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Fazit / Archiv | Beitrag vom 17.03.2018

Streit um polnisches Holocaust-GesetzEine neue Geschichtspolitik

Sabine Adler im Gespräch mit Britta Bürger

Das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in einer Aufnahme vom Januar 2018 (picture alliance/PAP/Jacek Bednarczyk )
Das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau (picture alliance/PAP/Jacek Bednarczyk )

Wer Polen eine Mitverantwortung für nationalsozialistische Verbrechen zuschreibt, dem drohen künftig bis zu drei Jahre Haft. Auch deshalb steht das polnische Holocaust-Gesetz international in der Kritik. In Polen fand dazu nun eine Tagung statt.

Wer Polen eine Mitverantwortung für nationalsozialistische Verbrechen zuschreibt, dem drohen künftig bis zu drei Jahre Haft - so sieht es das neue polnische Holocaust-Gesetz vor. Der Gesetzgeber wolle damit die Debatte über eine polnische Mittäterschaft bei der Judenverfolgung im Keim ersticken, sagen Kritiker dieses Vorstoßes, zu denen auch Israel und die Ukraine zählen. Vor diesem Hintergrund treffen sich an diesem Wochenende mehr als 50 Historiker in der Internationalen Jugendbegegnungstätte in Auschwitz zu einer Tagung, die Sabine Adler für Deutschlandfunk Kultur beobachtet hat.

Immenser Druck auf das Auschwitz-Museum

Sie berichtet, dass die Mitarbeiter im Auschwitz-Museum einem immensen Druck ausgesetzt seien. Von einem Hass-Ansturm im Internet ist die Rede. Angeblich beschäftigte sich die Gedenkstätte zu sehr mit den Juden als Opfergruppe. Das polnische Leid hingegen fände zu wenig Beachtung.

Auch das Jüdische Museum in Warschau, das sich der Geschichte der polnischen Juden widmet, steht in der Kritik: Es stelle Polen angeblich zu negativ dar. Aktuell thematisiert das Museum das Jahr 1968 mit einer Ausstellung. In diesem Jahr gab es in Polen eine antisemitische Hetzjagd, in Folge derer 13.000 polnische Juden das Land verlassen haben.

Ein innerpolnischer Konflikt

Sabine Adler hält den Konflikt um das Holocaust-Gesetz trotz der internationalen Kritik vor allem für einen innerpolnischen Konflikt: Die Regierung beanspruche die Deutungshoheit über Geschichtsinterpretation und Erinnerungskultur. Die polnische Zivilgesellschaft stellt sich dem entgegen.

Die Teilnehmer der Konferenz, vor allem Mitarbeiter von Gedenkstätten, sind unzufrieden mit der aktuellen Entwicklung des Geschichtsbildes. Sie kritisieren, dass nun nicht mehr davon gesprochen werden dürfe, dass es polnische Kollaborationen mit den Nazis gegeben habe und auch Polen Verbrechen an Juden begangen hätten.

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68 - Europa auf den Barrikaden (3/5) - Polen - schwierige Geschichte
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Szczepan Twardoch: "Der Boxer" - Tragische Schicksale im Zwischenkriegs-Polen
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 25.01.2018)

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