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Interview | Beitrag vom 02.12.2020

Studie über Cybermobbing an SchulenDie Würde unserer Kinder steht auf dem Spiel

Uwe Leest im Gespräch mit Dieter Kassel

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 Digitales Mobbing. Symbolaufnahme am 16.01.2018 in Düsseldorf Mobiltelefon mit WhatsApp - Gesprächsverlauf zum Thema Schülermobbing. Symbolfoto. Foto: Revierfoto Foto: Revierfoto/Revierfoto/dpa (picture alliance / dpa | Revierfoto)
Beleidigen, ausgrenzen, demütigen: Viele Kinder leiden unter Cybermobbing. (Symbolbild) (picture alliance / dpa | Revierfoto)

Um mehr als ein Drittel ist die Zahl der Cybermobbingfälle seit 2013 gestiegen. Das belegt eine neue Studie. Uwe Leest, Vorsitzender des Bündnisses gegen Cybermobbing, wirft der Gesellschaft schwere Versäumnisse bei der Prävention vor.

In Deutschland sind etwa zwei Millionen Schülerinnen und Schüler von Cybermobbing betroffen. Das reicht von persönlichen, verletzenden Nachrichten an die Betroffenen bis hin zur Veröffentlichung von Nacktfotos oder heimlich gefilmten Alltagssituationen im Netz, die das Mobbingopfer demütigen oder diffamieren.

Ort der Herabwürdigung sind in der Regel Social-Media-Kanäle oder Messengerdienste. Aus einer aktualisierten Neuauflage der Studie "Cyberlife III: Spannungsfeld zwischen Faszination und Gefahr. Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern" geht hervor, dass die Fallzahlen seit der ersten Studie (2013) um 36 Prozent gestiegen sind.

Das Problem ist die Anonymität der Täter

Für diese dritte empirische Bestandsaufnahme wurden im Auftrag des Bündnisses gegen Cybermobbing erneut Eltern, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler befragt. Demnach lässt sich auch während der ersten Coronawelle im Frühjahr eine Zunahme feststellen.

Eines der größten Probleme beim Cybermobbing ist für den Bündnisvorsitzenden Uwe Leest die Anonymität der Täter. "Das ist ein großer Treiber dabei. Das heißt: Ich weiß nicht, wer dahintersteckt – und wie will ich jetzt an den Täter kommen? Der Täter selbst wird nicht sanktioniert. Er wird durch seine Taten noch beflügelt und bestärkt in seinem Tun", betont Leest. "Die Täter können fleißig weitermachen, ohne dass sie mit Strafe rechnen müssen."

Die Prävention kommt zu kurz

Die Situation werde zudem dadurch noch verschärft, dass die Prävention in den zurückliegenden Jahren nachgelassen habe, betont der Experte. Deshalb sei die Zunahme der Fälle nur eine logische Konsequenz.

"Wir dürfen die Würde unserer Kinder den Tätern nicht zum Fraß vorwerfen", sagt Leest. "Wir müssen uns der Diskussion stellen, was wir in den letzten Jahren leider nicht getan haben." Dazu gehöre auch, die schützende Anonymität im Netz infrage zu stellen.

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Für den Bündnisvorsitzenden ist klar: Die Eltern der jugendlichen Täter tragen eine große Verantwortung. Verschiedene Studien zeigten immer wieder deutlich, "dass das Thema Respekt und Werte offenbar nicht mehr so sehr vermittelt wird". Die Befragungen ergeben zugleich, dass sich Eltern und Lehrkräfte von der digitalen Welt, in der sich Kinder und Jugendliche bewegen, oft überfordert fühlen.

(mkn)

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