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Interview / Archiv | Beitrag vom 05.04.2018

Studium ohne Abitur "Ein Weg zu mehr Chancengerechtigkeit"

Sigrun Nickel im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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Studenten sitzen an Tisch in Universitätsbibliothek, Blick von oben. (imago / Artur Cupak)
Büffeln in der Bibliothek - ein Studium ist auch möglich auf dem "dritten Bildungsweg". (imago / Artur Cupak)

Seit 2010 kann man bundesweit auf dem dritten Bildungsweg studieren, ganz ohne Abitur. Auch wenn diese Menschen bisher erst wenige Prozent der Studierendenschar ausmachen: Das Angebot ist wichtig, meint Sigrun Nickel vom Centrum für Hochschulentwicklung.

57.000 Menschen in Deutschland studieren ohne Abitur, das sind 2,6 Prozent aller Studierenden. Seit 2010 gibt es die Möglichkeit, mit einem qualifizierenden Berufsabschluss und Berufserfahrung an die Uni zu gehen - der sogenannte dritte Bildungsweg - und die meisten, die das in Anspruch nehmen, studieren Jura, BWL oder Ingenieurswissenschaften. 

Damit das gelingen kann, sollten sich die Studierwilligen vorab ein paar Gedanken machen, rät Sigrun Nickel, Leiterin des Bereichs Hochschulforschung beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE): "Geht das vom familiären Umfeld her, wird das mitgetragen, kann ich das finanziell stemmen und man sollte sich dann ganz genau überlegen, welche Form des Studiums die richtige ist." Dazu gehöre auch, sich darüber klarzuwerden, ob man tatsächlich Uni-Luft schnuppern wolle oder ob es primär um den Abschluss gehe, den man vielleicht auch per Fernstudium erlangen könne. "Inzwischen gibt es in den Bundesländern Hochschulen, die es als Chance sehen, Angebote für diese Zielgruppe zu machen", sagt Nickel. 

Die meisten studieren fachnah

Solche Angebote stellen auch eine echte Chance für Menschen dar, die aus Nicht-Akademiker-Haushalten kommen. "Das ist ein Weg zu mehr Chancengerechtigkeit", sagt sie. Denn es werde klar: ich kann mich auch in einer späteren Lebensphase noch weiterbilden. "Es ist aus meiner Sicht auch ein stückweit eine Aufwertung für die berufliche Bildung", sagt sie. "Denn es wird nun offensichtlich, dass man auch über die berufliche Bildung Studierfähigkeit erlangen kann." 

Den Fachkräftemangel verschärften solche Angebote aber nicht, zum Beispiel indem Handwerker an die Uni anstatt auf die Baustelle gingen. "Die meisten dieser Menschen studieren fachnah, um ihre beruflichen Chancen zu verbessern", sagt Nickel. "Die wenigsten nutzen das, um sich noch einmal grundsätzlich umzuorientieren."

(inh)

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