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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 22.05.2016

Stichwahl des BundespräsidentenÖsterreich vor ungewisser Zukunft

Von Ralf Borchard

Sie sehen den ehemaligen Grünen-Chef van der Bellen und FPÖ-Kandidat Hofer. (picture-alliance / dpa / Christian Bruna)
In Österreich kommt es zur Stichwahl zwischen dem ehemaligen Grünen-Chef Alexander Van der Bellen (l.) und dem FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer. (picture-alliance / dpa / Christian Bruna)

Am heutigen Sonntag wählen die Österreicher ihren Bundespräsidenten. Der unabhängige Van der Bellen tritt gegen FPÖ-Mann Norbert Hofer an, der das Duell mit markigen Worten kommentiert.

In Österreich gilt diese Wahl schon jetzt als historisch. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wird weder ein Kandidat der sozialdemokratischen SPÖ noch der konservativen ÖVP in die Hofburg einziehen. Die Kandidaten der beiden Traditionsparteien scheiterten im ersten Wahlgang mit jeweils 11 Prozent. Jetzt heißt es: Blau gegen Grün, der Kandidat der rechtspopulistischen FPÖ, Norbert Hofer, gegen den früheren Parteichef der Grünen, Alexander Van der Bellen, der offiziell als Unabhängiger antritt.

"Einer von uns wird das Gesicht Österreichs nach außen sein."

… sagt der 72-jährige Wirtschaftsprofessor Van der Bellen, der von zahlreichen Prominenten aus Kultur und Politik unterstützt wird, von André Heller bis zum neuen SPÖ-Kanzler Christian Kern:

"Ich wähle Alexander Van der Bellen."

Im Wahlkampf hat Van der Bellen für eine weiter offene Flüchtlingspolitik plädiert und vor allem mit der Ankündigung für Aufsehen gesorgt, er werde als Präsident keinen FPÖ-Kanzler vereidigen, selbst wenn die FPÖ bei der nächsten Parlamentswahl stärkste Partei wird.

"Schickeria" versus "Volk"

Van der Bellen: "Ich bin tatsächlich der Meinung, dass die österreichischen Interessen nicht gut vertreten sind, wenn dauernd phantasiert wird von einem Austritt aus der EU, einer ständigen Schwächung der EU, der Wiedererrichtung der alten Grenzen."

Favorit in dieser Stichwahl ist allerdings der Präsidentschaftskandidat der FPÖ, der 45-jährige Norbert Hofer. Dem Vorwurf, die FPÖ sei fremdenfeindlich, entgegnet er mit den Worten:

"Was wir jetzt erleben in Österreich, ja – da werden Frauen vergewaltigt, da werden Frauen erschlagen, während die Grünen sagen, Grenzen auf für alle und 'Refugees welcome', ohne festzustellen, dass wir die Falschen ins Land geholt haben."

Immer wieder hat Hofer im Wahlkampf die Formel wiederholt, Van der Bellen sei abgehoben, stehe nur für die "Schickeria", wie Hofer sagte, er selbst stehe für "die Österreicher":

"Sie haben die Haute Volée – und ich hab' die Menschen."

"Es könnte noch sehr ungemütlich werden"

Umfragen wurden zuletzt nicht mehr veröffentlicht, zu sehr lagen die Meinungsforscher vor dem ersten Wahlgang daneben. Dieser Mann hat vor vier Wochen die unabhängige Richterin Irmgard Griss gewählt, die nur auf Platz drei kam:

"Wir sind deklarierte Griss-Wähler und wir schauen jetzt nicht, wer der bessere Kandidat, sondern wer das geringere Übel von beiden ist."

Die Chefredakteurin der Tageszeitung der Standard Alexandra Föderl-Schmid betont: Wird Norbert Hofer in die Hofburg gewählt, wird sich für die Regierung und auch die EU-Partner Entscheidendes ändern:

"Wenn tatsächlich der FPÖ-Kandidat an die Macht kommt, und das was er angekündigt hat, nämlich ein starker Bundespräsident zu sein und seine Befugnisse, die ihm auf dem Papier gegeben sind, wirklich ausüben will, sprich, dass er auch eine Regierung auch entlassen wird, dann könnte es schon noch sehr ungemütlich werden für die Demokratie in diesem Land."

Studio 9

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