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Kompressor | Beitrag vom 28.01.2020

Studio Ghibli bei NetflixVom Zauber moderner Märchen

Dinah Zank im Gespräch mit Timo Grampes

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Chihiro reitet auf dem Flugdrachen Haku. (Imago / United Archives)
Für "Chihiros Reise ins Zauberland" gewann Hayao Miyazaki 2003 einen Academy Award für den Besten Animationsfilm. (Imago / United Archives)

Fast alle Filme des Animestudios Ghibli werden in Zukunft bei Netflix zu sehen sein. Eine Japanologin erklärt, warum Zeichentrickfilme wie "Prinzessin Mononoke" weltweit begeistern. Ein Unterschied zu Disney: Ghibli setzt bewusst auf Handarbeit.

Netflix steht unter Druck: Der Start von Disneys Streamingservice rückt auch in Deutschland näher. In diesem Wettbewerb ist Netflix ein kleiner Coup gelungen: Der Anbieter hat sich fast alle Filme des japanischen Animestudios Ghibli gesichert und stellt sie in den kommenden Wochen nach und nach online: "Chihiros Reise ins Zauberland", "Prinzessin Mononoke" und viele mehr.

Das Studio Ghibli habe in Japan in etwa den Stellenwert, den bei uns Disney habe, so die Japanologin Dinah Zank. Die Geschichte des Animationsstudios reiche zurück bis in die 80er-Jahre. Es handle sich um Filme, die alle Generationen begeisterten, und Studiogründer Hayao Miyazaki gelte weltweit als einer der besten Regisseure von Animationsfilmen.

Moderne Märchen

"Viele der Filme basieren auf einer Art modernem Märchen", sagt Zank. Es sei oft ein Mix aus japanischer Folklore und internationalen Settings. Man wisse als Zuschauer oft nicht, in welchem Land ein Film spiele, gleichzeitig gebe es viele Anklänge an Europa. Tatsächlich sei Hayao Miyazaki insbesondere für seine früheren Filme nach England gereist, habe dort die Landschaft studiert und anschließend die Filme danach gestaltet.

Der bekannteste unter den Ghibli-Filmen sei der vielfach ausgezeichnete "Chihiros Reise ins Zauberland" von Hayao Miyazaki. In Japan und im allgemeinen Konsens der Kritik werde er zwar nicht als bester Miyazaki–Film gehandelt. Aber er präsentiere "eine Art Wunderland, das man noch nicht kennt" und er sei "unglaublich gut recherchiert".

Mensch und Natur in Einklang bringen

Ein zentrales Motiv in den Filmen von Studio Ghibli sei das Verhältnis von Mensch und Natur, ergänzt um Geisterwesen und Götter, erklärt die Japanologin. Ghibli-Filme thematisierten sehr oft die Ausbeutung der Natur durch den Menschen und wie ein Kompromiss gefunden werden könnte.

Ein typischer Ghibli-Film sei zudem "sehr ergreifend", so Zank. "Es ist eine gewisse Melancholie in diesen Filmen, die aber auch immer mit Aufbruch verbunden ist." Das Mitreißende der Filme, glaubt die Japanologin, basiere auf der Kombination aus einer tragischen Ausgangssituation mit einer positiven Grundstimmung.

Fast alles entsteht in Handarbeit

Ein wichtiger Unterschied zu Disney sei die Animationstechnik. "Bei Studio Ghibli wird fast alles noch von Hand gezeichnet", erklärt Zank. Das könne ein Grund sein, "warum man so nostalgisch darauf reagiert". Dinge würden bei Ghibli nur dann mit Computeranimation oder 3-D-Animation wiedergegeben, wenn sie nicht anders per Hand darstellbar seien. "Wir werden keinen Film finden, in dem mehr als 200 Szenen computeranimiert sind."

Die klassische Handarbeit sehe man den Filmen an – etwa an ihrer 2-Dimensionalität. Figuren würden sich auch viel mehr von links nach rechts, und weniger in den Raum hinein bewegen. "Das ist eine ganze andere Sehgewohnheit, als wenn man sich aktuelle Disney-Filme anguckt."

(jfr)

Fazit

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