellen kann, da ist immer ne Mischung aus ... na das ist ja wohl ein bisschen peinlich, dass das andere Leute noch nicht gesehen haben."
Und da gibt es doch noch eine Leidenschaft, die die Biochemikerin in den letzten Jahren entdeckt hat: Das Motorradfahren.
"Das ist ne tolle Sache, man ist auf zwei Rädern unterwegs, hat seine Nase an der frischen Luft, wird als Verkehrsteilnehmer ernst genommen."
Sie hat ihr Motorrad auch schon mal auf den afrikanischen Kontinent verschifft und ist mit Freunden von Marokko aus durch die Wüste nach Gambia gefahren.
"Das war das gescheiteste, was ich je angestellt habe in den letzten 30 Jahren."
Ihre nächste Reise plant sie schon – nach Australien. Diesmal steht allerdings nicht das Motorradfahren im Mittelpunkt. In Melbourne möchte sie bei einem internationalen Alzheimer Forschungsprojekt einsteigen.
Tiegel, Schläuche, Flaschen, Glaskolben, Reagenzgläser drängen sich auf den Ablagen über den Arbeitsplätzen im Labor des Instituts für Biochemie an der Freien Universität Berlin – dort, im Schein der Neonlampen, hat Lisa Münter in den vergangenen Jahren viele Stunden zugebracht.
In den benachbarten Räumen lagern hinter gepanzerten Türen, gut gekühlt, Zelllinien in Petrischalen, unscheinbare, zähe Flüssigkeiten. Mit menschlichen Zellen geht die Biochemikerin wohl längst so selbstverständlich um wie mit den Regenwürmern, die sie früher zum Entsetzen ihrer Mutter mit nach Hause brachte. Ihr heutiger Arbeitsplatz hat mit dem Reich ihrer Kindheit nicht mehr viel zu tun. Damals war das der große Garten, in dem das Haus ihrer Eltern stand.
"Meine Oma hat da immer Stangenbohnen, Buschbohnen und Johannisbeeren und alles mögliche angebaut und geerntet, das hat mir immer viel Spaß gemacht, mit dem Spaten durch den Garten und mit der Erde da rumspielen."
Aus dieser Zeit hat sie sich vielleicht ihre natürliche, bodenständige Art und die gesunde Gesichtsfarbe bewahrt. Sie hat eine schlanke, sportliche Figur, leicht gewellte kurze nussbraune Haare und klare, blaue Augen. Die fast 30-jährige Lisa Münter ist die zweite von vier Geschwistern. Sie wuchs in Darmstadt auf. Ihr Vater ist Ingenieur, die Mutter hat ein Examen in Biologie und Physik. Wenn Lisa Münter von ihrer Familie spricht, dann hört sich das nach viel Geborgenheit an. Einer der besonders glücklichen Momente, an die sie sich erinnern kann war …
"… wenn der Papa abends beim Skifahren Kaiserschmarrn gekocht hat."
Nach dem Abitur hat sie zwischen verschiedenen naturwissenschaftlich ausgerichteten Fächern geschwankt. Längst ist sie froh, dass sie bei der Biochemie gelandet ist.
"Diese nervigen Kinder, die immer fragen warum, warum, warum. Bei der Biochemie bin ich eigentlich immer ganz zufrieden, weil man fragt so lange, warum funktioniert das so und so, bis man wirklich auf einer molekularen Ebene ist."
Durch ihre Doktorarbeit stieß die Biochemikerin und Molekularbiologin zu einer Arbeitsgruppe, in der unter anderem über die Alzheimer Erkrankung geforscht wird. Im Zentrum ihres Forschungsinteresses steht ein Eiweißmolekül, ein sogenanntes Peptid, das extrem giftig ist und dazu führt, dass Nervenzellen im Gehirn absterben. Lisa Münter hat herausgefunden, wie dieses giftige Eiweißmolekül entsteht.
"Das ist nämlich in dem Moment, wenn sich zwei von den Vorläuferproteinen sehr nah einander lagern und paarweise in der Zelle sitzen, in dem Moment entsteht viel von diesem giftigen Eiweißmolekül. Verändere ich aber dieses Strukturmotiv, dann liegen diese Moleküle nicht mehr so nah beieinander. Die gehen alleine durch die Zelle und dann entsteht weniger von dem giftigen Molekül. Und daraus kann man sich eine Idee für eine Therapie, aber auch für eine Diagnostik in der Alzheimerkrankheit ableiten. Das ist das, wofür ich den Preis der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften bekomme."
Mehr als drei Jahre hat Lisa Münter experimentiert, bis sie und auch ihr Professor Gerd Multhaupt sich ihrer Sache sicher waren. Neben ihrer Promotion hat sie Studenten unterrichtet. Viel Zeit für ein Privatleben blieb da nicht. Selbst ihre Vorliebe fürs Fotografieren kam in den vergangenen Jahren zu kurz.
"Nein, ich bin wirklich sehr gerne im Labor und habe da Spaß und deswegen gibt es wenige andere Hobbys, man kann vielleicht dazu meinen Mann zählen, ich bin ja auch immer froh, wenn ich abends mit ihm koche oder ins Kino gehe. Das klingt eigentlich total bescheuert, Laborratte geht mit ihrem Mann ins Kino."
Auch wenn Lisa Münter so gar nicht wie eine vom Ehrgeiz getriebene Laborratte wirkt. Sie ist erfolgreich in dem Fach, in dem die weltweite wissenschaftliche Konkurrenz besonders hart ist. Ihre Forschungsergebnisse konnte sie inzwischen in einer renommierten Fachzeitschrift veröffentlichen und auf internationalen Konferenzen vorstellen.
"Die Resonanz kommt von der Konkurrenz, wenn wir sie bekommen, ist es gut. Ich habe da zwei verschiedene Fachgebiete verknüpft und das haben andere Forscher zum Beispiel jahrelang nicht gesehen, dass man da eine Verknüpfung herstellen kann, da ist immer ne Mischung aus ... na das ist ja wohl ein bisschen peinlich, dass das andere Leute noch nicht gesehen haben."
Und da gibt es doch noch eine Leidenschaft, die die Biochemikerin in den letzten Jahren entdeckt hat: Das Motorradfahren.
"Das ist ne tolle Sache, man ist auf zwei Rädern unterwegs, hat seine Nase an der frischen Luft, wird als Verkehrsteilnehmer ernst genommen."
Sie hat ihr Motorrad auch schon mal auf den afrikanischen Kontinent verschifft und ist mit Freunden von Marokko aus durch die Wüste nach Gambia gefahren.
"Das war das gescheiteste, was ich je angestellt habe in den letzten 30 Jahren."
Ihre nächste Reise plant sie schon – nach Australien. Diesmal steht allerdings nicht das Motorradfahren im Mittelpunkt. In Melbourne möchte sie bei einem internationalen Alzheimer Forschungsprojekt einsteigen.