Sternzeichen mit Uraufführung

Tonhalle Düsseldorf © Tomas Riehle
07.10.2011
Die Einfassung, die Mahler in diesem Konzert erfährt, fordert zum Neuhören heraus. Der unglücklich verliebte Kasseler Kapellmeister begegnet dem hochfahrenden, drastisch begabten jungen Prokofjew und dem abgeklärten alten Oskar Gottlieb Blarr, der von Liebe und Krieg,
Ewigkeit und Vergänglichkeit berichtet.
"Wenn ich in den Himmel seh’, seh’ ich zwei blaue Augen stehn", singt Gustav Mahlers "fahrender Geselle" im gleichnamigen Orchesterliederzyklus. Vor lauter unglücklicher Liebe sieht der Wanderer weder Sonne noch Sterne, sondern immer nur die Augen der verlorenen Geliebten am Himmel. Gustav Mahler schrieb diesen seinen ersten Zyklus von Orchesterliedern unter dem Eindruck der eigenen unglücklichen Liebe zur Sängerin Johanna Richter.

Ein unbestechlich klares Auge für die Himmelskörper und ihre Gesetzmäßigkeiten dagegen hatte der große ostpreußische Gelehrte Nicolaus Copernicus, den Oskar Gottlieb Blarr ins Zentrum seiner siebensätzigen Copernicus-Sinfonie stellt, die als Auftragswerk der Tonhalle zur Uraufführung kommt. Neben einem großen und exotisch besetzten Instrumentarium kommen in der Sinfonie des gebürtigen Ostpreußen Blarr zwei Gesangs-Solisten, der Düsseldorfer Musikverein und der Jugendchor der Clara Schumann Musikschule zum Einsatz.

Auf seine Weise nach den Sternen griff seinerzeit auch der 23-jährige Sergej Prokofjew, als er sich traute, in seiner Klavierabschlussprüfung gegen 120 Konkurrenten mit seinem eigenen ersten Klavierkonzert anzutreten, um den begehrten Rubinstein-Preis in Gestalt eines kostbaren Flügels auch tatsächlich zu gewinnen.

Oskar Gottlieb Blarr war und ist eine der Galionsfiguren des Düsseldorfer Musiklebens und längst selbst ein Stück Musikgeschichte. Bis 1999 versah er vierzig Jahre sein Amt als Organist und Kantor der Neanderkirche, daneben wirkte er als Komponist und nimmermüder Vorkämpfer und Vermittler des Zeitgenössischen. Inzwischen ist Blarr – nach wie vor rastlos aktiv im Unruhestand – fünfzig Jahre lang in Düsseldorf als Musiker tätig. Im letzten Jahr wurde im Rahmen des Altstadtherbstes sein "Himmelfahrtsoratorium" uraufgeführt. Nun hat er im Auftrag der Tonhalle seine vierte Sinfonie komponiert.

Die Düsseldorfer Symphoniker spielen unter der Leitung des jungen polnischen Dirigenten Lukasz Borowicz, der jüngst beim Schleswig-Holstein Musik Festival und mit dem Konzerthausorchester
Berlin große Erfolge feierte.
www.tonhalle.de


Live aus der Tonhalle Düsseldorf


Gustav Mahler
Lieder eines fahrenden Gesellen

Sergej Prokofjew
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 Des-Dur op. 10

ca. 21:10 Uhr Konzertpause mit Nachrichten
Das 6. Internationale Düsseldorfer Orgelfestival
Von Oliver Cech
Musikstadt Düsseldorf - Oskar Gottlieb Blarr im Gespräch

Oskar Gottlieb Blarr
Sinfonie Nr. 4 "De revolutionibus orbium coelestium"
Nicolaus Copernicus in honorem
(Uraufführung)


Nikolai Tokarew, Klavier
Konrad Jarnot, Bariton
Evelyn Krahe, Alt
Städtischer Musikverein zu Düsseldorf
Jugendchor der Städtischen Musikschule
Düsseldorfer Symphoniker
Leitung: Lukasz Borowicz