Seit 21:30 Uhr Einstand
Montag, 27.09.2021
 
Seit 21:30 Uhr Einstand

Kompressor | Beitrag vom 07.06.2021

Stephen Kings "Lisey's Story" als SerieNur etwas für knallharte Fans

Maren Haffke im Gespräch mit Massimo Maio

Die Schauspielerin Julianne Moore schwimmt im nebligen Wasser neben Schilf und Seerosen. (Apple TV+)
Von Erinnerungen verfolgt: Julianne Moore in "Lisey's Story“. (Apple TV+)

Um einen schweren Unfall zu verarbeiten, schrieb Stephen King 2006 den Roman "Lisey's Story" über die Witwe eines Bestsellerautors. Apple TV+ hat daraus eine Serie gemacht - die Medienwissenschaftlerin Maren Haffke hat sie nicht überzeugt.

Stephen King ist über Generationen hinweg extrem populär und erfolgreich. Immer wieder sind Bücher des US-amerikanischen Autors verfilmt worden. So jetzt auch sein Buch "Lisey's Story" (deutsche Ausgabe: "Love"), das er 2006 nach einem schweren Unfall geschrieben hatte. Im Roman wie auch in der Serie geht es um die Frau eines verstorbenen Bestsellerautors. 

Ein Herzensprojekt des Autors

Die Serie sei ein Herzensprojekt des Autors, daher sei die Story für Fans bestimmt interessant, sagt Medienwissenschaftlerin Maren Haffke. Stephen King selbst habe den Roman "Lisey's Story" als eines seiner liebsten und persönlichsten Bücher bezeichnet. Er schrieb den Roman nach einem sehr schweren Autounfall, bei dem er beinahe ums Leben gekommen wäre. Auch wenn die Geschichte nicht direkt autobiografisch gelesen werden könne, so Haffke, so spiele sie doch mit der Möglichkeit der Verwechslung von Autor und Protagonist.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Stephen King habe zur Serie auch das Drehbuch geschrieben und freie Hand bei der Umsetzung gehabt. Ob er damit allerdings gut beraten gewesen sei, bezweifelt Maren Haffke: "Man ist ja manchmal mit sich selbst nicht so streng, wenn einem ein Projekt am Herzen liegt." So würden sich die "extrem hochwertig produzierten" acht Serienstunden wie 36 Stunden anfühlen, sagt die Medienwissenschaftlerin.

Dunkle Seite eines vertrauten Ehemanns

In der Geschichte räumt Witwe Lisey, laut Haffke " wieder großartig" gespielt von Julianne Moore, zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes Scott dessen Nachlass auf. Durch Flashbacks erfährt man, dass die Beziehung der Eheleute von einer großen Nähe geprägt war, aber auch von einer dunklen Seite und einer psychischen Erkrankung ihres Mannes.

Eine Frau und ein Mann sitzen an einen Baum gelehnt und unterhalten sich. (Apple TV+)Die Harmonie von Lisey (Julianne Moore) und Scott (Clive Owen) täuscht. Peu à peu erfährt man auch von den Untiefen ihrer Beziehung. (Apple TV+)
Zur Geschichte kommt noch ein obsessiver Fan ihres Mannes hinzu, der Lisey bedroht und stalkt. Damit habe man eine "Interpretation einer toxischen Fankultur, die vor allem Misogynie sucht und sexuelle Pathologie zu finden scheint", erklärt Maren Haffke. Und dieser Umstand sei durchaus gut beobachtet. Der Stalker in der Serie wird von Schauspieler Dane DeHaan verkörpert, und heute würde man solch einen Mann als Incel-Killer bezeichnen, also ein unfreiwillig zölibatär lebender Frauenmörder und Frauenhasser.

Problematische Darstellungen

Mit der "verharmlosenden" Darstellung der psychischen Erkrankung hat Maren Haffke allerdings ihre Probleme. So werde eine "unbehandelte psychische Erkrankung als Quelle von Kreativität romantisiert oder als dämonische Besessenheit ins Groteske überführt".

Auch die Rolle der Witwe sei schwierig. Sie werde als sorgende und aufopfernde Ehefrau eines genialen Mannes skizziert. Darüber hinaus erfahre man aber nichts über sie als Person. "Lisey's Story" sei in Wahrheit die Lebensgeschichte ihres Mannes.

Insgesamt sei die Serie etwas "für knallharte King-Fans, die gefühlt 72 Stunden Lebenszeit vor dem Bildschirm verbringen möchten", meint Maren Haffke. "Allen anderen empfehle ich einen Spaziergang an der frischen Luft - und Zeit mit den eigenen Lieben zu verbringen".

(jde)

Mehr zum Thema

DC-Horror-Reihe von Joe Hill - Das Gruseln ist zurück
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 12.05.2021)

Stephen King: „Erhebung“ - Ein hochpolitisches Weihnachtsmärchen
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 29.11.2018)

Joyce Carol Oates: "Pik-Bube" - Eine Hommage an Stephen King
(Deutschlandfunk Kultur, Frühkritik, 15.06.2018)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Fazit

50. Art BaselEin nachgeholtes Jubiläum und mehr Ruhe
Auf zwei Holzbooten sind übergroße schwarz-weiß Porträts angebracht. (Art Basel)

Die 50. Art Basel hätte eigentlich letztes Jahr stattfinden sollen. Nun läuft sie, und immer noch ist Corona ein Thema: Nur wenige Sammler aus Amerika und Asien sind zugegen. Die Messe fühle sich an wie vor 15 Jahren, so die Kritikerin Elke Buhr.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur