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Interview / Archiv | Beitrag vom 22.02.2018

Studie zu psychischen ErkrankungenDepression verkürzt die Lebenserwartung

Ulrich Hegerl im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

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Ein Mensch im Dunkeln. (Unsplash.com/Benjamín Castillo)
Acht Prozent der Bevölkerung erkranken jedes Jahr an einer behandlungsbedürftigen Depression. (Unsplash.com/Benjamín Castillo)

Um rund zehn Jahre verkürzt sich die Lebenserwartung bei depressiven Menschen, sagt Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Laut einer Studie nimmt die Erkrankung vor allem bei Studierenden zu.

Laut einer Studie der Barmer Ersatzkasse ist die Zahl der Depressionserkrankungen unter jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) zwischen 2005 und 2016 um 76 Prozent gestiegen. In der Studie heißt es:

"Im Jahr 2016 waren schätzungsweise etwa 557.000 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren von einer Depression betroffen."

Während bei Nichtstudierenden die Zahl nach Vollendung des 25. Lebensjahres sinke, "wächst das Risiko für Depressionen bei Studierenden – ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau im Alter von 18 Jahren – mit zunehmendem Alter erheblich und steigt im Alter von 29 und 30 Jahren deutlich über das Risiko der Nichtstudierenden", heißt es in der Studie weiter.

Mehr Menschen holen sich Hilfe

Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, findet die Zahlen wenig überraschend:

"Wir wissen eigentlich schon immer, dass Depressionen häufig sind, bloß früher wurden sie oft nicht diagnostiziert und die Menschen haben sich keine Hilfe geholt. Das ist jetzt besser geworden und deswegen werden mehr Menschen diagnostiziert und hatten dann offiziell eine Depression."

(imago / Tom Maelsa)Der Leipziger Psychiater Ulrich Hegerl (imago / Tom Maelsa)

Insgesamt habe es also keine Zunahme der Depressionshäufigkeit gegeben, so Hegerl weiter, nur mehr Betroffene holten sich Hilfe.

"Wir haben keine Zunahme der Depressionen wegen größerem Stress, dafür gibt es keinerlei Hinweise, sondern die Depressionen sind heute so häufig wie vor 10 oder 20 Jahren."

Keine Befindlichkeitsstörung

Kleinzureden sei die Krankheit aber trotzdem nicht:

"Depression ist ein Riesenproblem. Das ist eine der häufigsten und schwersten Erkrankungen, die wir haben in Deutschland. Wenn Sie die Diagnose Depression haben, dann ist Ihre Lebenserwartung im Durchschnitt um zehn Jahre verkürzt – nur um mal zu zeigen, dass das nicht eine Befindlichkeitsstörung ist, das ist ja oft eine Verwechslung, die da stattfindet, dass man das mit Stress oder Überarbeitung in Verbindung bringt."

Innerhalb eines Jahres erkranken 8 Prozent der Bevölkerung an einer behandlungsbedürftigen Depression, sagt Hegerl. Deshalb sein Rat:

"Wenn man merkt, es fällt mir alles unglaublich schwer, ich kann mich über nichts mehr freuen, ich hab keinen Appetit mehr, ich kann nicht mehr schlafen, bin permanent angespannt, und die Lebensqualität ist komplett im Keller, dann ist eigentlich klar, dann muss man zum Arzt gehen und schauen, was dahinter steckt. Und es kann eben eine Depression sein."

(abu)

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