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Konzert / Archiv | Beitrag vom 24.06.2021

Strawinsky-Festival des RSBStefan Kaminski in der Soldatenhaut

Moderation: Stefan Lang

Stefan Kaminski reißt in einer dunklen Umgebung seine Arme ruckartig in die Höhe. (imago / POP-EYE / Bauchspiess)
Stefan Kaminski ist ein Stimmenwandler von großem Format. (imago / POP-EYE / Bauchspiess)

Im letzten Teil des Strawinsky-Festivals erzählen Musiker vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und Stefan Kaminski die "Geschichte vom Soldaten" von Igor Strawinsky. Der Soldat verkauft dem Teufel seine Geige für großen Reichtum, verliert aber seine Liebe.

Mitten im Ersten Weltkrieg sitzt Igor Strawinsky 1917 mit seiner Familie in der Schweiz fest. In Russland hat er alles verloren: Haus und Tantieme – seine Erfolge der Ballette "Der Feuervogel" und "Frühlingsopfer" bringen ihm keine finanzielle Grundsicherung mehr, denn die Verlage bezahlen nichts an einen Komponisten, der sich ins Ausland abgesetzt hat. 

Doch Strawinsky findet in der Schweiz schnell wieder Boden unter den Füßen. Besonders freundet er sich mit dem Schriftsteller Charles Ferdinand Ramuz an, mit dem er ein Schauspiel entwirft, das sich auf die aktuelle Situation bezieht und sich zügig auf kleinen Wanderbühnen realisieren lässt. 

Geige gegen Börsenbuch

Drei weitere Rollen tauchen in der Geschichte um den Soldaten auf: der Erzähler, der Teufel und die Königstochter. Alle Rollen übernimmt in diesem Konzert Stimmakrobat Stefan Kaminski. Sieben Musiker bietet Strawinsky für die keck-herbe Begleitung der dramatischen Verwicklung.

Der Soldat auf Heimurlaub will seine Liebste in der Heimat treffen, gerät auf der Reise aber an den Teufel, der ihm einen verführerischen Tausch anbietet: die alte Wandergeige gegen ein Buch, das Börsenkurse voraussagt und damit unermesslichen Reichtum ermöglicht. Der arme Soldat steigt darauf ein und lehrt den Teufel binnen dreier Tage das Spielen auf den vier Saiten. Doch die Tage entpuppten sich, nachdem der Soldat weitergezogen ist, als Dreijahresfrist.

Unsere Mikros, Ihre KonzerteAls er zu Hause ankommt, gilt er als fahnenflüchtig und wird weder von Mutter noch Braut erkannt. Zudem muss er bitter feststellen, dass seine Liebste bereits verheiratet ist. 

Geld macht nicht glücklich

Ihm bleibt der Börsenreichtum, doch der macht ihn nicht glücklich. Stattdessen möchte er mit seinem Geigenspiel die kranke Prinzessin heilen, von der er erfahren hat. Auf der Reise zu ihr trifft er erneut auf den Teufel. Als dieser betrunken ist, spielt der Soldat mit ihm um seine alte Geige und gewinnt.

Doch er darf nicht mehr in seine Heimat zurück. Mit seinem Geigenspiel kann er die Prinzessin schließlich heilen und sie kommen zusammen. Nach einiger Zeit kehrt der Soldat aber doch in seine Heimat zurück. Dort wartet der Teufel bereits auf ihn. An dieser Stelle bricht die Handlung ab und es bleibt offen, ob der Soldat dem Teufel freiwillig in sein Reich folgt.

Igor Strawinsky
‚L’histoire du soldat‘ (Die Geschichte vom Soldaten)

für Klarinette, Fagott, Kornett, Posaune, Schlagzeug, Violine, Kontrabass und Sprecher
Text frei nach Charles Ferdinand Ramuz und der Anthologie russischer Volksmärchen von Alexander Afanassiew

Stefan Kaminski, Sprecher

Musiker des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin:
Christoph Korn, Klarinette
Sung Kwon You, Fagott
Florian Dörpholz, Kornett
Hannes Hölzl, Posaune
Kosuke Yoshikawa, Violine
Ahassim Gazale, Kontrabass
Jakob Eschenburg, Schlagzeug

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