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Konzert / Archiv | Beitrag vom 23.06.2020

Steffen Schleiermacher in LeipzigWahlverwandtschaften

Moderation: Olaf Wilhelmer

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Mitglieder und Freunde der Groupe des Six, fotografiert auf dem Eiffelturm: Germaine Tailleferre, Francis Poulenc, Arthur Honegger, Darius Milhaud, Jean Cocteau und Georges Auric (v.l.n.r.) (imago images / Leemage)
Mitglieder und Freunde der Groupe des Six, fotografiert auf dem Eiffelturm: Germaine Tailleferre, Francis Poulenc, Arthur Honegger, Darius Milhaud, Jean Cocteau und Georges Auric (v.l.n.r.) (imago images / Leemage)

Paris und Wien in den 20er-Jahren. Zwei Gruppen geben bei jungen Komponisten den Ton an: die Groupe des Six und die Zweite Wiener Schule. Ein musikalischer Streifzug mit dem Pianisten Steffen Schleiermacher.

Sie bildeten Gruppen oder gar Schulen, obwohl sie sehr verschieden waren und man manchmal nicht so genau wusste, wer eigentlich dazugehörte: Die Groupe des Six und die Zweite Wiener Schule haben die Musik des 20. Jahrhunderts besonders bereichert und beeinflusst. Ihre Komponisten werden in zwei Leipziger Konzerten vorgestellt.

Blick auf Familienbanden

Auf musikalische Familien wird in Leipzig großen Wert gelegt, schließlich lebt die Stadt auch heute noch vom Mythos ihres einstigen Thomaskantors Johann Sebastian Bach. Dessen Familie gehört zu den größten Phänomenen musikalischer, ja überhaupt kreativer Vererbung schlechthin.

Das Thema "Familie" sollte in diesem Jahr einen Schwerpunkt des Leipziger Bach-Festes bilden – aus naheliegenden Gründen wurde in den vergangenen Corona-Wochen nichts daraus, aber zuletzt gab es erste Hoffnungsschimmer, und so fanden im Leipziger Grassi-Museum zwei Konzerte vor einem kleinen Publikum statt, die eigentlich auf das Programm des Bach-Festes zugeschnitten waren.

Künstlerblut

Die "Familien", um die es hier ging, können unter dem Schlagwort "Wahlverwandtschaften" zusammengefasst werden – kein genetischer, aber ein ästhetischer Zusammenhang besteht zwischen den beiden Gruppen von Komponisten, deren teils sehr entlegene Werke Steffen Schleiermacher für diesen Anlass zusammengestellt hat.

Schleiermacher – Komponist, Pianist und Organisator vieler Konzerte mit Werken der Klassischen Moderne – unternahm mit Mitgliedern des Leipziger Gewandhausorchesters einen Gang durch die Musik vor allem der 1920er Jahre, einen Streifzug durch die Metropolen Paris und Wien.

Porträt des Pianisten, der mit krauser Stirn in die Kamera schaut. (Xavier Miró)Der Pianist und Komponist Steffen Schleiermacher, 2005 in Alicante. (Xavier Miró)

Paris: Dort hatten fünf junge Komponisten und eine Komponistin, Germaine Tailleferre, den kauzigen Erik Satie auf den Schild ihres Kampfes gegen Konvention und Gefühlsduselei gehoben.

Die keineswegs homogene "Groupe des Six" interessierte sich für urbanes Leben, Maschinen und Modetänze, öffnete sich aber auch der Tradition – letzteres vor allem durch Arthur Honegger, dessen komplexe Sonate für Viola und Klavier den ersten Kreis dieser "Wahlverwandtschaften" abrundet.

Interkontinentale Prägungen

Wien: Hier sammelten sich glühende Spätromantiker und Mahler-Verehrer rund um Arnold Schönberg, der sich selbst und seinen Schülern bald völlig neue Klangwelten erschloss. Obwohl weitgehend Autodidakt, beeinflusste Schönberg seine Wiener Schüler gerade durch die handwerkliche, traditionsverbundene Seite des Komponierens.

Der Komponist lehnt sich an eine Hauswand. (imago images / United Archives)Viele junge Komponisten suchten den Rat von Arnold Schönberg. (imago images / United Archives)

Auch in Berlin und später im kalifornischen Exil prägte er mehrere Generationen von Komponisten – anders als beim Pariser Pendant kann man hier mit Fug und Recht von einer Schule sprechen, obwohl eine solche Bezeichnung dem Facettenreichtum der daraus hervorgegangenen Musik nicht gerecht wird. Mit Natalia Prawossudowitsch wird auch in diesem Programmteil eine Komponistin vorgestellt, deren Werk eine größere Aufmerksamkeit verdient hat.

Aufzeichnungen vom 15. und 16. Juni 2020 im Grassi-Museum Leipzig

Erik Satie und die Groupe des Six
Werke von Erik Satie, Darius Milhaud, Louis Durey, Germaine Tailleferre, Francis Poulenc, Georges Auric und Arthur Honegger

Arnold Schönberg und die Zweite Wiener Schule
Werke von Arnold Schönberg, Alban Berg, Natalia Prawossudowitsch, Hanns Eisler, Józef Koffler, Josef Matthias Hauer und Egon Wellesz

Matthias Kreher, Klarinette
Dorothea Hemken, Viola
Steffen Schleiermacher, Klavier und Moderation

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