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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.01.2017

Strawinsky und Ravel an der Komischen Oper BerlinWilder Flug durch Abenteuerwelten

Von Uwe Friedrich

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Das dritische Künstlerkollektiv „1927“ inszeniert an der Komischen Oper Berlin „Petruschka“ von Igor Strawinsky und Maurice Ravels Oper „L’enfant et les sortilèges“. (Iko Freese / drama-berlin / Komische Oper)
Das dritische Künstlerkollektiv „1927“ inszeniert an der Komischen Oper Berlin „Petruschka“ von Igor Strawinsky und Maurice Ravels Oper „L’enfant et les sortilèges“. (Iko Freese / drama-berlin / Komische Oper)

Nach ihrem Erfolg mit der "Zauberflöte" kehrt das britische Künstlerkollektiv "1927" an die Komische Oper Berlin zurück: Sie inszenieren das Ballett "Petruschka" von Strawinsky und Ravels Oper "L’enfant et les sortilèges" - holen dafür Zirkusartisten auf die Bühne: witzig und verblüffend.

Ein ausgeprochener Hang ins Sadistische verbindet das Ballett "Petruschka" von Igor Strawinsky und Maurice Ravels Oper "L’enfant et les sortilèges" ("Das Kind und der Zauberspuk"): Ein brutaler Puppenmeister quält den traurigen Clown Petruschka und seine beiden Gefährten so lange, bis diese eine turbulente Flucht über den Jahrmarkt wagen; das namenlose Kind verhält sich gegen seine Umwelt so lange rücksichtslos, bis die Dinge sich an ihm rächen. Die surrealen Geschehnisse beider Stücke sind ein gefundenes Fressen für das Künstlerkollektiv "1927" um Suzanne Andrade, Esme Appleton (beide Regie) und Paul Barritt (Filmanimationen).

Die britischen Künstler haben mit ihrer filmisch aufgepeppten "Zauberflöte" für einen internationalen Hit gesorgt, der inzwischen auf weite Reisen gegangen ist und überall für ausverkaufte Häuser sorgt. Eigentlich wollten die drei keine Oper mehr inszenieren, aber Intendant Barrie Kosky hat so lange nicht locker gelassen, bis die richtige Kombination gefunden war, um sie wieder an die Komische Oper Berlin zu locken.

Karussellfahrten, Riesenkatzen, Fledermäuse

Wie schon in der "Zauberflöte" agieren auch an diesem Abend die Darsteller vor einer Projektionswand, werden von riesigen Katzen verfolgt, fliegen auf einer rasanten Karussellfahrt durch die Luft, hängen wie Fledermäuse auf dem Kopf oder fliegen durch Abenteuerwelten. Für das Ballett "Petruschka" haben die Macher sich drei Zirkusartisten auf die Opernbühne geholt, die dort akrobatische Kunststücke vollführen, die Opernsänger schon aus Sicherheitsgründen nicht ausführend dürften, während in der Ravel-Oper einige der Sänger gleich in die Seitenlogen verbannt wurden und ihre Stimmen den Zeichentrickfiguren leihen.

Ein unterhaltsamer Opernabend

Paul Barritts Bildeinfälle sind pittoresk und dekorativ, häufig sehr witzig und immer wieder verblüffend. Es fehlt ihnen allerdings jene sadistische Schärfe, die in den Stücken durchaus vorkommt. Gemeinsam mit dem Dirigenten Markus Poschner und einem überzeugenden Sängerensemble – stellvertretend seien Nadja Mchantaf als trotziges, aber letztlich doch liebenswertes Kind und Talya Liebermann als gefährlich flirrendes Koloratur-Feuer genannt – gelingt ein unterhaltsamer Opernabend, der auch im koproduzierenden Düsseldorfer Opernhaus ein begeistertes Publikum finden wird.

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