Seit 01:05 Uhr Tonart

Donnerstag, 28.05.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Studio 9 | Beitrag vom 08.01.2016

Studie des DGB zu unter 35-JährigenFast ein Drittel arbeitet ohne Festanstellung

Von Johannes Kulms

Podcast abonnieren
Ein Mann liest in der Agentur für Arbeit in Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt) in einer Broschüre zur Berufsausbildung.  (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
Ein Mann liest in der Agentur für Arbeit in Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt) in einer Broschüre zur Berufsausbildung. (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)

Für junge Menschen ist der deutsche Arbeitsmarkt ein unsicheres Pflaster. Nach einer neuen Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sind fast ein Drittel der unter 35-Jährigen atypisch beschäftigt - das bedeutet: in Leiharbeit, befristet oder mit einem Minijob. Bei den unter 25-Jährigen ist die Situation sogar noch gravierender.

Gerade für junge Menschen ist die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt unsicher, sagt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Rund 28 Prozent aller unter 35-Jährigen sind laut einer Umfrage des DGB atypisch beschäftigt.

Haggenmiller: "Also in Leiharbeit, befristet beschäftigt sind oder in einem Mini-Job."

Sagt Florian Haggenmiller, Bundesjugendsekretär des DGB. Deutlich höher liegt der Anteil den unter 25-Jährigen – hier gelten rund 46 Prozent als atyptisch beschäftigt.

Knapp jeder sechste Arbeitnehmer unter 35 Jahre befindet sich in einem befristeten Arbeitsverhältnis. Das habe Auswirkungen auf den Berufsalltag, so Haggenmiller.

"Und wir haben festgestellt, dass die Arbeitsbelastung sehr hoch ist und die Arbeitsqualität durchaus noch zu steigern wären."

Der Umfrage zu Grunde liegt eine Sonderauswertung der Studie "DGB-Index Gute Arbeit". Die Angaben von 1382 Beschäftigten unter 35 Jahren wurden dabei unter die Lupe genommen. Auch deren Einkommen.

30 Prozent der Befragten verdienen monatlich mehr als 2500 Euro Brutto. Aber mit 31 Prozent müssen fast genauso viele mit einem Gehalt von unter 1500 Euro auskommen. Kein Wunder, dass zwei von drei Befragten angeben, ihre spätere Rente nur für knapp oder gar nicht ausreichend zu halten. Das könne nicht angehen in einer Gesellschaft, in der immer mehr immer älter werden, so der DGB-Bundesjugendsekretär Haggenmiller:

"Da brauchen wir junge Menschen... Und daher finden wir, dass zwingend eine Veränderung her muss."

Befristete Beschäftigung sei eine Verlängerung der Probezeit

61 Prozent der Beschäftigten würden regelmäßig Überstunden machen. Seit den Hartz-Reformen sei der Einstieg in den Beruf unsicherer und prekärer geworden, so der DGB. Dass die Politik nun die Reglementierung von Leiharbeit und Werkverträgen angehe sei ein guter Schritt, so Haggenmiller. Aber das reiche nicht:

"Es muss eine sinnvolle und gute Bezahlung stattfinden. Man muss 'ne Perspektive aufgezeigt bekommen."

Wolf: "Schon der Begriff atypisch ist völlig falsch und an der Sache vorbei. Es gibt keine atypische Beschäftigung."

Sagt Roland Wolf, Geschäftsführer der Abteilung Arbeits- und Tarifrecht bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, kurz BDA.

"Es gibt keine atypische Beschäftigung, wie der DGB sie benutzt..."

Und diese befristeten Arbeitsverhältnisse seien ein Beschäftigungsmotor, so Wolf, und böten gerade jungen Menschen einen Einstieg in den Arbeitsmarkt.

"75 Prozent auch danach verlängert und über 40 Prozent sogar unbefristet beschäftigt."

Eine befristete Beschäftigung werde heute häufig als verlängerte Probezeit gesehen, sagt Carina Sperber, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Wichtig sei, was danach geschehe.

Mehr zum Thema

Arbeitsmarkt 2015 - Arbeitslosigkeit auf niedrigstem Stand seit 24 Jahren
(Deutschlandfunk, Die Nachrichten, 05.01.2016)

Resozialisierung oder Ausbeutung? - Häftlinge streiten für Mindestlohn und Rente
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 04.01.2016)

Flüchtlinge - Tarifexperte gegen Aufhebung des Mindestlohns
(Deutschlandfunk, Interview, 29.12.2015)

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur