Modellprojekt "Housing First" für Frauen

„Ich habe in meiner eigenen Wohnung wieder tiefen Schlaf“

37:15 Minuten
Eine Frau steht in ihrer Wohnung an einem Fenster.
Das „Housing First“-Prinzip: Die oberste Priorität ist die Versorgung wohnungsloser Menschen mit eigenem Wohnraum, ohne Vorbedingungen. © picture alliance / dpa / Fabian Sommer
Von Charlotte Weinreich · 02.01.2022
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Obdachlose Frauen ohne Umwege eigenen Wohnraum verschaffen: Das hat sich die Berliner Initiative "Housing First" auf die Fahnen geschrieben. Es ist europaweit das erste Modellprojekt seiner Art. Paul_a berichtet, wie es ist, wieder in eigenen vier Wänden zu leben.
Wohnen ist ein zentrales Grundbedürfnis und ein Menschenrecht, so steht es in Artikel 11 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Eine eigene Wohnung bedeutet nicht nur Sicherheit und Zuflucht, sondern auch einen geschützten Ort für die persönliche Entfaltung und Identitätsentwicklung zu haben. Das gilt insbesondere für Frauen.
Dennoch sind in Deutschland schätzungsweise 64.000 Frauen wohnungslos. Allein in Berlin leben an die 15.000 Frauen ohne Obdach. Auf der Straße müssen sie sich nicht nur vor Übergriffen schützen, sondern sind durch Abhängigkeits- und Gewalterfahrungen oft gesundheitlich vorbelastet.

Frauen sind besonders schutzbedürftig

2018 startete der Sozialdienst katholischer Frauen in Berlin das erste frauenspezifische "Housing First"-Projekt in Europa. Das Modell funktioniert nach dem allgemeinen "Housing First"-Prinzip: Oberste Priorität ist die Versorgung wohnungsloser Menschen mit eigenem Wohnraum, ohne Vorbedingungen.
Danach werden die Betroffenen aber nicht alleingelassen, ihnen steht begleitend ein Beratungs- und Unterstützungsangebot zur Seite. In drei Jahren konnte das Projekt 40 obdachlosen Frauen den Weg zurück in die eigene Wohnung ermöglichen.

Alles wird selbstbestimmter

Housing First für Frauen in Berlin ist nicht nur offen für Cis-Frauen, sondern auch für Menschen, die sich nicht eindeutig als Frau identifizieren. Paul_a Singer, die_der eigentlich anders heißt, bezeichnet sich als nicht-binär und nimmt an dem Modellprojekt teil. Nach Jahren auf der Straße kann Paul_a dadurch wieder selbstbestimmt in einer eigenen Wohnung leben.
Seit sie_er nicht mehr in Notunterkünften unterkommen muss, hat sich viel verändert. Niemand außer ihr_ihm selbst entscheidet, wann es Zeit zum Aufstehen oder Essen ist. Vor allem hat Paul_a in den eigenen vier Wänden tiefen und erholsamen Schlaf - ohne die „tägliche Sorge um das Morgen“ ist das endlich wieder möglich.

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