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Rang I | Beitrag vom 27.02.2021

Strategien gegen den Corona-BluesMit dem Avatar am Strand spazieren gehen

Von Laura Naumann

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Werbeplakat für Albert Robin Cognac illustriert vom Plakatkünstler Leonetto Cappiello um 1910. Es zeigt einen bunten Vogel auf einem Cognac-Fass. (imago images / KHARBINE-TAPABOR / Leonetto Cappiello)
Bei den Durchhaltetipps in der Coronakrise darf der Alkohol nicht fehlen. Es gibt allerdings auch den Rat: "Kein Alkohol!" (imago images / KHARBINE-TAPABOR / Leonetto Cappiello)

"Im Notfall: Cognac." Kolumnistin Laura Naumann hat im Bekanntenkreis Tipps gesammelt, wie sich der Lockdown durchstehen lässt. Möglichkeiten gibt es viele: von die Decke über den Kopf ziehen bis sich in den DHL-Boten verlieben.

Alles ist so lange her. Und ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr mensch in der Lage ist, sich zu gewöhnen, sich einzurichten im Suboptimalen und zu tun, was getan werden muss – Brote schmieren, Zähne putzen, Euros ranschaffen – und wie sehr dennoch das Vermissen bleibt.

Das einjährige Pandemie-Jubiläum nähert sich und den aktuelle Zustand von "alles zu, alle zu Hause" halten wir inzwischen seit vier Monaten aus. Den meisten Menschen fehlen nicht nur Karstadt und C&A, sondern vor allem auch Kultur, Zusammensein, Austausch, Berührung und Tapetenwechsel.

Ich bin oft in Situationen, in denen sich erzählt wird, was man "früher" an Freitagabenden gemacht hat oder in denen jemand über etwas, was eigentlich komplett alltäglich und fast schon banal scheint, sagt: "Heute? Undenkbar!". Und natürlich lachen dann alle, weil Humor ja bekanntlicherweise hilft. Aber irgendwie ist es auch schräg, dass ich mir gerade wirklich nicht vorstellen kann, jemals wieder mit dreißig fremden Leuten in einer winzigen Sauna zu sitzen. Oder ohne Maske einen Supermarkt zu betreten. Und was war nochmal ein "Club"?

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Aber weil das nicht schon wieder eine Klage-Kolumne werden soll, habe ich für diese Ausgabe eine aufheiternde Umfrage gestartet. Ich habe Leute gebeten, mir zu verraten, was ihre Tricks, Life-Hacks und positiven Selbstverarschungs-Strategien sind, mit denen sie sich diese langen Lockdown-Monate erträglicher, unterhaltsamer und leichter gestalten. Folgende Zuschriften habe ich erhalten:

"Ich bestelle mir jede Woche ein Buch in meiner Buchhandlung, und style mich dann, um es abzuholen, als würde ich zum Beispiel ins Theater gehen."

"Wenn ich was im Internet bestelle, dann ausschliesslich so, dass DHL liefert, weil ich in den Paketboten verliebt bin!"

"Ich tue derzeit so, als ob ich in Einzelhaft bin"

"Donnerstags ist Kneipentour. Wir holen uns jede zwei bis drei Desperados am Späti, die wir verstohlen unter den Mänteln verstauen und schlendern durch die Stadt. Vor den dunklen Kneipenfenstern stehend, erzählen wir uns unsere Lieblingserinnerungen an gemeinsame Abende in den Bars, an denen wir vorbeikommen. Freitags ist dann immer hart, weil ordentlich Kater."

"Ich spiele mit einem Freund ein Online-Fantasy-Game. Und seitdem ich entdeckt habe, dass es sehr viel Strandlandschaft gibt in dem Spiel, logge ich mich regelmäßig alleine ein und mache mit meinem Avatar Strandspaziergänge. Keine Kämpfe, keine Missionen, einfach nur: Am Strand entlang und Muscheln sammeln."

"Ich tue derzeit so, als ob ich in Einzelhaft bin. Wenn ich dann doch jemanden treffe, ist das wie Hafturlaub."

"Ich ziehe mir manchmal eine Hose an. Das sorgt für Abwechslung und gibt den Tagen Kontur."

"Wenn ich meine Wohnung nicht mehr sehen kann, zieh ich mir die Decke über den Kopf und mach, was ich als Kind immer gemacht hab: Ich stell mir vor, ich wäre in einer Höhlenlandschaft oder zelten."

"Musicals, Musicals, Musicals"

"Musicals, Musicals, Musicals. Ich hab neulich beim Abwaschen zwanzig Mal hintereinander 'Seasons of Love' gehört - und mitgeschmettert natürlich!"

"Im Notfall: Cognac", schreibt jemand und jemand anderes schreibt: "Kein Alkohol." Jemand fliegt täglich mit einem Flight Simulator, dessen Bild er mit dem Beamer an die Wand wirft, an die abgelegendsten Orte der Welt und hört dabei Musik. Jemand schwört darauf, inspiriert von Marina Abramovic, alltägliche Dinge, wie zum Beispiel Frühstücken, in Zeitlupe zu tun und damit die Quarantäne-Zeit zu verkürzen.

Jemand verlängert das Wochenende auf vier Tage. Jemand hat alle Türgriffe in der Wohnung gegen Türgriffe, wie es sie in dänischen Ferienhäusern gibt, ausgetauscht - für instant Urlaubsfeeling bei jedem Raumwechsel. Einige Leute haben mit dem Baden in Eiswasser oder Eisbergen begonnen und viele mit Rollsportarten.

Ich verbringe im Moment viel Zeit auf einer Seite namens imissmybar.com, auf der man sich die Soundkulisse seiner Lieblingskneipe zusammenstellen kann, mit wöchentlich wechselnder Playlist. Kann ich sehr empfehlen. Währenddessen ist auch schon Frühling geworden.

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